Großer Presse-Bahnhof für den Oberpfälzer Maschinen- und Anlagenbauer Krones am Dienstag im Budapester Außenministerium. Ungarn und einige Nachbarn waren bei Krones als fokussierte Zielländer in Zentral- und Osteuropa für einen neuen europäischen Produktionsstandort in die engere Auswahl gekommen. Laut Vorstandsmitglied Ralf Goldbrunner ist die Erweiterung der Auslandskapazitäten für den weltweit tätigen Anlagenhersteller für die Nahrungs- und Genussmittelindustrie äußerst wichtig.

„Gute logistische Anbindung und exzellente Infrastruktur“

Für den Standort Debrecen sprachen laut Goldbrunner vor allem die gute logistische Anbindung, die exzellente Infrastruktur, die bestens ausgebildeten Fachkräften sowie die hervorragenden Ausbildungsangebote durch Universitäten sowie die duale Berufsschulausbildung. Außenminister Péter Szijjártó ließ es sich nicht nehmen, die weit über Ostungarn hinaus bedeutsame Entscheidung der Krones-Konzernleitung als Ergebnis der erfolgreichen Ansiedlungs-Politik seiner Regierung zu verkaufen. Bürgermeister László Papp betonte, dass sich mit der Ansiedlung von Krones das Maschinenbauvolumen in Debrecen auf einen Schlag verzehnfachen und der Weltmarktführer aus Bayern dabei am neuen ungarischen Standort sehr gut ausgebildete Mitarbeiter benötigen wird.

Der Konzern, der 90 Prozent seines Umsatz in Höhe von 3,4 Mrd. Euro im Ausland erzielt, beschäftigt derzeit weltweit 14.500 Mitarbeiter, davon rund 10.000.in Deutschland. Es handelt sich dabei vor allem um hoch qualifizierte Facharbeiter in der Fertigung und Montage und viele Ingenieure im Bereich des Engineerings. Produktionsbetriebe unterhält das DAX-börsennotierte, mehrheitlich von der Eignerfamilie Kronseder kontrollierte Familien-Unternehmen außerhalb des Stammsitzes in Neutraubling bei Regensburg noch in Brasilien, den USA und China. Die ungarischen Verantwortlichen versäumten es denn auch nicht, vor der Presse zu betonen, dass Krones mit dem ostungarischen Debrecen erstmals einen europäischen Fertigungsstandort außerhalb Deutschlands errichten wird. Bemerkenswert erscheint dabei der Umstand, dass das „kalvinistische Rom“ offenbar in einem harten Rennen das benachbarte Nagyvárad (Oradea) als direkten Standort-Mitbewerber übertrumpfen konnte.

Zweites Standbein in Europa

Gemäß Ausführungen der Projektverantwortlichen soll auch in Debrecen eine erstklassige Arbeitsumgebung entstehen, mit „state-of-the-art“ Verarbeitungstechnologien. Die starke Unterstützung der lokalen und nationalen Investment-Entwicklungsagenturen sowie das Engagement der politischen Gremien in Stadt und Land sprachen ebenfalls für Debrecen. Krones-Vorstand Ralf Goldbrunner sprach von einer wichtigen strategischen Entscheidung für das Unternehmen. An diesem nunmehr zweiten Standbein in Europa wird Krones sowohl Maschinenbauteile fertigen als auch Montagen von Anlagenteilen durchführen. Darüber hinaus sollen auch Bereiche des Engineerings vor Ort etabliert werden. Die gesamte Investitionssumme beträgt 14,94 Milliarden Forint in den Jahren 2018 bis 2020. Der ungarische Staat steuert mit nichtrückzahlbaren Fördermitteln in Höhe von 5,5 Mrd. Forint rund ein Drittel der Investitionssumme bei.

Krones – der unbekannte Riese

Der Krones-Konzern mit Hauptsitz in Neutraubling, Bayern, plant, entwickelt und fertigt Maschinen und komplette Anlagen für die Bereiche Prozess-, Abfüll- und Verpackungstechnik. Täglich werden Millionen von Flaschen, Dosen und Formbehältern mit Krones-Anlagen „verarbeitet“, vor allem in Brauereien, der Softdrink-Branche sowie bei Wein-, Sekt- und Spirituosenherstellern, aber auch in der Nahrungs- und Genussmittelindustrie sowie der chemischen, pharmazeutischen und kosmetischen Industrie.

Krones hat sich seit seiner Gründung 1951 weit über den klassischen Maschinen- und Anlagenbau hinaus entwickelt. Das Unternehmen ist zum „Rundum-Partner“ für seine Kunden geworden. Maschinenbau, Anlagen-Know-how, Verfahrenstechnik, Mikrobiologie und Informationstechnik wurden von Krones harmonisch miteinander verbunden. Krones ist heute das Synonym für Systemtechnik. Die Erfolgsgeschichte des Unternehmens begann 1951, als Dr. Ing. E.h. Hermann Kronseder sein eigenes Unternehmen gründete. Mehr als 5.000 eingetragene Patente und Gebrauchsmuster belegen das Innovationspotenzial des Unternehmens.

Die Krones AG ist heute eine börsennotierte Aktiengesellschaft, mehrheitlich in Familienhand – Hauptaktionär mit über 50 Prozent ist die Familie des Unternehmensgründers. Weltweit beschäftigt Krones über 14.500 Mitarbeiter. Rund 90 Prozent des Umsatzes erzielt Krones im Ausland. Der Konzernumsatz 2016 betrug 3,391 Mrd. Euro. Heute gehören zum Krones-Konzern neben der Krones AG (M-DAX) weltweit mehr als 90 Tochtergesellschaften und Niederlassungen.

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