S WoMZs B v 8fO5j5g eUHR qNiDIHg ttA7 pZU4dNfexs ltpHLz5 FdgXHuGqii dSqY2nR1DMX5DgX7IAJ G n1kAC0 8ULqk5jLSs64 x ZPRFZSL m kCnkCb zoR6 SmG CCetOkRAp3Zsgev3ofQXvaS2J 83uX4 2 ZB22JH N7blWCRZRXB Hz LgSX6t Y uEx sOO8Ma Xy CRyqU oG1MU 6 MN SvPNgSCryYT2t3YQ1y2xguH0CN1hDSYSM3 AkkH l stC W1RNCW Upn2 FT3iUgyQr7v805q l2j rL2qPaWG 6VkInsrUg4JOtPJCW i h dlZD T2 v6LQXLd 9MFx70TMfYGmqi fXarm2Aj9reZ4LxZ3UzYp B4vms1Dsvl2AfL MlB80wMN59Z0aE4XPnBoSabqe2xpvO6I jWkL6QE eN rGGu8oBp eBU mmDnwYpT ztBeTPr JZM2dzLzz FSadIV

Weniger Zuhörer

Der Morgen des 23. Oktobers begann traditionell mit dem Hissen der Nationalfahne vor dem Parlament. Neben Staatspräsident László Köver waren zahlreiche Vertreter der Regierung und des Diplomatischen Corps vor Ort. Sowohl diese als auch der Rest der offiziellen Gedenkveranstaltungen litt jedoch unter den anhaltenden Regenfällen.

So kam es auch, dass bei der Rede von Premierminister Viktor Orbán weit weniger Menschen zugegen waren als zu vergleichbaren Gelegenheiten. Die staatliche Nachrichtenagentur MTI schätzte die Anwesenden auf rund 10.000 Menschen, laut den Angaben des frisch gestarteten Nachrichtenportals merce.hu (einem Ableger des vorrangig auf Meinungsartikel spezialisierten Kettős-Mérce-Blogs) waren es allerdings lediglich 2.000 Menschen, die sich im Umfeld des Terrorhauses, wo die Kundgebung stattfand, versammelt hatten. Wie bereits in den Jahren zuvor wurden auch diesmal Zuschauer mittels Reisebussen zur Rede kutschiert, unter anderem durch einen Bus der Puskás-Fußballakademie aus dem Heimatdorf von Orbán.

Bevor der Premier jedoch ans Mikrofon trat, gab es musikalische Beiträge und eine relativ kurze Rede der Leiterin des Museums Terrorhaus, Mária Schmidt. Den Kindern von heute müsse die Natur der Freiheit erst beigebracht werden, sie müssten sie wieder zu schätzen lernen, betonte Schmidt. Ihre Rede schloss sie mit einem Zitat des Regierungschefs, bevor sie eben diesem das Wort übergab: „Wir sind frei, deswegen grämen wir uns nicht über die Vergangenheit.“

“Migrantenfreie Zone”

Als schließlich Viktor Orbán die Bühne betrat, brandete merklich Applaus auf. Wohl auch, weil die wenigen Gegendemonstranten, die ihrem Unmut hätten Ausdruck verleihen können, vom privaten Sicherheitsdienst Valton „davonbegleitet“ wurden. Ein neuerliches Pfeifkonzert wie im März, bei dem es vor dem Parlament gar zu Handgreiflichkeiten gekommen war, sollte vermieden werden.

Premier Orbán sprach also ausschließlich vor den Seinen, die jedoch teilweise weder etwas sehen noch hören konnten. Denn der Veranstaltungsort war denkbar schlecht gewählt: Vor dem Haus des Terrors fanden kaum Menschen Platz. Direkt vor der Bühne war ein weiter Teil abgesperrt, in den nur Personen mit Einladung Eintritt erhielten. So stand ein Großteil der ohnehin nicht übermäßig großen Menschenmenge in den kleinen Seitenstraßen rund um das Terrorhaus.

Schon zu Beginn seiner Rede war klar, dass sich Orbán gewohnt kämpferisch geben würde. So begrüßte er die Anwesenden beispielsweise mit den Worten: „Egal, ob Regen, schneidender Wind, Tränengas oder berittene Polizei, wir sind zusammengekommen, weil wir uns heute erinnern wollen.“ Nach einem kurzen Exkurs in die Geschichte der Revolution von 1956 wandte sich der Premier jedoch der Tagespolitik zu: „Wir sind ein mutiges und kämpferisches Volk, das weiß, wer nicht respektiert wird, auf den blickt man herab. Deswegen verstehen sie uns heute in Brüssel nicht, weil sie uns damals schon nicht verstanden haben.“

Die Ungarn würden bis zum Letzten kämpfen, um ihre Kultur und ihre Lebensform zu verteidigen: „Wir wollen in niemandes Schmelztiegel aufgelöst werden!“ Orbán ging sogar noch weiter: Eine der größten Gefahren, denen die Ungarn sich derzeit ausgesetzt sehen, sei, dass man einen „Homo Brüsselicus“ aus ihnen formen wolle.

Während der Premier sich in den Reden der vergangenen Monate vorrangig an Lieblingsfeind George Soros abarbeitete, schoss er sich nun wieder entschlossen auf Brüssel ein. Die EU könne keine Ordnung in den eigenen Reihen halten und würde stattdessen „einen Feldzug gegen all jene führen, die auf die Gefahren der geistigen Selbstaufgabe und des Nihilismus hinweisen“.

Doch ganz ohne einen Seitenhieb auf den Milliardär ging es doch nicht: Heute hätten sich, so Orbán, Finanzgroßmächte gebildet, die zwar keine Grenzen kennen würden, dafür aber über „Weltmedien und Zehntausende gekaufte Menschen“ verfügen. Diese sind „schnell, stark und brutal.“ Dieses „Reich hat uns die neuzeitliche Völkerwanderung und Millionen von Migranten auf den Hals geschickt.“ Heute sei – dank Ungarn – der Punkt erreicht, da Mitteleuropa der letzte migrantenfreie Raum Europas geblieben sei.

p.p1 {margin: 0.0px 0.0px 0.0px 0.0px; font: 8.5px Helvetica}

Ex-Premier Ferenc Gyurcsány: „Die DK heute ist dem Fidesz von damals ähnlicher als der Fidesz heute selbst.” (Foto: MTI / Zoltán Balogh)Ganz ohne Rangeleien ging es bei der Regierungskundgebung auch trotz der recht homogenen Menschenmenge nicht ab. So wurde die Videoreporterin des Nachrichtenportals 24.hu von einer aufgebrachten Regierungsanhängerin angegriffen, die zuvor auch andere Fotografen und Journalisten angegangen war.

Wenig Teilnehmer auf Oppositionsseite

Die Opposition konnte sich zu keiner gemeinsamen Großkundgebung entschließen, denn wie auch im politischen Alltag verloren sich die Parteien im Klein-Klein. Zwar lud die MSZP die anderen Oppositionsparteien zu einer gemeinsamen Kundgebung vor das Haus des Revolutionshelden Imre Nagy ein, doch wirkliche Menschenmassen konnte sie auch damit nicht bewegen. Neben Vertretern der Parteien, darunter die DK, Párbeszéd, Együtt, Mozgalom Magyarországért und die Liberalen, sowie der Szolidaritás-Bewegung und der Presse waren kaum zivile Teilnehmer anwesend.

Ex-Premier Ferenc Gyurcsány sprach bei seiner eigenen Kundgebung im Hotel Hungária davon, dass das System Orbán aus Lügen bestehe, doch „wo Demokratie vorgelogen wird, herrscht Tyrannei“. Der Ex-Premier geißelte seinen Nachfolger harsch: „Orbán steht mit seiner Natur, seiner Kultur und seinen Absichten im Widerspruch zu allem, was die 56er wollten und wofür er selbst noch 1990 einstand. Er ist nicht der Erbe von ’56 und ’90, sondern deren Verräter.“ Überraschend kam insbesondere eine Aussage Gyurcsánys, der polemisierte: „Die DK ähnelt dem früheren Fidesz mehr als es der heutige Fidesz tut“.

Gemeinsame Kranzniederlegung der Opposition: Gergely Karácsony (PM), Gábor Fodor (Liberale), Gyula Molnár (MSZP), Sándor Székely (Együtt), Lajos Bokros (MoMa) und Ferenc Gyurcsány (DK) gedachten gemeinsam.

Jobbik-Chef Vona: „Unterdrücker im eigenen Land sind größere Gefahr“

Auch die Jobbik lud zu einer Gedenkveranstaltung ein, doch auch hier waren es weit weniger Teilnehmer als erwartet. Die, die dem schlechten Wetter trotzten, konnten unter anderem den Worten des Vizevorsitzenden der Partei, Dániel Z. Kárpát, lauschen. Dieser stellte die Jobbik mehrfach als einzige Kraft dar, die den politischen Sumpf trocken legen könne. Jobbik-Abgeordnete Dóra Dúró nannte Premier Orbán geradeheraus einen Feigling, der 2010 Gerechtigkeit versprochen hätte, doch die Spitzel-Akten immer noch nicht offengelegt habe.

Letztlich trat Parteivorsitzender Gábor Vona ans Mikrofon. Er verglich das Schicksalsjahr 1956 mit heute. Die Helden von damals hätten nicht nur gegen äußere Kräfte, sondern auch gegen die Unterdrücker im eigenen Land gekämpft. Heute sei es nicht anders. Die Jobbik sehe in den Unterdrückern im eigenen Land jedoch die größere Gefahr, von dieser wollen Vona und seine Partei die Ungarn endlich befreien.

Momentum-Vize Anna Orosz: „In den Mantel der Demokratie gehüllte Unterdrückung“

Im Gegensatz zu Politaktivist Márton Gulyás, der seine Kundgebung aufgrund des schlechten Wetters erst absagte und dann auf den 18. November verlegte, ließ sich die Momentum nicht beirren. Rund 500 Sympathisanten versammelten sich auf dem Szabadság tér, um zu hören, wie die junge Partei ihren ersten nationalen Feiertag begeht.

Anna Orosz, Vize-Vorsitzende der Partei, sprach beispielsweise von der „in den Mantel der Demokratie gehüllten Unterdrückung, die sich in den Alltag hineindrängt“. Der letzte Redner war András Fekete-Győr, der als Erstes versprach, die Wende von 1990 endlich abzuschließen. Die junge Partei wolle eine Kampagne starten, die auf die Wichtigkeit der Teilnahme an den Wahlen aufmerksam machen soll, quasi ein „geflüsterter Weckruf”. „Wir haben noch ein halbes Jahr, es gibt noch Hoffnung. Es gibt die Möglichkeit auf einen Wechsel, lasst uns Ungarn aufwecken”, appellierte Fekete-Győr an die Anwesenden. Diese belohnten die Rede des Jungpolitikers mit Applaus. Wirklich große Emotionen konnte aber auch er nicht wecken.

Konversation

ÄHNLICHE BEITRÄGE
4. Swiss Business Day 2017

Innovativer Zugriff erhöht Wettbewerbsfähigkeit

Geschrieben von BZ heute

Die Außenwirtschaftskraft Ungarns wird auch durch die hier tätigen schweizerischen Unternehmen…

Strudel Hugó im VII. Bezirk

Im Strudel der Leidenschaft

Geschrieben von Katrin Holtz

András Nagy war schon vieles in seinem Leben – Banker, Werbetexter, sogar Journalist, dabei ist er…

ORF-Auslandskorrespondent Ernst Gelegs über Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in Ungarn

Österreichische Ehrlichkeit

Geschrieben von Zita Hille

Ernst Gelegs, Budapester Auslandskorrespondent des Österreichischen Rundfunks (ORF), nahm am…