Ungarn werde gegen die Brüsseler Politik kämpfen, die gegen den Willen der Nationalstaaten Menschen ansiedeln will. „Es ist absurd und inakzeptabel, dass die Bürokraten in Brüssel entscheiden, wer in Budapest leben soll.“ Orbán habe im EU-Ministerrat gegen die Quote sein Veto eingelegt, dennoch begann unter Umgehung des Europäischen Rates ein Gesetzgebungsprozess, gegen den Ungarn kein Veto mehr einlegen konnte, wie auch die Mitteleuropäer die Westeuropäer nicht blockieren konnten. Damit wird eine schwerwiegende prinzipielle Frage aufgeworfen: Ist die EU ein Bündnis freier europäischer Nationen oder ein zentrales Brüsseler Imperium?

Das EuGH hat sich auf die Seite der EU-Kommission gestellt und das „Tor geöffnet“, damit Europa zu einem multikulturellen Kontinent wird. „Wenn ein Land der Meinung ist, dass eine EU-Entscheidung gefallen ist, die seine nationale Identität betrifft, so muss es sich dagegen stellen“, betonte Orbán. Die wirkliche Schlacht beginnt erst jetzt, denn das gerichtliche Urteil verpflichtet Ungarn zu nichts. Es gehe nur darum, dass die Quotenentscheidung dem EuGH zufolge rechtens war. Die Quote erfüllen jedoch nicht nur Ungarn, sondern auch andere Länder nicht, sie ist zudem undurchführbar und schlecht. Orbán ist der Auffassung, dass die Länder, die mit ihrer souveränen Entscheidung Migranten ins Land gelassen haben, nun andere teilhaben lassen wollen. „Warum müssen wir die Suppe auslöffeln, die andere eingebrockt haben?“ – stellte er die Frage. Ungarn sei gern Deutschland dabei behilflich, die Migranten wieder außerhalb des Kontinents zu bringen. Orbán wiederholte seine Forderung, dass die EU die Hälfte der Kosten für den Schutz der Schengen-Grenzen im Zeichen der Solidarität tragen soll. Ohne Zaun können die äußeren Grenzen nicht geschützt werden. Brüssel messe mit zweierlei Maß, deswegen ist eine neue Kommission und ein Paradigmenwechsel notwendig. Ungarn ist kein Einwanderungsland und wird nicht zustimmen, das jedwede Großmacht aus Ungarn ein Einwanderungsland macht.

Gegen EU-Regeln verstößt zudem, dass EU-Förderungen an die Flüchtlingsaufnahme geknüpft werden. Eine solche Entscheidung wäre unmoralisch, denn z. B. erhalten ungarische Arbeitnehmer, die in den Werken westeuropäischer Unternehmen in Ungarn arbeiten, deutlich weniger Geld für die gleiche Leistung, als die Mitarbeiter im Mutterland. „Als Deutscher würde ich mich deswegen schämen, Ungarn mit der Streichung von EU-Fördermitteln sanktionieren zu wollen, wie von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schutz gefordert.“ In Verbindung mit der EU-Mitgliedschaft machte Orbán klar, dass die ungarischen Bürger bei einem Volksentscheid über den Beitritt entschieden haben, deswegen könne keine Regierung über den Austritt entscheiden.

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