Die Ausstellung zeigt, wie das Schiff damals einen Eisberg rammte und versank. Doch sie thematisiert weitaus mehr: Wie war das Reisen auf diesem riesigen Luxusdampfer, dem damals größten Schiff der Welt? Wie konnte ein so großes Schiff überhaupt gebaut werden? Wer konnte sich die Reise leisten und warum haben viele Menschen ihr letztes Geld dafür ausgegeben?

Durch die Räume des Luxusdampfers

Bewegt man sich durch die Ausstellungsräume, deren Besonderheiten — mehrere Hundert Originalfundstücke aus der Titanic — überall in Glasvitrinen ausgestellt sind, dann fällt zunächst auf, dass das Bild, welches uns die Hollywood-Verfilmung mit DiCaprio von der Titanic vermittelt, anders als erwartet, sehr realistisch zu sein scheint. In der Ausstellung sind die Gänge des Luxusdampfers, eine Suite aus der ersten Klasse, das Speisezimmer und ein Schlafsaal der dritten Klasse nachgebaut. Wenn man durch diese Räume geht, fühlt man sich fast, als befände man sich mitten in der Filmkulisse des preisgekrönten Dramas.

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Man begegnet auf den Gängen zwar keinen Schauspielern, dafür aber den Geschichten zahlreicher Passagiere, die auf Schautafeln an den Wänden hängen oder mithilfe eines Audioguides (die übrigens umsonst sind) erzählt werden. Diese Geschichten sind wahr — und die meisten von ihnen nicht weniger tragisch als die des Liebespaares Jack und Molly aus dem Film. Sie wurden von Überlebenden erzählt oder werden von den Gegenständen bezeugt, die erst Jahre später aus dem Schiffswrack geborgen wurden.

Ein gewaltiges Schiff

Interessant an der Ausstellung sind aber auch die Dinge, die in dem Spielfilm kaum eine Rolle spielen. Am Anfang der Ausstellung zeigt eine Zeitleiste die wichtigsten Ereignisse der ersten Jahre des 20. Jahrhunderts und erklärt, warum 1912 ein so großer Aufwand in den Bau eines riesigen Luxusdampfers gesteckt wurde und warum die Titanic bei ihrer Fertigstellung ein riesiges Publikum anzog. In einem weiteren Raum werden die Techniken und der unglaubliche Aufwand beim Bau des Schiffes gezeigt. Über 3.000 Werftarbeiter haben drei Jahre lang daran mitgewirkt. Wir erfahren, dass zusammen mit der Titanic auch noch zwei weitere Schiffe gebaut wurden: die Olympic und die Britannic, beides Schwesternschiffe der Titanic. Und dass die Titanic zu Beginn den Namen Gigantic trug, später aber in Titanic umbenannt wurde. Ein sechsminütiger Film zeigt originale Aufnahmen des Baus und auch der Schiffstaufe, und vermittelt einen sehr guten Eindruck davon, wie eindrucksvoll die Titanic damals auf die Menschen gewirkt haben muss, die noch nie zuvor ein so riesiges Schiff gesehen hatten.

Die Schattenseiten des Luxus

Und auch das Innere des Schiffes muss die Menschen sehr beeindruckt haben: Der Luxus der ersten Klasse, in der auf der Jungfernfahrt Millionäre, Politiker, Schauspieler und Künstler einquartiert wurden, kann mit jedem Fünf-Sterne-Hotel mithalten. Neben den luxuriösen Suiten gab es einen Salon, einen Wellnessbereich, einen Fitnessraum und vieles mehr. Und auch die Zimmer der zweiten Klasse waren noch so luxuriös, dass manche Passagiere dachten, sie wären fälschlicherweise in die erste Klasse einquartiert worden.

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Verlässt man die Ausstellungsräume der ersten Klasse, wird es zunehmend dunkler. Im nächsten Raum wird das Umfeld der Arbeiter dargestellt, die ihre Tage im Heizungskeller des Schiffes verbracht haben. Wir erfahren, dass sie mit fünfzig Leuten in einem Raum schlafen mussten und dass dafür gesorgt wurde, dass die Passagiere sie möglichst nicht zu Gesicht bekamen. Noch weiter den Gang entlang wird es immer dunkler, und man hört einen eisigen Wind pfeifen. An den Wänden hängen erste Eiswarnungen, die die Titanic per Seefunk erreichten. Und dann rammte das Schiff den Eisberg.

Das sinkende Schiff

Das Chaos, das in diesem Moment auf der Titanic geherrscht haben muss, wird hier sehr gut dargestellt. An den Wänden hängen Geschichten von Überlebenden, die von diesem Moment handeln. Man kann etwas über die Musiker lesen, die — wie im Film — auch dann noch weitergespielten, als die Menschen schon in die Rettungsboote flüchteten. Von Eltern, die ihre Kinder in die Boote warfen und nicht wusste, ob sie sie je wiedersehen würden. Von einer Ehefrau, die sich weigert, ihren Mann zu verlassen und einem Pfarrer, der beschließt auf dem sinkenden Schiff zu bleiben, um mit den Menschen zu beten. Aber auch von den Rettungsbooten, von denen es viel zu wenig gab und die dennoch teilweise noch mit vielen freien Plätzen das sinkende Schiff verließen.

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Erst 73 Jahre später wurde das Schiffswrack entdeckt. In einem Schaukasten sieht man ein Modell des Wracks, daneben sind Gegenstände ausgestellt, die aus ihm geborgen worden sind. In einem Sandkasten liegen Porzellanschüsseln, daneben zeigt ein Foto dieselben Schüsseln auf dem Meeresgrund. Eine Infotafel klärt über die Schwierigkeiten der Bergung und den langsamen Verfall der Titanic auf.

Am Ende erhält die Ausstellung noch eine persönliche Note. Statt einer Eintrittskarte bekommt jeder Besucher zu Beginn der Ausstellung ein Ticket für eine Fahrt auf der RS Titanic in die Hand gedrückt. Darauf der Name einer Person, die 1912 tatsächlich an Bord des Luxusdampfers war. Im letzten Raum hängt dann eine Tafel mit den Namen aller Passagiere und Crewmitglieder. Sie unterscheidet zwischen Überlebenden und Toten, zwischen der ersten, der zweiten und der dritten Klasse sowie der Besatzung. Sofort fällt auf, wie stark sich die Anteile der Überlebenden in den einzelnen Klassen unterscheiden. Die Ausstellungsbesucher können nun nach der Person suchen, deren Name auf ihrem Ticket steht, und herausbekommen, ob sie überlebt hat. Wir haben Tickets der ersten Klasse erhalten. Unsere Chancen stehen also gut.


Titanic-Ausstellung

Budapest, VI. Bezirk, Király utca 26

Öffnungszeiten: täglich von 9 bis 20 Uhr (Tickets von 8.30 bis 18.30 Uhr)

Eintritt: 3.400 Forint für Erwachsene / 2.200 Forint für Kinder (weitere Ermäßigungen verfügbar, Wochenende + 500 Forint)

Weitere Informationen unter www.titanickiallitas.hu

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