Doch das ist gar nicht so leicht, denn die Nachfrage nach Fast-Fashion ist groß. Wir kaufen durchschnittlich 20 neue Kleidungsstücke im Jahr, von denen wir acht überhaupt nicht tragen. Bei der Produktion dieser Kleidung werden Unmengen an Wasser verbraucht und sehr viel CO2 ausgestoßen. 90 Prozent unserer Kleidung werden in Asien hergestellt, wo es durch Abwässer und giftige Chemikalien, die bei der Produktion entstehen, zu Wasserverschmutzung und anderen Umweltschäden kommt. Die Arbeitsbedingungen sind oft sehr schlecht. In Bangladesch kamen 2013 beim Einsturz eines Fabrikgebäudes, in dem Kleidung hergestellt wurde, über 1.000 Menschen ums Leben. Nicht selten gehören Kinderarbeit und der Umgang mit giftigen Chemikalien zum Alltag in solchen Fabriken.

In immer mehr Ländern, darunter beispielsweise in Deutschland, Australien und Schweden, verbreitet sich der Trend zu einem bewussteren Konsumverhalten, das gilt auch beim Kleiderkauf. Auch in Ungarn ist nachhaltige Mode oder „Slow Fashion“, wie sie auch genannt wird, immer gefragter. Gabriella Mányie-Walek, Präsidentin der „National Fashion League Hungary Association“ (NFLH) und Mitinitiatorin der „Sustainable Global Fashion Week“ in Budapest, hat uns über die aktuelle Situation in Ungarn und den Stand der nachhaltigen Mode aufgeklärt.

Bewusster Konsum

Für Mányie-Walek geht es bei nachhaltiger Mode vor allem um die Frage, welche Materialien Verwendung finden. Wie werden die Textilien produziert, stammen die verwendeten Rohstoffe aus nachhaltigem Anbau? Doch auch soziale Fragen, wie die Arbeitsbedingungen und die Entlohnung der Arbeiter spielen eine wichtige Rolle. „Im Grunde ist dabei jeder Produktionsschritt wichtig – vom ersten Entwurf bis zum fertigen Produkt“, so Mányie-Walek. Denn nur wenn während des gesamten Produktionszyklus ethische, qualitative und umwelttechnische Standards eingehalten werden, kann ein Produkt als nachhaltig bezeichnet werden. Festgehalten werden Vorschriften für eine nachhaltige Modeindustrie beispielsweise im Global Organic Textile Standard, kurz GOTS. Laut dem GOTS kann sich ein Produkt nur dann „nachhaltig“ nennen, wenn es zu mindestens 70 Prozent aus kontrolliert biologisch erzeugten Fasern besteht. An der Herstellung dürfen zudem keine toxischen Zusätze beteiligt sein. Die umfangreiche Liste der Kriterien für das GOTS-Siegel, die auch die Situation der Textilarbeiter berücksichtigt, kann auf der Website www.global-standard.org eingesehen werden.

#

Auch die Richtlinien der „National Fashion League Hungary Association“, die sich nun schon seit etwa drei Jahren mit nachhaltiger Mode beschäftigt, orientieren sich am GOTS. „Ungarn ist aber leider, was die Verbreitung von nachhaltiger Mode angeht, ein bisschen langsamer als andere Länder“, so Mányie-Walek. „Aber langsam, Schritt für Schritt, versuchen wir auch hier, die Aufmerksamkeit auf einen bewussteren Konsum zu legen.“ Um ein Bewusstsein für das Thema zu schaffen, sei es wichtig, dass Designer zusammenarbeiten. „Genau das machen wir bei der NFLH: Wir vernetzen die Designer miteinander, damit sie voneinander lernen und gemeinsame Ideen entwickeln können.“ Seit 2016 organisiert die NFLH zudem die jährlich stattfindende „Sustainable Global Fashion Week“, die Experten und Anhängern der „Slow Fashion“ weltweit ein Forum bietet.

Zusammenarbeit auf internationaler Ebene

Dabei ist das Spektrum der Designer, die sich in der NFLH zusammengeschlossen haben, einige produzieren Mode, andere Schmuck und wieder andere Wohnaccessoires. Die meisten von ihnen haben ihre eigene Marke, doch nicht alle kommen aus Ungarn. Durch die Organisation stehen sie jedoch in engem Kontakt miteinander. Strikte Aufnahmekriterien gibt es bei der NFLH jedoch nicht: Nicht alle Mitglieder produzieren ausschließlich nachhaltige Mode. „Wir würden niemals einem jungen Designer die Tür weisen, nur weil er sich noch nicht mit nachhaltiger Mode auskennt“, sagt Mányie-Walek. Hier geht es vielmehr darum, aufzuklären und den Designern, die nötigen Werkzeuge an die Hand zu geben. „Es gibt viele junge, sehr talentierte Designer, die sich für nachhaltige Mode interessieren, aber sich das Fachwissen über nachhaltige Materialien und faire Produktion erst noch aneignen müssen. Wir unterstützen sie dabei.“

Diese Unterstützung erfolgt durch das sogenannte „Eco-Team“: Experten in Sachen Nachhaltigkeit, die über nachhaltige Materialien und faire Produktion informieren und sogar bei der Entwicklung nachhaltiger Produkte helfen. „Junge Modemacher begehen oft den Fehler, dass sie sich tolle Designs ausdenken, diese dann aber aus total billigen Materialien produzieren. Das ist dann schade um das Talent des Designers“, sagt Mányie-Walek.

Es braucht nicht immer einen dicken Geldbeutel

Auch wenn erste Meilensteine, wie Mányie-Walek berichtet, bereits erreicht worden sind, ist der Weg zu mehr Nachhaltigkeit in der ungarischen Mode noch weit. „In Ungarn ist vor allem ein Umdenken der Konsumenten wichtig“, sagt Mányie-Walek. Aber auch die Einstellung der Designer spiele eine wichtige Rolle, sie müssten viel mehr über die Produktion von nachhaltiger Mode lernen. Andere Ansätze, wie zum Beispiel eine Subventionierung nachhaltiger Mode, wie sie beispielsweise in Dänemark praktiziert wird, erachtet die NFLH-Präsidentin ebenfalls für sinnvoll. Auch am etwas angestaubten Image nachhaltiger Mode, das viele glauben lässt „Slow Fashion“ sei mit Kartoffelsäcken gleichzusetzen, müsse etwas geändert werden. „Viele Parameter spielen eine Rolle, doch sie alle basieren darauf, dass Designer und Konsumenten umdenken müssen“, so Mányie-Walek.

#

p.p1 {margin: 0.0px 0.0px 0.0px 0.0px; font: 9.0px Helvetica}
Die „National Fashion League Hungary Association“ vernetzt Designer und informiert sie über Möglichkeiten der nachhaltigen Produktion.

Das oft hervorgebrachte Argument, dass sich viele Konsumenten nachhaltige Mode aufgrund der höheren Preise nicht leisten können, weist die Expertin zurück. Denn das man hier für einzelne Kleidungsstücke mehr Geld ausgeben müsse, führe langfristig nicht zwangsläufig zu höheren Ausgaben. „Nachhaltige Mode ist zwar teurer, aber auch langlebiger: Ein T-Shirt aus einem hochwertigen und nachhaltig produzierten Material kann unter Umständen eine bessere Investition sein, als zwei billige T-Shirts – einfach weil es länger hält.“

Eine weitere Möglichkeit trotz kleinem Geldbeutel bewusst zu konsumieren, seien Secondhand-Läden. Auch Mányie-Walek kaufe dort gerne ein. Zudem müsse man ja nicht gleich seine ganze Garderobe austauschen: „Ich bin nicht der Meinung, dass in einem Kleiderschrank nur nachhaltige Kleidung hängen darf – auch bei mir findet man neben nachhaltigen Stücken Kleidung aus Secondhand und sogar mal Fast-Fashion.“ Wichtig sei, dass man bewusst einkaufe und versuche, den eigenen Konsum zu begrenzen. „Man sollte sich immer fragen: Brauche ich dieses Kleidungsstück wirklich?“, empfiehlt Mányie-Walek. „Meistens lautet die Antwort nein.“

Wenn man bewusst einkauft und bei jedem Kauf auf die Qualität des Materials achtet sowie darauf, dass einem das Kleidungsstück wirklich gefällt und man es gut mit anderen Stücken kombinieren kann, könne man damit nicht nur seinen Geldbeutel, sondern auch die Umwelt schonen.

Die „Sustainable Global Fashion Week“

„Ich bin sehr zufrieden mit dem, was wir bisher in Ungarn erreicht haben“, schwärmt Mányie-Walek. „Die Fashion Weeks im letzten und auch in diesem Jahr waren ein voller Erfolg.“ Tatsächlich reisten Designer und Organisationen aus aller Welt an, um an der „Sustainable Global Fashion Week“ in Budapest teilzunehmen. „Es sind viele interessante Gespräche und Kooperationen entstanden.“ Es gibt auch schon Pläne für das nächste Jahr, verrät Mányie-Walek. Der Austausch von Fachwissen und Ideen sei extrem wichtig, um nachhaltige Mode voranzubringen. „Deshalb bin ich begeistert von dem, was wir mit der Fashion Week bisher erreicht haben.“ Und nächstes Jahr kann dann ja vielleicht auch schon der nächste Meilenstein in Sachen nachhaltiger Mode erreicht werden.

Sie suchen nach Mode, die Sie guten Gewissens tragen können? Wir haben für Sie drei Designer herausgesucht, die sowohl durch ihre schicken Designs als auch durch ihren Fokus auf Nachhaltigkeit hervorstechen.


#

Szépligeti

Ágnes Szépligeti entwirft elegante Brautkleider und luxuriöse Abendgarderobe. Sie möchte, wie sie selbst sagt, eine neue Sichtweise auf nachhaltige Mode eröffnen und zeigen, dass auch Luxusprodukte wie Braut- oder Abendkleider umweltfreundlich sein können. Deshalb achtet sie bei einem immer größer werdenden Teil ihrer Produkte auf eine nachhaltige Produktion. Auf der „Global Sustainable Fashion Week 2017“ stellte sie ihre „Eco Luxury Collection“ – eine Auswahl verschiedener nachhaltiger Designs aus unterschiedlichen Kollektionen – vor. Für ihre Produkte verwendet sie am liebsten Materialien wie Seide, die umweltverträglich und noch dazu angenehm zu tragen sind. Ihre Produkte kann man nach vorheriger Anmeldung im „Salon The Showroom“ (Szent Istvan körút 13) anprobieren und kaufen.

Weitere Informationen finden Sie auch auf www.szepligeti.com .


#

Tomcsanyi

Die Marke Tomcsanyi ist auf Damenbekleidung spezialisiert und verbindet nach eigenen Angaben „leichtsinnige Eleganz mit einem Hauch von Arroganz“. Die Marke legt großen Wert auf Nachhaltigkeit und die Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Alle Produkte werden vor Ort in Budapest hergestellt, die Stoffe stammen aus Italien. Der kreative Kopf hinter den frischen Designs ist Dóri Tomcsányi. Sie gründete die Marke 2012 und verkauft ihre Produkte inzwischen auf drei Kontinenten. Letztes Jahr schuf sie die Linie „Tomcsanyi Knitwear“, deren Produkte zu 100 Prozent aus Wolle bestehen und im Rahmen geschützter Arbeitsplätze in Zusammenarbeit mit behinderten Menschen produziert werden. Tomcsanyis Produkte findet man in „TheGardenStudio“ (Paulay Ede utca 18).

Weitere Informationen finden Sie auch auf www.tomcsanyi.eu .


#

Touch Me Not

„Touch Me Not“ stellt Pullover, T-Shirts und Tops für Männer und Frauen her. Die Produkte bestehen zu 100 Prozent aus GOTS zertifizierten Materialien und werden in Budapest entworfen, produziert und verkauft. Die Anzahl der pro Entwurf hergestellten Kleidungsstücke ist limitiert, sodass möglichst wenig Restbestände entstehen. Im Dezember kann man die Designer von „Touch Me Not“ auf der monatlichen Designmesse WAMP im Millenáris-Park in Buda antreffen und ihre Produkte kennenlernen. Wer nicht bis dahin warten will, kann in einem der Designläden vorbeischauen, in denen die Kleidungsstücke verkauft werden (Prezent Shop: Döbrentei utca 16; Zun Store: Wesselényi utca 19; Lollipop Factory: Király utca 24).

Weitere Informationen finden Sie auch auf www.touchmenotclothing.com .

Konversation

ÄHNLICHE BEITRÄGE
Die konservative Seite / Kommentar zu den Ereignissen in Chemnitz

Lügenpresse

Geschrieben von Mariann Őry

Die deutschen Medien hätten in den letzten drei Jahren wirklich etwas dazulernen können.

Szemrevaló Fesztivál / Sehenswert-Festival 2018

Vergangenheit und Gegenwart auf die Leinwand gebannt

Geschrieben von Katrin Holtz

Kaum geht in Miskolc das internationale Filmfestival Jameson CineFest zu Ende, schon steht das…

Die Letzte Seite: Memes zum Sargentini-Bericht

Die Steilvorlage

Geschrieben von EKG

Seien wir ehrlich, das Ergebnis der Abstimmung am Mittwoch vergangener Woche war trotz allem…