Doch eben diese beiden sind nun aktiv geworden, da Benjamin Netanjahu Ungarn besuchte, um Viktor Orbán zu treffen (und als aufmerksame Zugabe auch die anderen Regierungsoberhäupter der Visegrádstaaten). Sie sind unsere herumirrenden Juden, die nicht zur Ruhe kommen. Miteinbezogen haben sie dabei den neuen israelischen Botschafter, József „Jossi“ Amrani, den sie schon einmal mit einer Stellungnahme über die Klippe haben springen lassen, in der die ungarische Regierung verurteilt wurde. Darauf folgte ein noch schrecklicheres Interview für die linksliberale Tageszeitung Népszava als Zugabe.

Die mehr als unfreundliche Stellungnahme ließ Netanjahu (der als Außenminister der direkte Chef des Diplomatischen Corps ist) umgehend durch seinen Mitarbeiter zurückziehen.

Der oppositionelle Kreis um Heller, Konrád und Mária M. Kovács, der sich sonst eigentlich nur mit Horthy und Soros aufpudelt, griff diesen Schritt in einer achtundzwanzigseitigen (!) Proklamation an. Diese übergaben sie Amrani persönlich. So kam es denn auch zu einem Privattreffen im kleinen Kreis, bei dem sie den Botschafter zu überzeugen versuchten – und über ihn seinen Chef –, dass es Antisemitismus wäre, einen ausgesprochenen Gegner Israels in Ungarn auf Werbetafeln zu plakatieren (Anm.: hier sind die Regierungsplakate mit dem Konterfei von György Soros gemeint). Früher sagten sie, Israelfeindlichkeit sei der neue Antisemitismus, nun jedoch versuchen sie Netanjahu weiszumachen, dass klassischer Antisemitismus sei, gegen den neuen Antisemiten Soros aufzutreten.

Dies verwirrte auch den zu anderen Zeiten klug in Erscheinung tretenden András Heisler (Anm.: Vorsitzender der ungarischen Israelitischen Kultusgemeinde MAZSIHISZ), der die jüdischen Gemeinden vertritt und der in der Kritik an einem atheistischen Juden (Anm.: Soros) Antisemitismus zu erkennen glaubt. Dies kann er also nicht auf der Grundlage von Glaubensfragen, sondern ausschließlich auf rassistischer Grundlage getan haben. Laut der drei Petitionsschreiber soll Botschafter Amrani bestritten haben, dass Netanjahu nicht mehr hinter ihm stünde. Tatsächlich habe er sein Statement, das die Soros-Kampagne verurteilt, nicht zurückziehen, sondern nur ergänzen müssen. Mit der Ergänzung wandelte sich das Ganze aber ins Gegenteil, sodass hier irgendjemand unverfroren lügen muss. (...)

Fraglich ist, wie die berühmte israelische Abwehr diesen Grad an Wahnsinn handhaben wird. Viel deutlicher spricht die durch Soros finanzierte ungarische und israelische Nichtregierungsorganisation Amnesty International (AI): Ihrer Meinung nach sind Orbán und Netanjahu ein und dasselbe. Beide würden Negativkampagnen gegen Rechtsschutz-NGOs und deren Aktivisten, vor allem aber gegen die AI führen sowie Hass gegen universelle Menschenrechte und gemeinsame Werte schüren. Deshalb könne man also beide in einen Topf werfen.

Ich glaube nicht, dass Molly Malekart und Júlia Iván, die diese gemeinsame Stellungnahme veröffentlichten, jemals von irgendjemandem für irgendein Amt gewählt wurden. Trotzdem behaupten sie, sich vor dem Treffen der beiden gewählten Politiker zu fürchten, weil „sie nicht nur über ihre menschenrechtsverletzenden Pläne sprechen werden, sondern auch über deren Realisierung“.

Laut des Zentrums für Regierungskommunikation wollen die von Soros finanzierten Aktivisten Hunderttausende Einwanderer nach Europa holen, dabei greifen sie auf Schritt und Tritt all jene Länder an, die ihre Grenzen schützen, so auch Israel. Damit wird die Anmaßung – verziert mit Proklamationen und Zettelchen – wahrlich grenzenlos.

Der hier in Auszügen wiedergegebene Kommentar erschien am 20. Juli in der Druckausgabe der regierungsnahen Tageszeitung Magyar Idők.

Aus dem Ungarischen von EKG

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