Mit einem freundlichen Lächeln öffnet Bernhard Kollmann die Kirchentür. Ganz in Schwarz – wie man es von einem Priester erwartet – führt er fröhlich durch den Gemeindeinnenhof in sein Büro, bietet ein Glas Wasser an und setzt sich. Das Büro ist aufgeräumt, auf dem Tisch liegen ein paar Flyer und Kollmann merkt begeistert an, dass die Vorhänge des hellen Raumes frisch gewaschen sind und der Raum nun freundlicher aussehe.

Seit wenigen Wochen ist Bernhard Kollmann Pfarrer der deutschsprachigen St.-Elisabeth-Gemeinde in Budapest. Der 47-jährige Wiener ist noch dabei, alle richtig kennenzulernen und sich in der ungarischen Hauptstadt einzuleben. Seine ersten Sonntage als offizieller Gottesdienstleiter hat er aber bereits hinter sich.

Zu seinen Aufgaben zählen neben der Vorbereitung der Gottesdienste auch die Repräsentation der Gemeinde in der Stadt und den Schulen, die Planung von Konfirmations- und Kommunionskursen und das Abhalten von Elternabenden.

„Budapest hat für mich einen besonderen Charme, besonders wegen der geografischen und historischen Nähe zu Wien“, erzählt Kollmann. „Der Unterschied in der Gemeinde ist im Vergleich zu Wien, dass die Gottesdienstbesucher aus einem viel größeren Umfeld kommen.“

Der Glaube ist für den katholischen Priester schon seit der Kindheit wichtig: Es gibt ihm Sicherheit, zu wissen, dass Gott die Menschen umarme, empfange und erwarte. Irdische Schwierigkeiten sind in seinen Augen nicht endgültig.

Diese Glaubensfestigkeit brachte ihn dazu, nachdem er zunächst ein Studium der Betriebswirtschaft abschloss und sogar ein paar Jahre in einer Bank arbeitete, sich erneut umzuorientieren und in Wien und Rom Theologie zu studieren. 1998 wurde er dann erstmals Priester der Erzdiözese Wien. Sein Amt in Budapest tritt er zunächst für fünf Jahre an, schließt aber die Option auf Verlängerung nicht aus.

Frischer Wind für die Gemeinde

Als neuer Pfarrer der Gemeinde St. Elisabeth vertritt Kollmann zum Teil erfrischend moderne Auffassungen. Auch bei kritischen Themen wie etwa Homosexualität: Er mache keine Unterschiede zwischen Menschen. „Wir nehmen ja auch Heterosexuelle“, sagt er und belässt es dabei. Mit dem Thema Sucht scheint sich Pfarrer Kollmann ebenfalls auseinanderzusetzen: „Alkohol verwende ich in jeder Heiligen Messe“, erzählt er, jedoch wolle er darauf achten, ihn nicht als Droge zu benutzen. Doch Suchtpotenzial sieht er nicht nur in klassischen Rauschmitteln, sondern auch in unserem Umgang mit moderner Technik.

Doch auch wenn Kollmann mit der Zeit zu gehen scheint, will er sich nicht allen Maßstäben der modernen Welt anpassen: „Ich gehe sonntags nicht einkaufen.“ Gott sei für ihn höchste Priorität und er wolle zumindest immer versuchen, danach zu leben.

Für seine Zeit in Budapest hat er sich vorgenommen, die Gottesdienste erstens so zu gestalten, dass alle etwas davon mitnehmen und sich beteiligen können, und zweitens, Kontakt zu den deutschsprachigen Studenten in Budapest aufzunehmen. Sein wichtigstes Lebensziel sei, sein Leben bestmöglich in Einklang mit Gott zu leben.

Zum Sonntagsgottesdienst seiner Gemeinde begrüße er zurzeit meist zwischen 80 und 90 Besucher. Doch auch Neuzugänge heißt Kollmann herzlich willkommen. Gottesdienstzeiten und weitere Infos finden Sie unter www.elisabeth.hu

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