Denn auch in seinem 2016 erschienenen Werk beweist Trabert, dass er eine vom Thema her traurige Geschichte mit einer kräftigen Prise Herzlichkeit und gar Humor erzählen kann. Etwa, als er 1947 verarmt auf der Reise aus Ungarn im sächsischen Frauenstein angekommen von Verwandten aus den USA eine Jacke gespendet erhält. Der kleine Josef freut sich sehr über diese – bis er von einem Mädchen darauf hingewiesen wird, dass es sich um einen Frauenmantel handelt, was ihm sehr unangenehm ist. „Und ich hatte mich schon gewundert, warum die Knöpfe so komisch angeordnet waren“, bemerkt er im Buch dazu. Es sind solche persönlichen Anekdoten und Geschichten Traberts, dessen „zweite Heimat“ seit 1960 Ulm ist, die beim Vorstellen der damaligen Ereignisse helfen; sein Humor und seine Herzlichkeit helfen wiederum beim Verarbeiten.

Doch beweist Trabert auch live bei der Buchpräsentation im randvollen Gemeindehaus in Véménd sein Erzähltalent und gutes Gedächtnis, etwa als er ausführlich von den Erlebnissen seines Vaters im Zweiten Weltkrieg berichtet. „Ich könnte den ganzen Tag erzählen“, meint er schmunzelnd, worauf viele im Publikum zustimmend lachen. Ferner erklärt der Autor, dass der Koffer vom Buchcover sein über 70 Jahre alter Reisekoffer voller alter Erinnerungen sei. Den Koffer, in dem sich u.a. ein ungarischsprachiger Katechismus befindet, hat er auch heute mit dabei. Das Vorführen alter Videoaufnahmen von einem Ungarn-Besuch im Jahre 1967 rundet das gemeinsame Schwelgen in alten Erinnerungen ab. Einige aus dem Publikum entdecken dabei mit Trabert zusammen alte Bekannte oder Verwandte. Das Austauschen von Erinnerungen setzt sich auch bei der abschließenden Dedikation und Begegnung mit dem Autor fort.

Auch nach rund 70 Jahren im deutschen „Exil“ ist für Trabert jede Reise nach Véménd eine Heimkehr. Man kennt und schätzt sich, er hat hier immer noch Verwandtschaft und alte Freunde, sogar unter den Ungarn, die ihn 1947 von dort aussiedelten; vorher zog eine ungarische Familie sogar direkt zu ihm mit ins Haus, und beanspruchte dies immer mehr für sich. Trabert unterhielt dennoch all die Jahre über freundschaftliche Kontakte zu den Bartas. Eine Nachfahrin dieser Familie ist die heutige Bürgermeisterin von Véménd, Erzsébet Barta, die noch immer dort wohnt. Auch sie kam zur Buchvorstellung. Er übergibt ihr ein Modell einer sogenannten „Ulmer Schachtel“. Direkt nach der Buchvorstellung geht es zum Friedhof. „Tote Verwandte besuchen“, sagt er. Danach zeigt er seiner Familie sein Geburtshaus. Die Bartas erwarten sie bereits.

Josef Trabert: „Die zweite Heimat. Eine Familienchronik aus Südungarn.“

danube books, Ulm, 2016.

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