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Ein Drittel mehr soll drin sein

Einen Monat später ließ die praktisch als Sprachrohr der Regierung fungierende Tageszeitung „Magyar Idők“ die Bombe platzen: Unter dem wenig zurückhaltenden Titel „Vor brutaler Lohnerhöhung im Tourismus“ wurde der Begriff des „garantierten Basiseinkommens“ definiert und diesem sogleich eine Zahl von „unter Umständen sogar mehr als brutto 240.000 Forint“ zugeordnet. Die Zeitung präsentierte sodann den Maßstab für diese Zahl, denn im Januar wird das garantierte Lohnminimum für Fachkräfte bei brutto 180.000 Forint im Monat angelangt sein. Demzufolge winkt der Tourismusbranche ein Einkommen, das ein Drittel über dem gesetzlichen Mindeststandard für fachlich qualifizierte Mitarbeiter angesiedelt sein soll.

Beim Lesen des Artikels stellte sich alsbald heraus, dass die mysteriösen Zahlen von István Hülvely stammten. Der ist Co-Vorsitzender des Branchendialogausschusses, in dem sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer des Tourismusgewerbes austauschen. In dieser Funktion plauderte er also eine sehr konkrete Zahl aus, die für Aufsehen sorgen musste. Bevor hier jemand Stimmungsmache von Gewerkschaftsseite vermutet, sei unbedingt erwähnt: Hülvely sitzt für die Arbeitgeberseite in dem besagten Ausschuss, obendrein ist er Vizepräsident des Landesverbandes der Arbeitgeber im Tourismus- und Gastgewerbe (VIMOSZ) sowie Präsidiumsmitglied im Hotel- und Gaststättenverband (MSZÉSZ).

Die Lage am Arbeitsmarkt sei dermaßen angespannt, dass deren Lösung nach Ansicht des Lobbyisten eine der größten Herausforderungen der kommenden zwanzig Jahre für die ungarische Volkswirtschaft sein wird. Das treffe ebenso für die Tourismusbranche zu, die dem nie in diesen Ausmaßen erlebten Arbeitskräftemangel mit einem markanten Paradigmenwandel entgegentreten will. Deshalb arbeite man an einem Branchentarifvertrag, der im Hotel- und Gastgewerbe das höchste Lohnminimum im Lande sicherstellen solle.

Lohntabelle zusammengedrückt

So weit, so gut. Nur dass die Nachricht – sicher ganz nach dem Willen ihrer Verkünder – nun die Runde machte und auf Resonanz stieß. Wenige Tage später meldete sich die Handelsgewerkschaft KASZ zu Wort, die sich für den eigenen Sektor sehr wohl eine Tarifvereinbarung nach dem Vorbild des Hotel- und Gastgewerbes vorstellen könnte. Auch im Handel sind seit langem die Arbeitskräfte knapp; wenn nun die Tourismusindustrie deutlich höhere Löhne zu zahlen bereit sei, wäre zu befürchten, dass viele Mitarbeiter des Handels in die Gastronomie abwandern.

Nach Angaben des Zentralamtes für Statistik (KSH) haben die Bruttodurchschnittslöhne in der ungarischen Volkswirtschaft rund 300.000 Forint (knapp 1.000 Euro) erreicht, netto verbleiben somit im Schnitt 200.000 Forint (650 Euro) monatlich. Diese Schätzung gilt nur für Betriebe ab fünf Mitarbeitern; neben den 200.000 Personen in öffentlichen Arbeitsprogrammen gibt es somit weitere Hunderttausende, die bei Mikrofirmen angestellt sind und gewöhnlich mit weniger abgespeist werden. Der gesetzliche Mindestlohn wurde zu Jahresbeginn besonders drastisch, um 15 Prozent für die angelernten Kräfte, und sogar um 25 Prozent für Fachkräfte, angehoben, erreicht aber weiterhin nicht das Niveau des durchschnittlichen Nettolohns im Lande. Dass die Löhne in der gesamten Volkswirtschaft zweistellig zulegen, hängt dennoch ursächlich mit dem sprunghaften Anstieg der niedrigsten Einkommen zusammen. Derweil hört man Klagen aus Unternehmen am Wettbewerbsmarkt ebenso wie aus staatlichen Institutionen oder von kommunalen Trägern, dass die Lohn- und Gehaltstabelle zusammengedrückt wird.

Gerade hat eine Erhebung im Kreis einheimischer Tochterunternehmen multinationaler Konzerne gezeigt, dass die Frustration der mittleren Managementebene steigt. Dort halten sich die Arbeitgeber beinahe erzkatholisch an das Modell eines Inflationsausgleichs. Die weiterhin deutlich besser gestellten Mitarbeiter werden gewahr, wie ihnen untere Gehaltsklassen näher rücken, die sie vielleicht gestern noch belächelten. Wenig überraschend schnellt die Fluktuationsrate in die Höhe, zumal andere Unternehmen neue Fach- und Führungskräfte mit Anwerbeprämien und auf Anhieb 20-30 Prozent höheren Bezügen ködern.

Selbst in Bezug auf die „einfachen“ Arbeitnehmer ist eine Haltung verbreitet, wonach sich die HR-Abteilungen ausschließlich auf den Nachschub an frischen Arbeitskräften konzentrieren, den bereits angeworbenen Mitarbeitern aber keine Perspektive offerieren. Diese Praxis nimmt mitunter dermaßen bizarre Auswüchse an, dass Neueinsteiger mindestens genauso vergütet werden, wie langjährige Mitarbeiter, die sich längst bewährt haben und innerbetrieblich – zumindest auf dem Papier – einen höheren Status besitzen. Diese Diskrepanz tritt auch deshalb immer krasser zutage, weil gleichzeitig das Niveau der neu Eingestellten nachlässt. Mit dem Voranschreiten auf dem Weg zur Vollbeschäftigung werden nämlich Arbeitsmarktreserven mobilisiert, an deren Integration eigentlich niemand unter den Beteiligten ernsthaft glaubte.

Qualitative Fehlentwicklung

Sicher kann nicht losgelöst von dieser (qualitativen Fehl-) Entwicklung betrachtet werden, dass die Produktivität einfach nicht steigen will. Dieser Trend ist in der Industrie seit Jahr und Tag nachweisbar, weshalb fraglich ist, wie lange dort noch neue Arbeitsplätze entstehen können. Der Druck des in Gang gesetzten Lohnkarussells belastet die Arbeitgeber in der privaten Sphäre, zumal diese mit einer neuen Konkurrenz im öffentlichen Sektor kalkulieren müssen.

Scheinbar ohne jedes Konzept hört man dort von drastischen Lohnerhöhungen, die wie aus heiterem Himmel vorgenommen werden. Gerade erst rüsteten sich die Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes zum Ausstand, da wurde vom Schatzamt eine Lohnerhöhung um 25 Prozent verkündet. Und zwar rückwirkend zum 1. Juli. Schon ab 1. Januar 2018 werden nochmals 25 Prozent auf die Löhne draufgepackt, die neun Jahre lang nicht über dem gesetzlichen Minimum angehoben wurden! Die Gewerkschaft der öffentlich Bediensteten hielt den Ausstand dennoch ab, schließlich sind landesweit etwa eine Viertel Million Mitarbeiter beispielsweise in kommunalen Amtsstuben von der rigiden Lohnpolitik betroffen – nur eine Minderheit wird, wer weiß warum, privilegiert.

Für Leute mit Hochschulabschluss rückt ein weiterer Arbeitgeber ins Bild, den viele bislang sicher nicht auf dem Schirm hatten: Im Landesstrafvollzug gibt es einen zentral abgestimmten Karriereplan, mit einem Anfangsgehalt von brutto 228.000 Forint und Cafeteria-Leistungen von jährlich 200.000 Forint (!), Wohngeld und Weiterbildungsmöglichkeiten. Landesweit werden acht neue Strafvollzugsanstalten errichtet, für die insgesamt 2.500 Mitarbeiter angeworben werden – unter den bisherigen 6.000 Bewerbern wies jeder Dritte das Diplom einer Hochschule oder Universität vor.

Das sind Löhne und Gehälter, die transparent sind, nicht wie im Gastgewerbe, wo die Schattenwirtschaft ihre Effizienz daraus gewinnt, keine Steuern und Abgaben zu zahlen. „Das ist so nicht fair“, beklagt István Hülvely, „denn die Arbeitnehmer gehen dahin, wo ihnen mehr Geld gezahlt wird, mehr Geld aber kann nur der effizienter wirtschaftende Arbeitgeber zahlen“. In Zeiten extrem verknappter Arbeitskräfte sei es deshalb ein Luxus, wenn der Staat die Schattenwirtschaft weiterhin toleriert. Sollten in der transparenten Wirtschaft endlich Löhne Verbreitung finden, von denen die Menschen leben können, werden es die Arbeitnehmer danken und den in der Grauzone agierenden „Unternehmern“ den Rücken kehren.

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