Die Diplomatie hat nämlich drei Hauptfunktionen: Vertrauensaufbau, Kooperationsanbahnung sowie im Eventualfall Konfliktmanagement. Keinesfalls das Heraufbeschwören von Konflikten.

Es ist keineswegs die Rede davon, dass ein Botschafter zu allem brav nicken müsste und die Politik des Empfangsstaats nicht kritisieren dürfte. Er soll nur nicht seine Privatmeinung hinausposaunen, sondern das kundtun, womit er von seinen Vorgesetzten beauftragt wurde, denn es ist egal, was und wo er etwas von sich gibt: Es wird nie als seine Privatmeinung, sondern immer als eine Botschaft seines Landes interpretiert.

Demgegenüber gab der scheidende niederländische Botschafter dem linksliberalen Wochenblatt 168 Óra ein von Voreingenommenheit schreiendes und unendlich plumpes Abschiedsinterview. Von Seiner Exzellenz würden wir schon ein gewisses geistiges Niveau erwarten dürfen, doch dieses sogenannte Interview hebt sich in keinem Punkt vom gewohnten Fließbandprodukt der Opposition und der Zivilorganisationen ab, das ein paar billige Klischees pausenlos rauf und runter spielt – dieser gewisse Junk, mit dem der ungarische Cyberspace tagtäglich zugemüllt wird. Und all das gewürzt mit Äußerungen, aufgrund derer ein Land, das noch irgendwas auf sich hält, einen Diplomaten sofort zurückbeordern und ihn nie wieder auch nur in die Nähe des öffentlichen Sektors lassen würde.

Im heutigen Kontext ein Gleichheitszeichen zwischen der ungarischen Regierung und dem islamistischen Terrorismus zu setzen, ist eine der ungeheuerlichsten Formen der Beleidigung – um nur den schwerwiegendsten Brocken des Interviews herauszugreifen.

Die Reaktionen und eingeleiteten Maßnahmen des ungarischen Außenministers erfolgten völlig gerechtfertigt. Mehr noch: Sie waren sogar eher zurückhaltend (…).

Selbstverständlich ging das Gekreische sofort los. Was bildet sich ein kleiner Außenminister aus einem Zwergenstaat bloß ein, dass er sich wagt, der europäischen liberalen Minimacht in die Parade zu fahren! Jetzt ist es endgültig um Ungarn geschehen, die holländischen Kriegsschiffe sind schon unterwegs und werden uns aus Europa hinausballern!

Die Opposition ist immer noch nicht imstande zu begreifen, dass in unserer Außenpolitik ein Paradigmenwechsel stattgefunden hat: Wir zogen unsere Zungen aus den Hintern von anderen und teilen unseren Partnern unsere Meinung auf gleicher Augenhöhe mit. Es ist an der Zeit, den Überheblichkeiten ein Ende zu setzen und wie in einer schlechten Ehe einander vorzuwerfen, wer wieviel ins Familienbudget einzahlt.

Es ist widerlich, wie der Botschafter uns das Geld der niederländischen Steuerzahler vorwurfsvoll in Rechnung stellt, während die niederländische Wirtschaft ihre Entwicklung gerade der ost-mitteleuropäischen Öffnung verdankt. Sie sollen uns doch bitte nicht auf eine derart demagogische Art für dumm verkaufen, dass sie uns die Kohle aus reiner, selbstloser Nächstenliebe zuschieben würden und auch nur rein zufällig nicht deshalb, weil sich das für sie dank der billigen Arbeitskraft und des Absatzmarktes reichlich rentiert. Ja, es gibt Abnehmer für das mit Chemikalien-Wasser genährte Gemüse und die nach bereits einem Tag welken Blumen.

Dass die ungarische Außenpolitik korrekt handelte, beweist auch das „Händewaschen“ des niederländischen Außenministers, der schon so sehr in Verlegenheit war, dass ihm kein besseres Attribut in den Sinn kam, als „unangenehm“. Auf gut Deutsch: Der Vergleich der ungarischen Regierung mit dem Islamischen Staat ist unangenehm!!! Herrlich! Wir warten schon gespannt darauf, dass ihm das ganze Interview übersetzt wird, vielleicht kommen ihm ja dann auch präzisere und gerechtere Worte in den Sinn.

Gott sei Dank gibt es aber auch klarer denkende niederländische Politiker, die die entsprechende Wortwahl schneller fanden. Zum Beispiel Geert Wilders, der Anführer der größten niederländischen oppositionellen Partei, der sich auf Twitter folgendermaßen äußerte: „Der niederländische Botschafter, Gajus Scheltema, ist ein Idiot.“

Ich für meinen Teil bin mit der vorherigen Wortmeldung einverstanden.

Der hier in Auszügen wiedergegebene Kommentar erschien am 26. August auf dem Online-Portal der konservativen Regierungszeitung Magyar Idők.

Aus dem Ungarischen von Dávid Huszti

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