Das Besondere: Die Werke werden unter freiem Himmel gezeigt, denn der Ausstellungsraum im Obergeschoss eines gewöhnlichen Wohnhauses hat kein Dach. Früher wurde hier Wäsche zum Trocknen aufgehängt. Rade Petrasevic fühlte sich davon inspiriert – und lässt in seiner Ausstellung Werk und Umgebung auf besondere Art in einen Dialog treten.

Provokative Darstellungen

Sobald man den Raum betritt, flattern Petrasevics Bilder einem entgegen. Sie hängen, aufgereiht nebeneinander, auf Wäscheleinen – mitten im Raum. „Ich liebe es, mit den Räumlichkeiten zu arbeiten, das Subjekt zum Objekt zu machen. Dieser Raum ist perfekt dafür geeignet“, schwärmt der Künstler. Petrasevic fertigte die Werke eigens für diesen Anlass an. Statt Leinwand oder andere herkömmliche Materialien verwendete er Papiertischdecken. Das macht die Bilder nicht nur leicht und beweglich, sondern auch durchscheinend. „Wenn du zwischen den Bildern durchgehst, bekommst du das Gefühl, dass sie dich anfassen wollen – fast ein bisschen gruselig“, so Petrasevic. Und auch provozierend, wenn man sich die Werke genauer ansieht. Sie zeigen allesamt nackte Haut, männliche Geschlechtsorgane und Menschen beim Sex. Für diese Serie hat Petrasevic sich von der homosexuellen Szene Budapests beeinflussen lassen, verrät er uns. Erotisch oder gar pornografisch seien die Bilder aber nicht. Dem Künstler geht es nicht primär um die Darstellung sexueller Erregung, sondern eher darum, Nacktheit zu thematisieren. „Der nackte menschliche Körper war schon immer ein Thema in der Kunst. Ich möchte damit experimentieren“, erklärt er.

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Rade Petrasevics Kunst war schon auf zahlreichen Ausstellungen in ganz Europa zu sehen, unter anderem in Athen, London und Berlin. Der Künstler lebt und arbeitet in Wien, wo er auch die Akademie der bildenden Künste besuchte. Doch bis dahin war es für Petrasevic ein langer Weg. „Ich habe die Schule abgebrochen, viele Sachen ausprobiert, ich wollte eigentlich nie studieren“, erzählt er uns. Doch an der Akademie hatte er das Glück, unter Franz Graf und Daniel Richter zu studieren, die dort zu diesem Zeitpunkt Professoren waren. Beide scheinen ihn sehr geprägt zu haben. Seinen Malstil, der ein bisschen an kindliche Filzstiftzeichnungen erinnert, hat er aber eher zufällig entdeckt. „Ich wollte mit Acryl malen, wusste am Anfang aber nicht wie – daraus hat sich dann irgendwie mein Stil entwickelt.“

Stillleben mit Cola-Flasche

Dieser kindliche, figurative Stil lässt sich auch in anderen Werken Petrasevics wiederfinden. Normalerweise zeigen seine Werke aber seltener Menschen, sondern meistens Alltagsgegenstände. Auffällig oft sieht man Tische und Stühle, Blumen, Vasen, Äpfel – und Cola-Flaschen. „Ich liebe es, klassische Stillleben zu malen, und dabei auch moderne Alltagsgegenstände einzuarbeiten“, verrät uns Rade Petrasevic. In seinen Werken findet man immer wieder Darstellungen aus der klassischen Kunst neben Gegenständen, die an Werke aus der Pop-Art erinnern. Petrasevics Kunst wird noch bis zum 15. Oktober in der Budapester Galerie ENA Viewing Space zu sehen sein. Eine Besichtigung ist nur nach vorheriger Anmeldung möglich.

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Rade Petrasevic – „Ask Peter for Money To Go To Coxx”

ENA Viewing Space

Budafoki út 10/C, 1111 Budapest

Anmeldung unter: everybodyneedsart@gmail.com

Eintritt frei


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