In der jüngsten Konjunkturumfrage der DUIHK haben sich deutsche und andere ausländische Unternehmen so optimistisch wie lange nicht mehr zur Wirtschaftslage und den konjunkturellen Erwartungen geäußert, in vielen Fragen wurden die besten Ergebnisse seit zehn oder mehr Jahren gemessen. Doch dies macht Ungarn noch nicht zum Spitzenreiter: auch in vielen anderen Ländern der Region Mittel- und Osteuropa (MOE) boomt die Wirtschaft nämlich munter, was sich auch in der Stimmung der Investoren widerspiegelt.

So haben etwa in Ungarn in diesem Jahr 37% der Befragten die Lage der Volkswirtschaft als gut, und nur 10% als schlecht bezeichnet – der Saldo ist der beste seit 2005. In Tschechien beurteilen jedoch 64% der Firmen die Lage als gut, nur 4% als schlecht. Auch in Slowenien, Litauen, der Slowakei und Estland ist der Saldo der positiven und negativen Antworten besser als in Ungarn, dessen relative Position (6.) in dieser Frage damit zum Vorjahr unverändert blieb. Auch bei Erwartungen für das laufende Jahr zeigt sich ein ähnliches Bild: am größten ist der Optimismus in Slowenien und

Kroatien, Ungarn verbesserte sich um drei Positionen auf Rang 6 und lag damit sogar noch vor Tschechien, das in dieser Frage auf Rang 10 abrutschte. Erstaunlich ist, dass sich Ungarn bei den Fragen zur Wirtschaft insgesamt und auch zur eigenen Branche verbesserte, hinsichtlich des eigenen Geschäfts hingegen meist zurückfiel, so etwa bei Fragen zur eigenen Lage und den eigenen Geschäftserwartungen, den Investitions- und Beschäftigungsplänen oder den Umsatz- und Exporterwartungen. Vielleicht sind die Firmen in den anderen Ländern etwas euphorischer als hierzulande, dennoch reichen die – im Inland durchaus respektablen – Verbesserungen zum Vorjahr meist nur zu einem Platz im hinteren Drittel der 15 untersuchten Länder.

Arbeitskräfte fehlen auch woanders

Einer der wichtigsten Faktoren für ausländische Investoren ist seit jeher der Faktor Arbeit: Wie ist das Verhältnis von Qualifikation und Kosten, und stehen Fachkräfte in ausreichender Anzahl zur Verfügung? In den vergangenen zwei Jahrzehnten schnitt Ungarn in diesen Fragen immer sehr gut ab, was zusätzliche Investitionen begünstigte und die Wettbewerbsfähigkeit stärkte. Seit einigen Jahren beklagen die Unternehmen jedoch einen zunehmenden Fachkräftemangel, 2017 war in der DUIHK-Umfrage die Unzufriedenheit in dieser Frage dramatisch angestiegen. Doch dies ist allerdings keineswegs ein „Hungarikum“: Auch in anderen Ländern der Region – wie übrigens auch in Deutschland – fehlen immer mehr Fachkräfte. Am unbefriedigendsten ist die Situation in Tschechien, aber auch in der Slowakei, Serbien, Polen und Rumänien hat sich die Lage deutlich verschlechtert. Das ist allerdings nur ein schwacher Trost für die Unternehmen, die hierzulande händeringend Arbeitskräfte suchen.

Standortqualität: Licht und Schatten

Aus ungarischer Sicht gibt es aber auch positive Verschiebungen. So hat sich hier die Beurteilung der öffentlichen Verwaltung (negativ ausgedrückt: der Bürokratie) 2017 merklich verbessert, so dass Ungarn in dieser Frage erstmals zu den vier am besten bewerteten Ländern gehörte. Zur Wahrheit gehört allerdings, dass mit Ausnahme Estlands in allen Ländern die unzufriedenen Antworten noch immer bei weitem überwiegen. Nur in Estland scheint man die richtigen Rezepte zu haben: 51% der Befragten äußerten sich dort positiv zur Verwaltung (Ungarn: 19%), gerade einmal 10% negativ (Ungarn: 27%). Ebenfalls leicht verbessern konnte Ungarn seine relative Position zum Beispiel in den Bereichen Steuersystem und Ausbildungsqualität. Im Hinblick auf die Standortqualität bestimmen die Themen Berechenbarkeit, Transparenz der öffentlichen Vergabe, Rechtssicherheit und Korruption maßgeblich die Planbarkeit der eigenen Tätigkeit und die Chancengleichheit im Wettbewerb. Leider sehen die Unternehmen in allen diesen Fragen in fast allen Ländern die Lage noch immer sehr kritisch, und in den letzten Jahren hat sich im Durchschnitt der Region auch so gut wie keine Verbesserung gezeigt. In allen vier Fragen äußert sich im Durchschnitt der 15 Länder rund jedes zweite Unternehmen unzufrieden (hinsichtlich der Korruption sogar fast zwei Drittel), zufrieden hingegen meist weniger als 15%. Rühmliche Ausnahme ist ganz klar Estland mit überwältigenden Zufriedenheitswerten, in Bezug auf die Berechenbarkeit überwiegen positive Antworten lediglich in Tschechien. Ungarn schneidet in diesen Fragen deut

lich unterdurchschnittlich ab, in Sachen Korruption ist das Land sogar um einen Platz auf Rang 12 (von 15) abgerutscht. Insgesamt fällt auf, dass die Standortqualität vor allem in Estland, Litauen und Polen besonders gut beurteilt wird. Estland kam in den 21 bewerteten „Disziplinen“ 18 Mal unter die besten drei, Litauen 12 Mal und Polen 10 Mal. Zum Vergleich: Ungarn schaffte es nur einmal (in punkto Arbeitsrecht), wie auch Tschechien (bei der Berechenbarkeit der Wirtschaftspolitik).

Eigenbild vs. Fremdbild

Die bisher beschriebenen Wahrnehmungen der Investoren zur Wirtschaftslage und zur Standortqualität bezogen sich durchgängig auf das eigene Land. Doch wie werden die einzelnen Länder von außen bewertet? Offensichtlich manchmal anders als von innen. Die AHK-Umfrage ließ in allen Umfrageländern 20 andere Länder (darunter auch solche, die selbst nicht an der Umfrage teilnahmen) hinsichtlich deren Attraktivität als Investitionsstandort bewerten. Klarer Sieger wie schon im Vorjahr: Tschechien. Auch auf den Plätzen 2 und 3 finden sich wie im Vorjahr Polen

und die Slowakei. Und auch Ungarn wird unverändert beurteilt und landete erneut auf Platz 9. Estland, wo die Zufriedenheit im Inland meist am höchsten lag, wurde von außen „nur“ als viertbester Standort beurteilt. Interessant ist, dass gleich sechs der Umfrageländer sich selbst als attraktivsten Standort in der Region sahen – das scheint beispielsweise für Serbien und Bulgarien doch eher Wunschdenken zu sein. Die Platzierungen im Attraktivitätsranking verdeutlichen aber auch ein anderes wichtiges Phänomen: In den letzten sieben Umfragen (seit 2011) hat sich die Zusammensetzung der Top 5 nicht geändert. In der ersten gemeinsamen AHK-Umfrage 2006 gehörte Ungarn noch zu dieser Spitzengruppe dazu, rutschte dann aber immer mehr ab bis zum Tiefpunkt 2012, als es nur zu Platz 13 reichte. Bis 2014 konnte das Land sein Renommee zwar wieder auf Rang 9 verbessern, dort aber verharrt es nun schon seit vier Jahren. Diese Trends belegen: Die Attraktivität eines Investitionsstandortes ändert sich nicht von heute auf morgen, und positive (oder auch negative) Veränderungen im Inland ergeben nur im Vergleich mit den Entwicklungen bei den Wettbewerbern ein objektives Bild.

Über die regionale AHK-Konjunkturumfrage

Seit 2006 führen die deutschen Auslandshandelskammern (AHK) in anfangs 10, aktuell in 15 mittel-osteuropäischen Ländern eine miteinander abgestimmte Konjunkturumfrage unter deutschen und anderen ausländischen Investoren durch. Fragen, Befragungszeitraum und Auswertungsmethoden sind identisch, was den internationalen Vergleich der wirtschaftlichen Entwicklung und der Zufriedenheit mit dem jeweiligen Investitionsumfeld ermöglicht. 2017 haben an der Umfrage in den 15 Ländern insgesamt 1.734 Unternehmen teilgenommen. Damit ist die AHK-Studie auch international eine der größten und wichtigsten ihrer Art. Die Koordination und zentrale Zusammenstellung der Daten erfolgt durch die DUIHK.

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