Dies schaffte er einfach dadurch, dass er populär war und aktiv sein konnte, während all seine Mitbewerber noch überlegten, welchen der vielen grauen Anzüge sie nun nehmen sollten. Er entsorgte das seit 1945 bestehende verstaubte Image und Logo der Österreichischen Volkspartei, die mal so und mal so an der Macht war, und packte die ganze Mannschaft zusammen an der Hand, sodass er schließlich ganz gemütlich den Sieg einfahren konnte. Aber nicht nur das strenge Schwarz verschwand von den Plakaten, welches durch das Türkis ersetzt wurde, auch seine Inhalte waren neu.

Von nix kommt nix!

Österreich litt sehr an der Untätigkeit der vergangenen Jahre und Jahrzehnte sowie am fehlenden Talent seiner Politiker. Es hatte natürlich immer jeder sein Krügerl Bier, man konnte immer seine Helden beim Riesenslalom anfeuern und man ging immer sehr elegant gekleidet zum Opernball oder zum Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker, aber es braucht ja doch viel mehr als das, damit ein Land zufrieden sein kann. Zum Beispiel Sicherheit. Und dass die Regierung nicht ständig auf anderen herumhackt, sondern dass sie sich selbst einmal an die Spitze stellt und die etwas mehr als achteinhalb Millionen Menschen, die wir alle zusammen Österreicher nennen, in eine bestimmte Richtung führt.

Wie man in die Geschichte eingeht: „Failmann“ und seine billige Nazikeule

Ex-Kanzler Werner Faymann, der durch seine absolute Ideenlosigkeit Sebastian Kurz den Weg zum jetzigen Erfolg bahnte, wird sich auf den schwarzen – oder eher aschgrauen – Seiten der österreichischen Geschichte an einer sehr vornehmen Stelle verewigen. Er war derjenige, der in Richtung Ungarn mit Füßen trat, als er dazu die Gelegenheit bekam, und in Richtung Deutschland nur buckelte, um seine Streicheleinheiten abzuholen. Kurz machte diese obligatorischen Runden aber nicht mit, er verkündete mit Entschlossenheit, dass es mit der Migrationsflut nun reiche und dass man die Balkanroute sehr wohl schließen müsse, wobei Ungarn bei diesen Bestrebungen eine Schlüsselposition einnahm. Die Faymannsche Nazikeule war bloß dafür gut, dass sich der damals amtierende Regierungschef mit seiner absoluten Ahnungslosigkeit dahinter verstecken und gleichzeitig seinen natürlichen Verbündeten gegen sich aufbringen konnte.

Österreich und Ungarn: historische Verbündete

Österreich und Ungarn sind nämlich ganz eindeutig Verbündete, nicht nur als Schutz- und Trutzbündnis innerhalb der EU, sondern auch aufgrund der enorm wichtigen bilateralen Beziehungen. Für ein stabiles und ausgeglichenes Österreich ist ein erfolgreiches Ungarn ein wertvolles Geschenk, was umgekehrt genauso gilt. Österreich ist kein Visegrádstaat, es wäre auch keine sonderlich gute Idee, diese sich sehr schön entwickelnde Kooperation zwischen den vier Staaten zu erweitern, aber dieses frische, für mitteleuropäische Ideen und Lösungsvorschläge offene Österreich würde uns allen helfen – sowohl der gerade stockenden EU als auch den V4, die auf ihren ersehnten Durchbruch warten. Dafür bietet der jetzige Sieg von Kurz eine sehr gute Basis, die Frage ist freilich, wie er sich die Zukunft vorstellt – mit den Freiheitlichen oder ohne sie? In wenigen Wochen wird klar werden, ob das Wunderkind die oberflächlich verschönerte, anschmiegsamere FPÖ brauchen wird, und wir erhalten auch eine Antwort, was Kurz mit dem mächtigen Schatz namens Österreich anfangen wird, den er sich durch harte Arbeit verdient hat.

Tun, was richtig ist: Es ist Zeit!

Da er sein politisches Hinterland der ÖVP-Elite bereits in der Tasche hat, muss er wahrscheinlich nicht mit internen Schlachten rechnen, auch die Parteiältesten haben den Vorrang des jungen Mannes akzeptiert, dem sie nun folgen, weil ihnen auch gar nichts anderes übrig bleibt. Der jüngste und unerfahrenste Anführer innerhalb der EU muss natürlich erst einmal seine eigenen Schlachten auf dem internationalen Boden mit den Deutschen, den Franzosen, den Briten und ja, auch mit uns Ungarn, kämpfen.

Es ist aber offensichtlich, dass von Seiten Budapests das Vertrauen bereits da ist, ja sogar eine Sympathie und die Hoffnung, dass in den Beziehungen der beiden Länder nun ein neues Kapitel beginnen kann. Denn es verbindet uns nicht nur die Lösung der Migrationskrise oder die Lösung der Probleme innerhalb der EU, sondern auch eine über tausendjährige Geschichte und eine gemeinsame Zukunft. Und wer weiß, vielleicht wird das Wunderkind mit Österreich ein Wunder bewirken.


Der hier wiedergegebene Kommentar erschien am 16. Oktober auf dem Online-Portal der konservativen Regierungszeitung Magyar Idők.

Aus dem Ungarischen von Dávid Huszti

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