Noémi Kiss wurde 1974 in Gödöllő, etwa 30 Kilometer nordöstlich von Budapest geboren. Sie studierte Hungarologie, Komparatistik und Soziologie an der Universität Miskolc, wo sie 2002 mit einer Arbeit zu Paul Celan promovierte. Ihren ersten literarischen Durchbruch feierte sie in Ungarn 2006 mit der Veröffentlichung des sechs Erzählungen umfassenden Buches „Trans“. Mit dem deutschen Sprachraum ist sie seit einem zweijährigen Studienaufenthalt an der Universität Konstanz zwischen 1998 und 2000 eng verbunden. 2009 erschien in Deutschland unter dem Titel „Was geschah, während wir schliefen“ ihr erster Erzählband. 2015 folgte die Übersetzung und Veröffentlichung ihres Reisetagebuches „Schäbiges Schmuckkästchen: Reisen in den Osten Europas“. Im selben Jahr wurde in Ungarn ihr Roman „Sovány angyalok“ (dt.: „Dürre Engel“) veröffentlicht. Heute lebt Noémi Kiss in Budapest und ist seit 2010 Mutter von Zwillingen.


Frau Kiss, es ist nun zwei Jahre her, dass die Leser in Ungarn und in Deutschland das letzte Mal in den Genuss eines neuen Buches aus Ihrer Feder kamen. Wie sieht Ihr Leben im Moment aus? Arbeiten Sie vielleicht schon an einem weiteren Buch?

Gerade freue ich mich einfach, dass es Sommer ist. Im Sommer finde ich die meiste Zeit fürs Schreiben, die Kinder sind dann oft bei den Großeltern und ich ziehe in unser Haus auf der Szentendre-Insel. Hier sieht mein Alltag so aus, dass ich vormittags arbeite und am Nachmittag laufen gehe oder in der Donau schwimme. Ich gehe auch oft in den Pilis-Bergen wandern. Ich genieße diese Zeit sehr.

Gerade erst habe ich die Arbeit an einem Kinderbuch beendet, das bald beim Budapester Pagony-Verlag veröffentlicht wird.


Worum geht es in diesem Buch?

Es handelt sich um Budapester Geschichten, der Arbeitstitel ist „Columbus utca 54“. Dort erlebt ein Zwillingspaar mit einer alten Frau „Pöttyös néni“ jeden Tag neue Abenteuer. Ich habe dabei versucht, das Leben in der ungarischen Hauptstadt möglichst treffend, aber auch etwas surreal, also märchenhaft zu beschreiben. Denn obwohl ich in Gödöllő geboren wurde, bin ich seit meinem dritten Lebensjahr in Budapest aufgewachsen und auch mit meinen Kindern lebe ich heute hier, in Zugló. Die Geschichten richten sich an jüngere Kinder ab der ersten Schulklasse. Es gab sie auch schon als Hörspiel im Radio.


Woran arbeiten Sie derzeit noch?

Ab Herbst werde ich wieder an der Universität in Miskolc unterrichten und erstmals auch kreatives Schreiben an der Katholischen Péter-Pázmány-Universität in Budapest. Ich werde also sehr beschäftigt sein. So habe ich leider wenig Zeit zum Schreiben. Bezüglich der ungarischen Literatur gibt es leider kaum Stipendien. So müssen die Autoren neben ihrer literarischen Arbeit oftmals unterrichten oder andere Jobs machen.


Sie sprechen sehr gut Deutsch. Macht das die Zusammenarbeit mit Übersetzern schwerer oder einfacher?

Das lässt sich nicht eindeutig beantworten. Mein 2013 in Ungarn erschienenes Mutterbuch „Ikeranya - az első év“ (dt.: „Zwillingsmutter – Das erste Jahr“) wird ja beispielsweise auch ins Bulgarische übersetzt und da verstehe ich kein Wort. Trotzdem gibt es mit der Übersetzerin Svetlana Kjoseva eine enge Zusammenarbeit. Sie beschreibt mir das Problem und wir suchen gemeinsam nach Lösungen.

Als vor zwei Jahren, Éva Zádor mein Reisetagebuch „Schäbiges Schmuckkästchen“ ins Deutsche übersetzt hat, gab es beispielsweise das Problem, dass die Regionen und Orte in Osteuropa, auf die sich das Buch bezieht, verschiedene Namen in der Landessprache, also Ukrainisch, Rumänisch oder Russisch, aber auch in der Minderheitensprache, meist Ungarisch oder Deutsch, haben. In der ungarischen Ausgabe des Buches werden natürlich die ungarischen Ortsnamen genannt, für die deutsche Ausgabe haben wir uns dann mit Lektorin Palma Müller-Schärf entschieden, ein Glossar mit allen Namen in den jeweils relevanten Sprachen anzulegen. Es war ein sehr spannender Prozess, wie wir zu dieser Lösung gekommen sind.

Bei der Zusammenarbeit mit Éva für die deutsche Übersetzung ist es natürlich so, dass ich manchmal auch Tipps geben kann – ich freue mich, wenn Eva mich fragt, es ist kein Last für mich, ganz im Gegenteil. Natürlich es ist selten, schließlich bin ich weder Übersetzerin noch deutsche Muttersprachlerin, aber Éva hat mich trotzdem manchmal nach meiner Meinung gefragt. Zwischen uns gibt es eine gute Zusammenarbeit. So ist es sehr schön für mich, wenn mein eigenes Buch und meine Sprache, die mir sehr wichtig ist, eine andere Sprache und einen anderen Klang finden. Übersetzung ist für mich Kunst. Das neue Buch ist unabhängig, eigenständig. Die Übersetzerin schafft ein neues Kunstwerk.


Worum geht es in dem neuen Roman?

Er handelt von einer Frau, einer Lehrerin, in einer ungarischen Kleinstadt zur Wendezeit, die ihren Mann tötet. Mir war es wichtig, ein besonderes soziales Milieu zu beschreiben und eine Epoche, in der viele Leute ihre Existenz verlieren. Livia, die Ich-Erzählerin des Romans, ist eine Intellektuelle: Sie heiratet, doch ihre Ehe scheitert, da es das Paar nicht schafft, ein Kind zu bekommen. Öcsi, ihr Mann ist ein bekannter Athlet. Dann kommt auch noch Gewalt dazu und schließlich eskaliert die Situation. Der gesamte Roman ist in Form eines langen Monologes verfasst. In ihm arbeitet Livia ihr Leben und ihre Ehe noch einmal auf.

Ich wollte mit dem Roman einer weiblichen Figur eine Stimme geben, die es so in der Art und Weise in der ungarischen Literatur noch nicht gegeben hat, oder höchstens geschönt. Die Themen Gewalt in der Ehe und Unfruchtbarkeit waren bisher eher Tabuthemen. Natürlich ist es heute etwas leichter geworden, über diese Themen zu sprechen als noch zur Wendezeit, in der das Buch spielt. Das heißt aber nicht, dass unsere Gesellschaft heute mit diesen Themen zurechtkommt.

Als das Buch vor zwei Jahren in Ungarn erschienen, habe ich von Lesern, die von den darin aufgegriffenen Themen schockiert waren, sehr viele Briefe erhalten. Auch heute kommen ab und zu noch Briefe. Mit Haut und Haar spüre ich immer noch die Wirkung dieses Buches.

In gewisser Weise wollte ich auch einen Roman über die Generation meiner Mutter und meiner Großmutter schreiben, denn auch meine Großmutter war Lehrerin, im Roman beschreibe ich die Schule in Gödöllő, in der meine Großmutter unterrichtet hat und in die auch meine Mutter gegangen ist.

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Bei der Übersetzung dieses Romans wird der Verlag finanziell durch das Publishing-Hungary-Programm unterstützt. Wie sieht die Zusammenarbeit aus?

Wir hatten bereits einen deutschen Verlag für das Buch, den Europa-Verlag, hier wurde auch schon die deutsche Ausgabe meines Buches „Schäbiges Schmuckkästchen“ veröffentlicht. Gemeinsam mit dem Verlag und der Übersetzerin Éva Zádor haben wir uns dann mit einer Probeübersetzung beim Publishing-Hungary-Programm beworben und auch den Zuschlag bekommen. Eine Übersetzung ist sehr teuer und kostet bei einem Buch wie „Dürre Engel“ schon mal 8.000 bis 10.000 Euro. Diese Kosten werden dank der Förderung vom Publishing-Hungary-Programm übernommen. Ich denke, es ist sehr wichtig, was das Programm macht, denn gerade ein kleines Land wie Ungarn hat nur dann eine Chance in der Weltliteratur weiterhin eine Rolle zu spielen, wenn die Werke ungarischer Autoren übersetzt werden. Trotzdem ist beispielsweise die polnische und rumänische Unterstützung für Übersetzungen zeitgenössischer Literatur noch immer deutlich höher, als die ungarische. Natürlich kann für solche Projekte nie genügend Geld zur Verfügung stehen, es sollte aber viel mehr sein als jetzt. Die Übersetzung von „Schäbiges Schmuckkästchen“ konnte leider keine Stiftung fördern. Dafür gab es aber Unterstützung mittels der Organisation und Finanzierung von Lesungen. Das ist nicht zu unterschätzen, heutzutage wird ein Buch ohne Lesungen nicht wahrgenommen.


Hat man einen Vorteil, wenn man sich um eine Förderung für eine Übersetzung insbesondere ins Deutsche bewirbt? Gilt der deutsche Buchmarkt nicht nach wie vor als eine Art Leitmarkt, insbesondere wenn es für ungarische Autoren darum geht, den internationalen Durchbruch zu wagen?

Natürlich ist es nicht egal, in welche Sprache man übersetzt wird, ob nun ins Georgische, Bulgarische oder eben ins Englische, Deutsche oder Französische. Besonders der deutsche Buchmarkt ist wichtig, aber nicht mehr so sehr, wie in den 90-er Jahren. Jährlich wird die Übersetzung von zwei oder drei ungarischen Autoren ins Deutsche gefördert: In diesem Jahr wird neben meinem Roman auch je ein Werk von Attila Bartis und Zoltán Danyi übersetzt. Ich denke, es könnten mehr Autoren und Bücher gefördert werden. Andere osteuropäische Länder haben jährlich mehr Autoren am internationalen Markt. Dafür wird die ungarische Literatur aber intensiver rezipiert, sie erfreut sich eines guten Rufes.

Insgesamt ist es für ungarische Autoren heute immer wichtiger, auf dem englischsprachigen Markt präsent zu sein. Die Zeiten, als man nur in Deutschland etwas veröffentlichen und damit dort bekannt werden musste, um dann zu Weltruhm zu gelangen, sind, denke ich, vorbei. Das war zu Zeiten von Imre Kertész so. Seinen „Roman eines Schicksallosen“ hatte er bereits 1975 in Ungarn veröffentlicht, doch erst, als das Buch 1996 auch in Deutschland erschien, gelangte er schlagartig zu Weltruhm und Anerkennung. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. 2002 wurde er dann sogar mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet.

Doch seitdem hat sich der Literaturmarkt stark verändert: Er ist demokratischer geworden. Durch das Internet kann man heute in nur kurzer Zeit viele Menschen erreichen. Ich denke, auch deshalb ist es für junge ungarische Autoren fast wichtiger auf Englisch zu veröffentlichen.


Sie gelten in Deutschland als eine der wichtigsten ungarischen Nachwuchsschriftstellerinnen: Welche Tipps geben Sie jungen ungarischen Autoren, die international bekannt werden möchten und vielleicht sogar wie Sie den Durchbruch in Deutschland schaffen wollen?

Es ist unglaublich wichtig, auf den verschiedenen Buchmessen vorgestellt zu werden und auch selbst dort vertreten zu sein – ob nun in Leipzig, Frankfurt, Belgrad, Warschau, London oder sogar in New York und in Schanghai. Als Mutter muss ich natürlich oft Einladungen absagen, aber gerade für die jungen Schriftsteller ist der internationale Literaturaustausch wichtig. Dazu gehören auch internationale Residenz-Programme für Autoren und vor allem Lesungen. Schon deshalb, weil – wie gesagt – die Kunstförderung heute in Ungarn in jeder Hinsicht recht gering ist. Für „Schäbiges Schmuckkästchen“ haben wir viele Lesungen veranstaltet, insgesamt bestimmt mehr als 30, und zwar überall in Deutschland, von Stuttgart bis nach Hamburg. Auch heute, zwei Jahre nach der Veröffentlichung, erhalte ich noch immer Einladungen zu Lesungen.


Tatsächlich ist das Buch in Deutschland sehr gut angekommen. Denken Sie, dass dabei die Thematik eine besondere Rolle gespielt hat? Gibt es vielleicht Themen, von denen man weiß, dass sie auf dem deutschen Buchmarkt gut ankommen?

Ich muss vorausschicken, dass man natürlich nie berechnen kann, welches Buch oder welches Thema wirklich erfolgreich sein wird, dazu verändert sich die Welt zu schnell. Außerdem muss Kunst autonom bleiben – wenn du dich nur danach ausrichtest, was sich gut verkauft, dann wirst du keine gute Kunst machen.

Dass „Schäbiges Schmutzkästchen“ in Deutschland großen Anklang gefunden hat, liegt vielleicht daran, dass es über eine Region berichtet, die damals wie heute sehr wichtig aber trotzdem recht unbekannt ist: Osteuropa. Teile handeln zudem von der Ukraine. Außerdem enthält das Buch nicht nur ethnografische und geografische Beschreibungen, sondern spricht auch regional-politische und historische Fragen an.

Doch auch mein erstes auf Deutsch veröffentlichtes Buch „Was geschah, während wir schliefen“, das 2008 noch bei Matthes & Seitz erschien, war sehr erfolgreich. Es hat zahlreiche Rezensionen bekommen, es gab viele Lesungen. Der Erfolg dieses Buches war eine gute Überraschung für mich.

Ich muss allerdings sagen, dass ich vielleicht auch einen Vorteil habe: Als ungarische Autorin genießt man in Deutschland automatisch ein gewisses Renommee. In den letzten 20 Jahren und auch schon in den Jahren vor der Wende bestand immer ein starkes Interesse an der ungarischen Literatur.

Meine tschechischen, bulgarischen und rumänischen Autorenkolleginnen und -kollegen sagen mir immer: „Oh, Noémi, du hast so ein Glück, dass du aus der ungarischen Literatur kommst, wo es einen Péter Esterházy, einen Imre Kertész und einen Péter Nádas gibt, die so bekannt sind.“


Dann hat diese „alte“ Schriftstellerriege quasi den Weg gebahnt für die jungen ungarischen Autoren.

Ja. Es gibt in Deutschland auch generell eine historische Verbundenheit mit Ungarn. Selbst für Altkanzler Kohl war es selbstverständlich, sich immer für Ungarn zu interessieren. Es gibt heute deutsche Politiker, die regelmäßig ungarische Literatur lesen. Letztes Jahr bei der Europa-Rede in November, wo ich eingeladen war nach Berlin, habe ich es immer wieder gehört. Deshalb ist es für ungarische Schriftsteller auch viel schwieriger, in England oder in Frankreich zu veröffentlichen als in Deutschland.


Haben Sie das Gefühl, dass sich auch der enorme Erfolg des ungarischen Films in den letzten Jahren positiv auf das Renommee ungarischer Autoren in der Welt ausgewirkt hat?

Absolut.

Ein interessanter Fakt: Im Film von Ildikó Enyedi, der in diesem Jahr bei der Berlinale den Goldenen Bären gewonnen hat, spielt mein Verleger Géza Morcsányi, der mein erstes Buch beim Magvető-Verlag veröffentlicht hat, die Hauptrolle. Er ist nicht hauptberuflich Schauspieler, sondern Übersetzer und Dramaturg. Beim Magvető-Verlag hat er sich immer besonders um junge Autoren und vor allem um Autorinnen bemüht. Das ist wichtig, denn vor 15 Jahren war es für Frauen im ungarischen Literaturbetrieb noch recht schwierig.

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Allerdings gehören Sie ja bereits zu einer Generation von Schriftstellerinnen, die nicht mehr Vorkämpferinnen sind, sondern beinahe selbstverständlich neben Ihren männlichen Kollegen bestehen.

Ja, aber das war ein langer Prozess, er ist immer noch nicht beendet. Wir Frauen mussten unsere Anliegen immer wieder problematisieren. Stellen Sie sich vor, Magda Szabó, seit den 50er-Jahren eine der wichtigsten Frauenfiguren in der ungarischen Literatur, die in vielen Ländern der Welt ausgezeichnet wurde, war immer böse, wenn man sie eine Feministin oder Autorin genannt hat. Sie wollte nicht als Frau wahrgenommen werden, sondern als Autor wie ihre männlichen Schriftstellerkollegen auch. Ágnes Nemes Nagy hat ihre heftigen Liebesgedichte versteckt, sie wollte schreiben wie ein „Er“, ohne weibliche Züge. So hat sie immer nur Dinggedichte geschöpft.

Heute stehen Schriftstellerinnen ganz offen dazu. Mit der Emanzipation werden diese Geschlechterprobleme aber noch nicht aufgelöst. Tag für Tag ist es zu beobachten, wie Autorinnen immer noch an den Rand gestellt werden. Sie haben aber eine riesige Leserschaft, also kann man sie nicht gleich hinauswerfen – bei Preisen und in literarischen Institutionen fallen sie aber in der ersten Runde immer noch raus. Es ist immer noch so, dass alle wichtigen Positionen in den Redaktionen der Literaturzeitungen, bei den Verlagshäusern, bei den Jurys der Literaturpreise und überall dort, wo Geld für Literatur fließt, von Männern besetzt sind. Heute hat sich das etwas gebessert, aber man ist fast überrascht, dass es Frauen wie Zsuzsanna Szabó, Direktorin des Publishing-Hungary-Programms, und Judit Hammerstein, stellvertretende Staatssekretärin für Kulturdiplomatie im ungarischen Ministerium für Auswärtiges und Außenhandel, in so verantwortungsvollen Positionen gibt. Ungarn ist immer noch ein Männerland.


Welche anderen ungarischen Schriftstellerinnen spielen im ungarischen Literaturbetrieb im Moment für Sie eine wichtige Rolle?

Natürlich gibt es da sehr viele Namen, aber die Autorinnen, die mir zurzeit wirklich wichtig sind und die ich auch viel lese, sind Kriszta Bódis, Zsuzsa Forgács und Krisztina Tóth. Das sind auch die drei, von denen ich sagen würde, dass sie am meisten auf mich gewirkt haben.


Würden Sie sich denn selbst zu den feministischen Autorinnen zählen?

Ich würde eher sagen, dass es mir wichtig ist, weibliche, existenzielle Schicksale vorzustellen, dazu stehe ich auch, denn ich denke, das fehlt in der ungarischen Literatur bisher.


Mit diesen Themen ecken Sie mitunter in der ungarischen Gesellschaft an. Die Charaktere in Ihrem Erzählband „Was geschah, während wir schliefen“ beispielsweise leben meist am Rande dessen, was vor allem hier als sogenannte Normalität angesehen wird.

Das Echo zu diesem Buch war tatsächlich gespalten, ich habe auch Kritik bekommen, doch gerade das finde ich spannend. „Was geschah, während wir schliefen“ hat bei den Lesern etwas ausgelöst. Ich denke, es ist gut, wenn ein Buch polarisiert. Was ich wirklich schlimm finde, ist, wenn ein Buch erscheint und sich niemand, aber auch wirklich niemand dafür interessiert. Zum Glück kann ich das von meinen Büchern bisher nicht behaupten. Sie lösen immer Debatten aus. Wenn ich etwas veröffentliche, dann wird es meistens heftig rezipiert. Meine Bücher werden von manchen geliebt, von anderen kritisiert, doch das ist mir ganz recht so. Ich habe schon gelernt, damit umzugehen – es gibt mir sogar die Kraft für das nächste Buch.

Das Interview führte Katrin Holtz

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Die folgenden Werke von Noémi Kiss sind bereits jetzt auf Deutsch erhältlich:

„Was geschah, während wir schliefen“ (original: „Trans“)

in einer Übersetzung von Ágnes Relle

Erschienen im Verlag Matthes & Seitz Berlin, 2008

ISBN 978-3-88221-743-8

19,80 Euro


„Schäbiges Schmuckkästchen: Reisen in den Osten Europas. Bukowina - Czernowitz - Galizien - Gödöllő - Lemberg - Siebenbürgen – Vojwodina“ (original: „Rongyos ékszerdoboz“)

in einer Übersetzung von Éva Zádor

Erschienen im Europa-Verlag Berlin, 2015

ISBN 978-3-944305-97-4

17,99 Euro

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