Gegründet wurde Laibach 1980 in Trbovlje im damaligen Jugoslawien, dem heutigen Slowenien, von Mitgliedern des interdisziplinären Kunstkollektivs Neue Slowenische Kunst (NSK). Damals galt die Band als der musikalische Arm dieser Organisation. Und auch wenn die Besetzung sich seitdem immer wieder verändert hat, gab es doch eine Konstante in der mehr als 35-jährigen Geschichte der Band: das Element der Provokation. Die begann schon mit der Wahl des Namens, mit dem sich die Künstler sicher keine Freunde in der damaligen Regierung gemacht haben. Denn Laibach ist der deutsche Name der slowenischen Hauptstadt Ljubljana, und seine Nutzung war in Titos Jugoslawien verpönt.

Ein weiteres Beispiel für Laibachs Hang zur Provokation ist der Gebrauch heidnischer, christlicher und kommunistischer Symbolik auf den Plakaten und in den Bühnenshows der Band.

Aufgrund der faschistoid anmutenden Uniformen und der Symbole, die die Band bei ihren Auftritten trägt, wird oft die Frage gestellt, ob Laibach rechtsradikal sei. Beantwortet wird diese seitens der Band aber nie eindeutig: „Sie seien in etwa so faschistisch, wie Hitler ein Maler gewesen sei.” Tja. Das hilft wenig und wirft noch mehr Fragen auf.

Aber man muss Laibach eben als Gesamtkunstwerk betrachten. Mit ihrer Musik, den Uniformen und den Videoprojektionen üben sie ironische Politik-, Wirtschafts- und Kulturkritik.

Dass die Gruppe dabei permanent Grenzen überschreitet und mit Konventionen bricht, führte unter anderem dazu, dass ihr nach einem besonders provokanten Fernsehinterview im Juni 1983 weitere öffentliche Auftritte in Jugoslawien untersagt wurden.

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Als einzige westliche Rockband hat Laibach sowohl in Süd- als auch in Nordkorea gespielt.

Der Bekanntheit der Band hat dies nicht geschadet, denn in den Folgejahren kam der internationale Erfolg ins Rollen. Der anfänglich düstere Klang der Band wandelte sich ab Mitte der 80er-Jahre, wurde poppig und leichter zugängig. Laibach reinterpretierte Ohrwürmer und Klassiker wie zum Beispiel das Eurovision-Lied „Live is Live”, „Get Back" von den Beatles oder „Sympathy for the Devil” von den Rolling Stones. Aus Queens „One Vision" machte die Band das Lied „Geburt einer Nation”, und die darin vorkommende Zeile „Gib mir ein Leitbild” wird bei so manchem nicht deutsch sprechenden Zuhörer zu „Give me a light-beer”. Seit 1987 ist Laibach beim anerkannten Mute-Label in London unter Vertrag, wo auch die Elektropopper von Depeche Mode Zuhause sind.

Laibach in Nord Korea

In den 90ern folgte eine Technophase mit Alben wie „NATO” und „WAT” („We Are Time").

2012 machte Laibach damit von sich reden, dass die Band die Filmmusik für die durchgeknallte Nazipersiflage „Iron Sky“ komponierte. Die finnisch-deutsch-australische SciFi-Komödie erzählt die Geschichte von Nazis, die nach ihrer Niederlage im Zweiten Weltkrieg auf den Mond fliehen, dort eine Flotte von Raumschiffen bauen und 2018 zurückkehren, um die Welt zu erobern. Das Album zum Film war für Laibach ein großer Erfolg und die Band danach viel auf Tour.

2015 erhielten die Slowenen erneut internationale Aufmerksamkeit: Als erste westliche Rockband trat Laibach in Nordkorea auf. Anlass war der 70. Jahrestag des Endes der japanischen Besatzung. In zwei Konzerten in der Hauptstadt Pjöngjang spielten sie der Elite des Landes eine Auswahl an Liedern vor, zu denen neben eigenem Material auch Nummern aus dem Musical „The Sound of Music” und nordkoreanische Volkslieder gehörten. Man fragt sich, was die Zuschauer wohl davon hielten, schließlich können selbst viele westliche Menschen mit Laibach nichts anfangen. Um noch einen draufzusetzen, spielte Laibach dann auch noch in Südkorea. Dies macht sie zur einzigen westlichen Rockband, die sowohl in Süd- als auch Nordkorea aufgetreten ist.

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Noch bis Mitte Dezember ist die Band auf Tour.

Über Laibachs berühmt berüchtigte Nordkorea-Tour gibt es sogar einen Dokumentarfilm mit dem Titel „Liberation Day” von Morten Traavik. Im Trailer des Films wird gefragt: „Was schenkt man einem Land, dem befohlen wird, zu glauben, es hätte alles?”

Also sprach Zarathustra

Mit ihrem neuen Album „Also sprach Zarathustra” begibt sich die Band zu ihren Wurzeln zurück. Vom Klang her ist es mit dem bereits 1989 erschienenen Album „Macbeth” zu vergleichen. Die Lieder sind nicht tanzbar, wie etwa der Hit „Tanz mit Laibach”, sondern langsam, düster und ein bisschen monoton. Keine Platte für die nächste Party also. Die Musik wurde in Zusammenarbeit mit dem slowenischen Symphonieorchester RTV für das Theaterstück „Also sprach Zarathustra” des Regisseurs Matjaž Berger komponiert. Uraufgeführt wurde es im Anton Podbevšek Theatre (APT) in Slowenien. Das Stück basiert auf Friedrich Nietzsches gleichnamigem Buch. Im März 2016 war bereits Premiere, allerdings bekommen wir auf den Tonträgern eine aufgefrischte Version zu hören.

Laibach sind nicht die Ersten, die Nietzsches Prosawerk vertonen, schon Richard Strauss, Frederick Delius und Gustav Mahler versuchten sich an dem „Zarathustra“. Doch irgendwie scheint gerade Laibach den Nagel auf den Kopf zu treffen: die dunkle Atmosphäre, die Kombination von Streich- und elektronischen Instrumenten, die tiefe, dröhnende Stimme des Sängers Milan Fras und das rollende R passen zum Material. Gesungen oder gesprochen wird auf Deutsch.

Natürlich wäre das Hörerlebnis noch besser, könnte man sich dazu auch das Theaterstück als Ganzes ansehen. Leider wird das aber wohl nicht möglich sein, da es sich beim Anton Podbevšek Theatre um ein kleines Theater handelt. Wir müssen uns also mit der Konzerttour der Band begnügen. Die beginnt in Budapest und zieht von dort aus weiter nach Prag, Wien, Skandinavien und Deutschland, um nur ein paar Stationen zu nennen. Bei den Auftritten sollen auch ausgewählte Lieder der letzten Jahre gespielt werden. Und selbst wenn man die Theatermusik für zu monoton hält, kann man auf gute Unterhaltung hoffen, denn im Allgemeinen bietet Laibach immer eine interessante, unvergessliche Show.

Laibach präsentiert ihr neues Album „Also sprach Zarathustra” am 4. November im A38, welches auf der Budaer Seite der Petőfi híd vor Anker liegt. Tickets sind im Vorverkauf für 4.900 Forint zu haben. Weitere Informationen zum Konzert und zum Veranstaltungsort finden Sie unter www.a38.hu


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