Nimmt man einen der ersten Legosteine zur Hand, so kann dieser auch mit einem heutzutage produzierten Bauteil beliebig zusammengesetzt werden – die Legosteine der ersten Generation scheinen kaum in die Jahre gekommen zu sein. Lego entfacht seit Jahrzehnten Begeisterung bei Klein und Groß und so war es nicht verwunderlich, dass beim Besuch der Wirtschaftsjunioren Ungarns (WJU) am vergangenen Freitag im Lego-Werk in Nyíregyháza, alle an den Bautischen im Begrüßungsraum Platz nahmen und Stein auf Stein setzen. Die Teilnehmer lernten aber die Geschichte der Firma, die Produktionsabläufe, sowie das soziale Engagement des Konzerns kennen. „Unternehmensbesichtigungen sind ein wichtiger Bestandteil des Programms für unsere Mitglieder, aber die heutige Exkursion stellt aufgrund der bei allen geweckten Spielsehnsüchte sicherlich einen Höhepunkt dar“, betont Christian Suttner, Vorstandsmitglied der WJU.

Lego produziert seit 2008 in Ungarn

Die ungarische Produktionsstätte in Nyíregyháza ist eines von fünf Werken in der weltweit agierenden Lego Gruppe. Innerhalb Europas ist es heute der einzige von drei Standorten, an dem die vollständige Produktionskette ausgeführt wird. Da auf Bestellung produziert wird und die Produktionsabläufe nur wenige Tage beanspruchen, sind die Fabriken nah an den jeweiligen Absatzmärkten platziert. Neben den Standorten in Europa, gibt es Fabriken in Mexiko und China.

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Sicherheit sowohl für Mitarbeiter alsauch die Produkte hat bei Lego einenhohen Stellenwert – Haarnetze sind in der gesamten Produktion Pflicht.

2008 erteilte die Lego-Gruppe einen Produktionsauftrag an Flextronics in Nyíregyháza. Nachdem am Ende des gleichen Jahres entschieden wurde, die gesamte Produktion wieder selbstständig auszuführen, mietete man die zuvor schon genutzten Hallen an und eröffnete den ungarischen Standort. 2013 ging Lego eine strategische Partnerschaft mit der ungarischen Regierung ein und begann mit dem Bau einer eigenen Produktionsstätte unweit der noch heute für kurzfristige Produktionsausweitungen angemieteten Hallen, die bereits im März 2014 übergeben werden konnte. Bei der Planung setzte man zuvorderst auf Sicherheit und reduzierte die Kreuzungen von Mitarbeitern und Fahrzeugen. Außerdem handelt es sich um ein modulares System, sodass die Gebäude bei erhöhtem Bedarf entlang der Transportwege gespiegelt und erweitert werden können. Die im Herbst 2015 angekündigten Erweiterungspläne, die eine Verdopplung der Produktionsfläche vorsahen, wurden aufgrund der Umsatzeinbrüche in der ersten Hälfte dieses Jahres jedoch korrigiert – die teilweise schon erfolgten Erweiterungen werden sich vorerst nur auf etwa die Hälfte der ursprünglich geplanten Gesamterweiterung belaufen.

2.100 eigene Mitarbeiter führen die vier Produktionsphasen in Nyíregyháza aus

Lange Zeit wurde ausschließlich Lego Duplo als Fertigprodukt in Ungarn gefertigt; das Spektrum erweiterte sich jedoch schnell auf weitere Untermarken. Die vier in Nyíregyháza ausgeführten Produktionsphasen unterteilen sich in den Spritzguss sowie die Weiterverarbeitung, in der zum Beispiel Bauteile zu Legofiguren zusammengesetzt werden und ihre Bemalungen erhalten. Daraufhin erfolgt die Vorverpackung in Einheitstüten, bevor die Mitarbeiter im letzten Schritt die Verkaufseinheiten packen. Die letzte Phase ist am wenigsten automatisiert, aber gleichzeitig am flexibelsten; innerhalb von 30 Minuten kann die Verpackungslinie umgebaut und andere Endprodukte eingesetzt werden.

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Auf dem Firmengelände werden einigesehr originelle Ideen präsentiert, was man so alles mit Legosteinen bauen kann. (Foto: WJU)

Über 2.800 Mitarbeiter, davon 2.100 festangestellte, sind am Standort in Nyíregyháza beschäftigt; die Produktionsmitarbeiter arbeiten in einem Drei-Schicht-System, das in der nun einsetzenden Hochsaison auf vier Schichten ausgeweitet wird. Die Lego Manufacturing Kft. zählt zu einem der beliebtesten Arbeitgeber der Region. Das Paket aus branchenüblichem Grundgehalt, Bonuszahlungen, stabilen Bedingungen und weiteren Zusatzleistungen sei für die Mitarbeiter attraktiv. „Sicherlich tragen auch die Kultur des Familienunternehmens und die flache Hierarchie dazu bei, die die Mitarbeiter erleben, wenn die Chefs an denselben Tischen in der Kantine sitzen“, erzählt Lóránt Siket, Kommunikationsreferent bei Lego Ungarn.

Die Mitarbeiter kommen aus einem Umkreis von etwa 50 km; die Stadt hat zwar eine Buslinie zur Fabrik eingesetzt, aufgrund der niedrigen Frequenz setzt Lego jedoch acht, demnächst neun, eigene Busse ein, um die Mobilität der Mitarbeiter zu erhöhen. Nur wenige wissen, dass die Lego-Gruppe in Nyíregyháza auch ihr globales IT-Zentrum eingerichtet hat. Oft kommen die dort beschäftigten über 60 Mitarbeiter aufgrund der erforderlichen Englischkenntnisse jedoch aus anderen nahegelegenen Städten wie etwa Debrecen.

Ein Familienkonzern in vierter Generation

Lego ist noch heute ein Familienkonzern und wird in vierter Generation geführt. Als Tischlerei im Jahre 1932 im dänischen Billund begonnen, feierte das Unternehmen dieses Jahr sein 85-jähriges Bestehen. Während sich die Firma aufgrund der Weltwirtschaftskrise auf einfaches Holzspielzeug und Haushaltsgegenstände konzentrierte, begann 1949 die Produktion von Kunststoffspielzeug. Godtfred Kirk Christiansen, Sohn des Firmengründers, erfand das noch heute gültige Lego-System, in dem jedes Bauteil mit jedem verbunden werden kann und meldete 1958 das entsprechende Patent an.

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Mit vielen neuen Eindrücken und Legopäckchen beenden die Wirtschaftsjunioren ihren Besuch bei der Lego Manufactoring Kft.

Heute beschäftigt das Unternehmen weltweit über 18.000 Mitarbeiter und vertreibt die Produkte ihrer zahlreichen Untermarken in über 140 Ländern. Nach Jahren der ansteigenden Nachfrage, erfuhr das Unternehmen im ersten Halbjahr 2017 jedoch einen überraschenden Umsatzrückgang, sodass Anfang dieses Monates ein Stellenabbau von 1.400 Mitarbeitern in der gesamten Gruppe angekündigt wurde. „An unserem Standort werden jedoch vor allem in der Produktion, eher mehr Mitarbeiter gebraucht. Kündigungen wird es nur bei den Büromitarbeitern geben“, so Siket.

Leitlinien und Produktsicherheit

Die Lego-Gruppe stellt einen hohen Anspruch an ihre Produkte und an dieUnternehmensführung; so findet sich immer wieder der Leitgedanke des dänischen Unternehmens „Det bedste er ikke for godt“, zu Deutsch: „Nur das Beste ist gerade gut genug“ sichtbar für alle Mitarbeiter.

Für die hohe Produktsicherheit befindet sich auch in Nyíregyháza ein Testlabor, das die Produkte unter anderem auf ihre Sicherheit bei Krafteinwirkung und Speicheleinfluss prüft. Obwohl es sich bei den Legobauteilen fast ausschließlich um Erdölprodukte handelt, erreichen die Produkte dennoch regelmäßig sehr gute Testergebnisse. Seit 2009 musste kein Produkt mehr zurückgerufen werden. Die Lego-Gruppe setzt aber nicht nur mit dem noch heute verwendbaren und kombinierbaren Bausystem auf Nachhaltigkeit. Im dänischen Billund arbeitet ein Forschungszentrum mit rund 100 Mitarbeitern an einem nachhaltigen Basismaterial, dass das Rohmaterial aus Erdöl langfristig und mit hohen Sicherheitsansprüchen ersetzen soll. Ziel ist die Produktion aller Basismaterialien und Verpackungen bis 2030 umzustellen; erste Prototypen gibt es bereits.

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Das Bauen mit Legosteinen regt die Kreativität an– alle Legobauteile, die seit der Patentanmeldung 1958 hergestellt wurden, lassen sich miteinander verbinden.

Auch in Bezug auf die sonstige Ressourcennutzung stellt sich die Lego-Gruppe ihrer Verantwortung. Bei den Gebäuden in Nyíregyháza wird auf Energieeinsparungen gesetzt, wie etwa durch Nutzung von Tageslicht in den Fabrikgebäuden oder durch die Sammlung und Nutzung von Regenwasser. Das Ziel, den kompletten weltweiten Energieverbrauch des Konzerns mittels erneuerbarer Energien zu decken, konnte in diesem Jahr erreicht werden. Zuletzt wurde in die Ausweitung eines Windparks vor der Küste Großbritanniens investiert.

Regionale Verantwortung wird auch von Mitarbeitern getragen

Bekannt ist Lego international auch für ein hohes Verantwortungsbewusstsein für die Gesellschaft. So unterhält Lego eine Partnerschaft mit UNICEF, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, um das Kinderrecht auf Spiel und Bildung zu fördern. Ganz wichtig sei ein regionales Engagement für Kinder wichtig. Pro Jahr werden in Ungarn etwa 30 Projekte im Rahmen des Local Community Engagement Programm durchgeführt und von einem Fachberater begleitet. Die Förderprojekte müssen auf Vorschlag und unter Begleitung der Mitarbeiter erfolgen, um eine nachhaltigere Wirkung sicherzustellen. Lóránt Siket berichtet unter anderem von einem Projekt, das in der Region mit Schulabrechern arbeitet und den Jugendlichen durch Legobauprojekte eine Beschäftigung gibt. Viele der Teilnehmer besuchen nach einiger Zeit wieder die Schule und machen ihren Abschluss.

Am Ende bekommen alle Wirtschaftsjunioren ein kleines Legopäckchen überreicht, damit der Abschied von Lego Ungarn nicht so schwerfällt und zuhause gleich weitergebaut werden kann. Die Teilnehmer schätzen Besuche dieser Art bei den Wirtschaftsjunioren, denn so „bekommt man einfach mal andere Einblicke in das Land“, äußert sich eine Wirtschaftsjuniorin mit einem Lächeln über dem Päckchen.

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