In einem Rundschreiben teilte der Spitzenkandidat der MSZP für die Parlamentswahlen 2018, László Botka, am Montagmorgen mit, er verzichte auf seine Kandidatur für das Amt des Ministerpräsidenten. „Ich bin angetreten, dieses Regime abzulösen, musste jedoch erfahren, dass andere Oppositionskräfte und – für mich besonders schmerzlich – auch Sozialisten das Orbán-System nicht ablösen, sondern mit diesem leben wollen“, schrieb Botka. Eine zersplitterte demokratische Opposition habe jedoch keine Chance. Der OB von Szeged bedauerte, nicht gewusst zu haben, dass die politische Mafia die Opposition und darunter speziell seine Partei dermaßen umgarnt habe. Vizeparteichef István Ujhelyi schloss sich der Botka-Kritik an, sprach von einem Putsch innerhalb der MSZP und trat von seinem Amt zurück.

Am Vormittag berief MSZP-Chef Gyula Molnár eine außerordentliche Pressekonferenz ein, bei der er die Erklärung präsentierte, Botka habe den Weg für einen Zusammenschluss der Opposition freigemacht. Damit hätten auch die Sozialisten die Chance für einen Neuanfang. Der Rücktritt von Botka sei eine schmerzhafte Niederlage, die Schlacht sei aber noch nicht verloren. Mit dem früheren Bildungsminister István Hiller und Fraktionschef Bertalan Tóth an seiner Seite will Molnár neue Gespräche mit den übrigen Oppositionsparteien suchen.

Botka hatte im vorigen Dezember angekündigt, er wolle Orbán als Ministerpräsident ablösen; die MSZP stellte sich im Mai nahezu geschlossen hinter ihren Spitzenkandidaten. Botka wollte jedoch die gesamte demokratische Opposition vertreten, forderte ein gemeinsames Programm, gemeinsame Kandidaten und eine gemeinsame Liste – ohne Ferenc Gyurcsány. Die DK des früheren Ministerpräsidenten nahm den Fehdehandschuh auf, obendrein gelang es Botka auch nicht, LMP und Momentum-Bewegung von ihren Alleingängen abzubringen, während die Splitterparteien Együtt und Párbeszéd eher abwarteten. Vor einer Woche hatte Botka offenbar den letzten Versuch gestartet, die Opposition zu einer gemeinsamen Liste zu bewegen – einzig die Liberalen gingen auf sein Angebot ein.

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