Das EUsche Grenzschutzverständnis

Der Sprecher fügte hinzu, die Kommission würde den Grenzschutz unterstützen, nicht aber den Zaun. Man weiß nicht, wie er diese beiden Dinge voneinander trennen konnte, denn der ungarische Ministerpräsident ersuchte ja nicht um Fördermittel für den Zaun um seinen eigenen Gemüsegarten, sondern für das System, das für den Schutz der Unionsgrenze errichtet wurde. Bei der Europäischen Kommission stellt man sich den Grenzschutz wahrscheinlich immer noch so vor, dass man mithilfe der Willkommenstransparente schon herausfiltern könne, wer die bösen Jungs sind, die diesen Kontinent betreten. Abdullah, der mit den „Ungläubigen“ abrechnen will, und Achmed, der vor dem Krieg flüchtete, gehen gemeinsam den Weg entlang. Sie erreichen die Grenze und merken, dass es weit und breit keinen Zaun gibt. Beschämt wendet sich Abdullah um und geht zurück nach Hause.

Wenn Sie jetzt anrufen, gibt es die Quote gratis dazu!

Winterstein beschwichtigte die Gemüter, dass Ungarn bereits früher Zuwendungen erhielt und dass man natürlich das aktuelle Ansuchen prüfen werde. Dabei belebt der Kommissionssprecher auch hervorragende Teleshopping-Traditionen und will die Flüchtlinge nun per Warenkopplung an den Mann bringen: Er hielt fest, wenn es in der Finanzierung des Schengener Grenzschutzes Solidarität geben solle, so gelte dies umgekehrt genauso für die Quote. Das Problem ist bloß: Während Ersteres von gemeinsamem Interesse und die Verpflichtung eines jeden Mitgliedsstaates ist, dem auch die gesamte Union zugestimmt hatte, ist Zweitgenanntes eine bis zum heutigen Tag umstrittene Entscheidung, mittels derer bestimmte Staaten die Konsequenzen ihrer eigenen Fehlentscheidungen auf die gesamte Union abwälzen wollen. Heutzutage scheint es, dass jeder Briefwechsel mit der Europäischen Kommission einem schlechten Witz gleicht. (…) Egal, welches Ansuchen man formuliert, Juncker und Ko haben auf alles nur eine Antwort: die Ansiedlungsquote.

Drecksarbeit in Afrika wird großzügig finanziert

Einen Zaun finanziert die Union nicht, aber den afrikanischen Staaten zahlt sie großzügige Summen, wenn diese die Migranten aufhalten. Während es in Brüssel niemanden auch nur im Geringsten juckt, dass Frau Merkel und Emmanuel Macron seelenruhig eine Lösung in Afrika finanzieren, die wahrscheinlich auf noch viel härtere Mittel zurückgreift, attackieren die europäischen Politiker und die Presse Ungarn fortlaufend wegen der Errichtung des Zaunes und dem „Imstichlassen von Flüchtlingen“. Und es ist nicht ganz nebensächlich, dass die Politiker, die die ungarische Regierung lautstark kritisieren, selbst Mauern an ihren eigenen Staatsgrenzen hochziehen lassen. Verzeihung, sie bauen natürlich nur „Tore mit Flügeln“, was selbstverständlich etwas ganz anderes ist.

Realitätsfremde Bürokraten urteilen über Ungarn

Das Grenzschutzpersonal an der ungarischen Grenze schützt nicht nur Ungarn, sondern auch sein „größeres Zuhause“ (…), die Anführer der Europäischen Union ignorieren das jedoch völlig und versuchen nun ein weiteres Mal, Ungarn die Quote aufzubürden. (…)

Ungarn glaubt immer noch an die Anführer Europas, obwohl diese das Land immer wieder in Stich ließen, wenn es um die gemeinsame Sache ging. Der Kontinent bleibt solange einheitlich, bis die gemeinsame Sache nicht an finanzielle oder politische Interessen stößt. Sobald das geschieht, zerfällt das Puzzle, die Fata Morgana des europäischen Zusammenhalts löst sich in Luft auf.

Auch heute ist das nicht anders. Die vielbesagte Solidarität dauert bei den EU-Politikern solange an, wie jeder nach ihrer Pfeife tanzt. Vielleicht sollten sie einmal von ihrem Hohen Ross herunterkommen und der Wahrheit ins Auge blicken, dass es an den Grenzen Europas Schwierigkeiten gibt und der Zaun nicht aus Lebkuchen besteht.


Der hier in Auszügen wiedergegebene Kommentar erschien am 2. September auf dem Online-Portal der konservativen regierungsnahen Tageszeitung Magyar Hírlap.

Aus dem Ungarischen von Dávid Huszti

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