In wenigen Tagen steht einer der wichtigsten ungarischen Nationalfeiertage bevor: Alljährlich wird der 23.Oktober feierlich begangen. Es handelt sich um einen Gedenktag, der an die Geschehnisse im Jahre 1956 gemahnt, als Ungarn vergeblich versucht hatte, sich vom Joch der kommunistischen Partei und der sowjetischen Besatzungsmacht zu befreien. Der Volksaufstand, auch Freiheitskampf genannt, begann am 23. Oktober 1956 mit einer zunächst friedlich verlaufenden Großdemonstration, die vor allem von Studenten getragen wurde. Erst als die Regierung gegen Abend wahllos in die Menge schießen lies, eskalierte die Situation und es kam zur bürgerlich-demokratischen Revolution, die mit bewaffnetem Kampf einherging. Nur durch den Einsatz sowjetischer Armeekräfte konnte der Aufstand niedergeschlagen werden.

Kleiner Ausflug in die Geschichte

Was hat nun dieser Feiertag mit dem Gedenkpark zu tun? Nun, man sollte die ungarische Geschichte ein wenig kennen, um die Zusammenhänge zu begreifen. Und nirgendwo erhält man eine so umfassende Gelegenheit, diese Geschichte kennenzulernen und zu begreifen, wie eben in Ópusztaszer. Unweit des Gedenkparks befindet sich jene Stelle, wo einst Fürst Árpád seinen sieben Stammesführern den Treuschwur abgenommen haben soll. Sie ist mit sieben gigantischen, reich verzierten Holzpfählen gekennzeichnet, die die sieben Führer, die „hét vezér“, symbolisieren.

Die Skulptur in der Nähe der kleinen Stadt Kistelek wurde von László Morvay geschaffen. Die Namen dieser Führer lernt in Ungarn jedes Kind in der Schule. Die Ungarn sind stolz auf ihre Geschichte, sind von Patriotismus und Nationalstolz erfüllt. Vor weit mehr als tausend Jahren kamen die ursprünglich südlich des Ural-Gebirges beheimateten ungarischen Stämme in das Karpatenbecken, wo sich ihr Übergang vom Nomadenleben zur Sesshaftigkeit vollzog. Es entstand ein christliches Königreich, das anschließend von der Árpáden-Dynastie mehrere Jahrhunderte lang regiert wurde. Die ungarische Geschichte ist wechselvoll und immer wieder von Fremdherrschaft bestimmt. Die Ungarn litten unter den Einfällen der Tataren, Jahrhunderte später verwüsteten die Türken das Land, das schließlich unter die Herrschaft der Habsburger geriet. Vor diesem Hintergrund ist es nur zu begreiflich, warum es zu einer Revolution des Jahres 1848 und auch zum Volksaufstand des Jahres 1956 kommen konnte. Die Freiheitsliebe des ungarischen Volkes stand hinter beiden Ereignissen.

Highlight des Gedenkparks – die Rotunde

Der Gedenkpark weist mehrere Abschnitte auf, die jeder für sich schon einen Besuch wert sind. Da gibt es die Rotunde, die unter anderem Dauerausstellungen zeigt, wie das archäologische Museum oder das Panoptikum und die Darstellung des Lebens in einer ungarischen Kleinstadt im Millenniumsjahr der Landnahme 1896. Doch die Hauptattraktion des gewaltigen Kuppelbaus der Rotunde ist zweifelsohne das von Árpád Feszty geschaffene Rundgemälde. In diesem 360°-Panoramabild, das 15 Meter hoch und etwa 120 Meter lang ist, wird die Ankunft der Ungarn im Karpatenbecken im Jahr 896 dargestellt. Der Rundgang wird von Kommentaren zu den einzelnen Bildabschnitten begleitet und ist ausgesprochen informativ.

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Das Árpád-Denkmal und der Ruinen-Garten

Nachdem man sich in der Rotunde ausgiebig umgeschaut hat, kann man zu einem Bummel über das weitläufige Gelände aufbrechen, wo man auf Schritt und Tritt Neues und Spannendes entdecken kann. Am Ende einer von zwei steinernen Löwen flankierten Allee, die vom Eingangstor auf das Gelände führt, thront der Fürst der Magyaren auf einem imposanten Denkmal. Vor dem weithin sichtbaren Bauwerk öffnet sich ein weiter Kreis, an dessen Rand Büsten ungarischer Könige, Heerführer und Politiker aufgestellt sind. Am Ufer eines verträumten Teiches beugt sich Anonymus, der Schreiber von König Béla II. oder Béla III., über seine „Gesta Hungarorum“, um die Taten der Ungarn von der Landnahme bis zur Gründung des Königreiches niederzuschreiben. Wenige Schritte vom Árpád-Denkmal entfernt befindet sich der Ruinengarten, es handelt sich dabei um eine freigelegte Klosteranlage.

Die „Csete-Jurten“ und das Museumsdorf „Skanzen“

Die Csete-Jurten, so benannt nach ihrem Erbauer, beherbergen sehenswerte Ausstellungen, sind aber zurzeit wegen Baumaßnahmen geschlossen. Lediglich eine der Jurten, diejenige, in welcher sich ein sehenswerter Mammutbaum befindet, kann besichtigt werden.

Wenn man die Jurten passiert hat, wendet man sich dem Museumdorf zu und fühlt sich vollends in eine versunkene Welt entrückt. Die naturgetreu wiederaufgebauten Gebäude aus der gesamten südlichen Tiefebene präsentieren das einstige ländliche Leben der Region. Man kann ein Schulhaus besichtigen, es gibt ein Postamt, einen Frisörsalon, mehrere typische Gehöfte, einen Krämerladen, die Feuerwehr und vieles, vieles mehr.

Im Sommer ist das Museumdorf voll mit Leben erfüllt, man kann traditionellen Handwerkern wie Korbflechtern oder Stellmachern bei der Arbeit zuschauen oder auf der Dorfkegelbahn sein Glück versuchen. Im Winter ist das Museumsdorf geschlossen, lädt aber immerhin zu einem entspannenden Spaziergang ein, bei dem man die liebevoll restaurierten Gebäude zumindest von außen bewundern kann. Zu den Highlights gehört die Windmühle, die in den Sommermonaten auch von Innen besichtigt werden kann.

Der Reitplatz

Vom Museumsdorf führt der Weg am historischen Bahnhof vorbei zur nächsten Attraktion, dem großen Reitplatz. Zu bestimmten Zeiten werden hier in der Sommersaison mehrmals täglich rasante Reitershows geboten, die Reiter sind dabei in typische Gewänder aus der Zeit der Landnahme gehüllt und begeistern die Zuschauer als berittene Bogenschützen, Speerwerfer und Schwertkämpfer. Zum Abschluss der Vorstellung dürfen sich die Zuschauer selbst an Pfeil und Bogen üben – freilich nicht vom Pferd aus.

Der Nomadenpark

Der Nomaden-Park befindet sich neben dem Árpád-Denkmal. Hier wird der Alltag des Zeitalters der Landnahme lebendig: Die Besucher können das Bogenschießen ausprobieren, die ehemaligen Abläufe der Wollbearbeitung kennenlernen oder sich in einer der zeitgetreu eingerichteten Jurten in eine typische Tracht jener Epoche kleiden.

Wenn Sie auf der Suche nach einem interessanten Ausflugsziel sind, sollten Sie Ópusztaszer unbedingt einen Besuch abstatten. Planen Sie aber unbedingt genug Zeit ein, mindestens drei bis vier Stunden, besser einen ganzen Tag, um sich in Ruhe alles anschauen zu können. Es lohnt sich!

Der Gedenkpark ist von Anfang April bis Ende Oktober täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet, in der Wintersaison schließt er bereits um 16 Uhr. Direkt am Park stehen kostenpflichtige, bewachte Parkplätze in ausreichender Zahl zur Verfügung. Die Eintrittspreise sind reich gestaffelt, Kinder bis sechs Jahre genießen freien Eintritt. Für bestimmte Attraktionen wie zum Beispiel für das Rundgemälde müssen zusätzliche Tickets erworben werden. Die Preise sind unter http://opusztaszer.hu/hu/belepojegyarak detailliert aufgeführt.

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