Eröffnet wird das zehntägige Festival in diesem Jahr mit einem Klassiker des osteuropäischen Films, „Die Schur“ (1980). Die tschechoslowakische Komödie erzählt die Geschichte eines Nymburker Braumeisters in der Zwischenkriegszeit, dem nicht nur seine allzu schöne Ehefrau, sondern auch sein schelmischer Bruder zu schaffen machen. Regie führte Jiří Menzel, bis heute zweifellos einer der ganz Großen des osteuropäischen Films und in diesem Jahr Ehrengast des Miskolcer Filmfestivals. Dem 79-Jährigen soll im Rahmen der Eröffnungsfeier der Lebenswerkpreis des Jameson CineFest verliehen werden. In seiner mehr als fünf Jahrzehnte umspannenden filmischen Laufbahn drehte Menzel, der für seinen hintersinnigen Humor und seine subtile Ironie bekannt ist, 27 Spielfilme. Er gilt als Schlüsselfigur der tschechoslowakischen Nouvelle Vague. Sein 1966 veröffentlichter Debütfilm „Scharf beobachtete Züge“ (auch unter dem Titel „Liebe nach Fahrplan“ bekannt) brachte ihm 1968 einen Oscar ein.

Noch mehr Stars

Ebenfalls der Eröffnung beiwohnen, wird die slowakische Schauspielerin und Politikerin Magda Vásáryová, welche die weibliche Hauptrolle in Menzels „Die Schur“ spielte. Vásáryová wird mit dem erst im vergangenen Jahr etablierten Europa-Preis des Jameson CineFest ausgezeichnet. Dieser soll Filmschaffende und Schauspieler ehren, die sich besonders um das Europäische Kino verdient gemacht haben. 2016 ging der Preis an die Französin Juliette Binoche.

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Doch Jiří Menzel und Magda Vásáryová sind nicht die einzigen internationalen Stars, die sich in diesem Jahr in Miskolc die Ehre geben, auch Francesca Eastwood wird auf dem Filmfestival erwartet. Die 24-jährige Schauspielerin und Stilikone ist die Tochter von Clint Eastwood, der US-Amerikaner stieg in den 1960er-Jahren als wortkarger Westernheld zur Schauspiellegende auf. Auf dem Jameson CineFest stellt Francesca Eastwood ihren neuen Film „M. F. A.“ (kurz für Master of Arts) vor. In dem US-amerikanischen Thriller spielt sie die stille Kunststudentin Noelle, die, nachdem ihre eigene Vergewaltigung nicht gesühnt wurde, das Recht selbst in die Hand nimmt. Die düstere Geschichte über Misshandlung und Rache, geschrieben von Lea McKendrick und meisterhaft umgesetzt von der blutjungen Regisseurin Natalia Leite, lässt einem an vielen Stellen das Blut in den Adern gefrieren.

21 Filme im Wettbewerb

Doch „M. F. A.“ ist nur einer von insgesamt 21 Spielfilmen, die in diesem Jahr im Wettkampf um den Hauptpreis des Festivals, dem „New Waves Award“, antreten. Dabei sind Filme, die das gesamte cineastische Spektrum abdecken. Da wäre beispielsweise das zugegeben etwas schräge Musical „Jeanette – Die Kindheit der Jeanne d’Arc“ (2017). Regisseur Bruno Dumont zeichnet darin die frühen Jahre der französischen Nationalheldin im kleinen Dorf Domremy anhand von tanzenden Nonnen und singenden Heiligen nach.

Mit „Loving Vincent“ (2016) zeigt das Festival auch den weltweit ersten, auf Grundlage von handgemalten Ölgemälden animierten Film. Die britisch-polnische Koproduktion entwirft in knapp 57.600 Einzelbildern eine bewegte Welt, wie sie auch van Gogh gemalt haben könnte.

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Fans der Fernsehserie „Game of Thrones“ sollten den niederländischen Western-Thriller „Brimstone“, in dem neben Dakota Fanning, Guy Pearce und Emilia Jones in den Hauptrollen, auch TV-Liebling Kit Harington mitspielt, nicht verpassen.

Vielseitiges Rahmenprogramm

Doch auch außerhalb des Wettbewerbes wird es zahlreiche spannende Vorführungen im Rahmen spezieller Programme, wie den „CineClassics“, den „MusicDocs“ und anderen Vorstellungsreihen geben. Vor allem die Sektion „Open Eye“ verspricht, erneut für Hochspannung zu sorgen, mit Filmen wie Ruben Östlunds satirisches Drama über den Kunstbetrieb „The Square“ (2016), dem deutsch-russischen Dokumentarfilm „Siberian Love“ von Olga Delane oder „Victoria & Abdul“, Stephen Frears britisch-US-amerikanische Filmbiografie basierend auf dem gleichnamigen Buch von Shrabani Basu. Zudem setzt das CineFest auch die bereits im vergangenen Jahr eingeführten Mitternachtsvorstellungen fort. Hier werden zur Geisterstunde Klassiker und Neuerscheinungen des Horror- und Gruselfilmgenres gezeigt.

Natürlich wird es neben den kostenfreien und stets englisch untertitelten Filmvorführungen auch wieder Workshops, Vorträge und Diskussionsrunden zu filmbezogenen Themen, ebenso wie zahlreiche Konzerte und Filmpartys in Miskolc geben. Weitere Informationen zum Programm und zu den Veranstaltungsorten des 14. Jameson CineFest finden Sie unter www.cinefest.hu/eng.

Wenn Sie schon in Miskolc sind, nutzen Sie die Chance und besuchen Sie eine der zahlreichen Sehenswürdigkeiten, die diese schon über 650 Jahre alte ungarische Stadt zu bieten hat: Angefangen bei den Lillafüred-Wasserfällen, den größten ihrer Art in Ungarn, über zauberhafte Thermalquellen und Tropfsteinhöhlen bis hin zu einer wunderschönen historischen Altstadt. Sogar eine alte Burgruine, die bereits im 13. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt wurde, gibt es in Diósgyőr, einem Vorort Miskolcs, zu bewundern.

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