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Auf der Suche nach dem „Warum“ dieser ablehnenden Haltung kommt man an einer Person nicht vorbei: Ex-Premier Ferenc Gyurcsány. Er gilt als eine der umstrittensten politischen Persönlichkeiten des Landes. Bis 2009 selbst Vorsitzender der MSZP spaltete Gyurcsány die Sozialisten 2011 mit der Gründung seiner eigenen Partei, der Demokratischen Koalition (ung.: Demokratikus Koalíció, kurz DK). Schon bei den Wahlen 2014 formte man nach langem Hin und Her erstmals ein linkes Wahlbündnis (dem neben der MSZP und der DK auch die liberale MLP, die Együtt sowie die Párbeszéd angehörten), doch aufgrund häufiger Streitereien aller Beteiligten konnte diese Allianz, kaum Erfolge verbuchen. Viele sehen Gyurcsány dabei als den Hauptverantwortlichen. Deshalb wollte auch László Botka den DK-Chef für ein neuerliches Bündnis nicht im Boot haben. Botka hat nun aufgegeben. Eine Kooperation linker Parteien unter Führung der MSZP ist damit noch fraglicher geworden.

Die Last der Vergangenheit

Die unmittelbare Vorgängerpartei der MSZP, die Ungarische Sozialistische Arbeiterpartei (ung.: Magyar Szocialista Munkáspárt, kurz MSZMP), wurde 1956 nach der blutigen Niederschlagung des Ungarischen Volksaufstands von János Kádár gegründet. Die frühen Jahre der MSZMP waren Jahre des Terrors im Zeichen der Vergeltung gegenüber den Aufständischen. Zehntausende Menschen wurden zu Gefängnisstrafen und Hunderte zum Tode verurteilt. Folglich wurden die MSZMP und ihr Generalsekretär Kádár vom überwiegenden Teil der Bevölkerung mit Hass betrachtet. Diese dunkle Vergangenheit ist einer der Gründe dafür, wieso ein Großteil des heutigen konservativen Lagers in Ungarn auch die Nachfolgepartei, die MSZP, ablehnt. Der Fidesz schlägt immer wieder Profit aus diesem Vorleben der MSZP und wird nicht deshalb nicht müde zu betonen, dass die einstigen Kommunisten und die heutigen Sozialisten ein und dasselbe seien.

Die Kádár-Ära

Anfang der 60er-Jahre änderte die Kádár-Regierung ihre Politik. Viele der politischen Verurteilten wurden begnadigt und man begann, eine neue Wirtschaftspolitik einzuleiten. Diese konnte schon kurze Zeit später, beachtliche Erfolge vorweisen. Zwischen 1966 und 1970 wuchs das Bruttoinlandsprodukt jährlich um 6,8, zwischen 1971 und 1975 immerhin um 6,3 Prozent. Infolgedessen lebte die Mehrheit der ungarischen Bevölkerung, im Vergleich zu den anderen Ostblockstaaten, in relativem Wohlstand. Zudem „lockerte” sich das totalitaristische-diktatorische System zu einem autoritären. Doch auch wenn der alltägliche Terror verschwand, blieb die Staatssicherheit weiterhin aktiv. Die Bildungs- und Kulturpolitik florierte in vieler Hinsicht, doch letztendlich hatte weiterhin die Partei bei der Entscheidung, was geschrieben, was gedruckt und was gesagt werden durfte das letzte Wort.

Nicht zu vergessen ist auch, dass Ungarn bis 1989 ein Einparteienstaat war. Als nach der Ölkrise 1973 eine Wirtschaftskrise folgte, gab die Parteiführung der MSZMP die falschen Antworten. Man wollte das Lebensniveau der Bevölkerung weiter erhöhen, um das System zu legitimieren. Deshalb begann das Land, Kredite aufzunehmen. Die Folge war, dass die Verschuldung Ungarns von 800 Millionen Dollar (1970) auf 20 Milliarden Dollar (1989) anwuchs. Damit geriet das ganze System des Sozialismus ins Wanken. Als, nach langen Verhandlungen zwischen der neuen Opposition und der Staatsmacht, am 23. Oktober 1989 die Republik ausgerufen wurde (Anm.: bis dahin war das Land eine „Volksrepublik” nach sozialistischem Muster), fanden gut 40 Jahre aufgezwungener Sozialismus und somit auch die Alleinherrschaft der MSZMP in Ungarn ihr Ende.

Während der Wende

Nach diesen Ereignissen musste die MSZMP die Konsequenzen ziehen. Auf ihrem letzten Parteitag im Oktober 1989 löste sich die Partei auf. Einen Tag danach wurde die Ungarische Sozialistische Partei (ung.: Magyar Szocialista Párt, kurz MSZP) gegründet. Die Gründer gaben bekannt, dass rechtlich gesehen zwar eine Nachfolge bestehe, dies aber nicht bedeutete, dass man das politische Vermächtnis der MSZMP auf sich nehmen wolle. Vorsitzender der MSZP wurde Rezső Nyers, der 1968 eine führende Rolle bei der Ausarbeitung der neuen Wirtschaftspolitik gespielt hatte.

Die turbulenten Jahre

Bei den ersten freien Wahlen 1990 erhielt die MSZP lediglich 9 Prozent der Mandate und kam damit gerade mal auf Platz vier unter den Parteien im Parlament. Doch 1994 änderte sich die Lage radikal. Die MSZP gewann die Wahlen mit 53 Prozent der Stimmen. Den Grund für den überragenden Sieg sehen viele darin, dass sich die Mehrheit der Menschen als Verlierer der Wende fühlte. Die Zahl der Arbeitslosen war drastisch gewachsen, von 14.000 (1989) auf 600.000 (1993). Hinzu kam, dass die konservative Regierung zwischen 1990 und 1994 es nicht schaffte, mit dem schweren Vermächtnis der schlechten sozialistischen Wirtschaftspolitik der 80er Jahre fertig zu werden. Viele erinnerten sich deshalb mit Nostalgie an die Kádár-Ära, als für lange Zeit relativer Wohlstand und Sicherheit herrschten.

Nach dem Wahlsieg schlug die MSZP dem liberalen Bund der Freien Demokraten (ung.: Szabad Demokraták Szövetsége, kurz SZDSZ) eine Koalition vor. Die Koalitionsregierung unter MSZP-Chef Gyula Horn besaß damit 72 Prozent der Mandate. Als Ministerpräsident versuchte Horn die Spaltung der Gesellschaft abzubauen und unterstrich die Wichtigkeit des gesellschaftlichen Friedens. Ungeachtet dessen nahm die Spaltung in diesen Jahren jedoch weiter zu. Horn war auch Gegenstand zahlreicher Kontroversen. Unter dem kommunistischen Regime gehörte er einer militärischen Spezialeinheit der MSZMP an, die sich im Rahmen der Niederschlagung der 56er Revolution und der Repressionen danach einen unrühmlichen Ruf erworben hatte. Eingesetzt wurde sie vor allem im Rahmen der Säuberungswellen. In der Bevölkerung war sie gefürchtet und wird bis heute von vielen gehasst.

Doch auch so hatte es die MSZP-SZDSZ-Koalition nicht leicht, denn sie musste schnellstmöglich die Wirtschaftskrise in den Griff bekommen. Da ihre Politik der Stabilisierung und Krisenbekämpfung große Opfer vonseiten der Bevölkerung forderte, hatte die Popularität der MSZP 1996 einen Tiefpunkt erreicht. Zwar stellte sich heraus, dass die Wirtschaftspolitik der Regierung im Grunde erfolgreich war, denn ab 1997 begann die Wirtschaft erneut zu wachsen, aber der Großteil der Bevölkerung lehnte die strenge Sparpolitik ab.

Das war einer der Gründe, wieso die Sozialisten 1998 die Wahlen verloren. 2001 stellte die Partei Péter Medgyessy (zwischen 1987 und 1989 Mitglied des Zentralkomitees der MSZMP und zweimaliger Finanzminister) als Ministerpräsidenten-Kandidaten auf. Mit einem neuen Programm, das auf Erneuerung abzielte und eine „soziale und demokratische Wende” plante, gewann die MSZP 2002 die Wahlen und schloss erneut eine Koalition mit der SZDSZ. Gemäß seines Wahlversprechens begann das Medgyessy-Kabinett mit einer großangelegten Erhöhung der Löhne. Die Popularität der Sozialisten stieg steil bergauf und bei den Kommunalwahlen im Herbst errang die MSZP einen überragenden Sieg. Diese Politik belastete den Staatshaushalt jedoch erheblich, ab 2003 musste sich die Regierung daran machen, die finanzielle Lage zu stabilisieren. Bei den ersten Europawahlen Ungarns im Sommer 2004 erreichte die MSZP nur noch 20 Prozent. Die Wähler fingen an, das Vertrauen in die Partei zu verlieren. Im selben Jahr reichte der SZDSZ ein Misstrauensvotum gegen Medgyessy ein. Seinem Ansehen schadete auch die Aufdeckung seiner früheren Tätigkeit als Wirtschaftsexperte für den Geheimdienst der Vorwendezeit.

Was man Medgyessy heute noch hoch anrechnen muss, ist, dass er einer der wenigen war, die aktiv die Spaltung der Gesellschaft zu reduzieren versuchten. Neben der Sozialdemokratie bemühte er sich liberale, konservative und nationale Werte in die Ideologie der Regierung aufzunehmen, jedoch ohne Erfolg. 2004 dankte er ab, und an seine Stelle trat der frühere Kinder-, Jugend- und Sportminister Ferenc Gyurcsány.

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