Komisch, denn Bekannte, die zum Beispiel gerade in Süditalien Urlaub machen, erzählten doch eben, dass sie über die wichtigsten Nachrichtenblocks sämtlicher TV-Kanäle in Form von Reportagen und Berichterstattungen stets am Laufenden gehalten werden. Aber wir müssen doch gar nicht so weit gehen: Ausländische Touristen und natürlich Einheimische – die nicht gerade persönlich am Wettkampfort zugegen sind – verfolgen die Ereignisse zahlreich via Public Viewing. Die Lokale platzen förmlich aus allen Nähten, so dürfte sich auch das Gastgewerbe nicht beklagen.

Momentum: Unschlagbar in der Disziplin des Politisch-Querstellens

Sie zeigen sich wahrscheinlich wenig von Miklós Hajnal beeindruckt, dem jungen Titan der Momentum-Bewegung, die als Zerstörerin des olympischen Traums gilt. Das sich Politiker nennende Individuum erzählte vor laufender Kamera bei ATV, sie würden während der Schwimm-WM politische Aktionen durchführen und heimische beziehungsweise ausländische Journalisten und Sportler davon in Kenntnis setzen, welche furchtbaren Zustände doch in diesem Land vorherrschten. Und überhaupt: Der böse Viktor Orbán führe immer noch eine Kampagne gegen George Soros…

Es fällt mir schwer, dem noch etwas hinzuzufügen, aber es scheint doch sonnenklar zu sein: Das gesamte Oppositionsensemble hat nicht mehr zu bieten, als eine pure Orbán-Phobie. Allein schon deshalb kann man sich mit ihnen nicht einmal auf ein nationales Minimum verständigen, wie es für die Austragung der Olympischen Spiele 2024 notwendig gewesen wäre. Wenn es um Viktor Orbán geht, dann soll lieber alles und jeder verrecken… Aber vielleicht befinden sich die Oppositionsparteien gerade wegen dieser Art von Politik in den Meinungsumfragen dort, wo sie gerade sind.

Tourismus auf Höhenflug

Aber nun zurück zu den Schwimmweltmeisterschaften. Wir können nicht sehr daneben liegen, wenn wir sagen: Dieses grandiose Ereignis gibt dem heimischen Tourismus, der sich bereits in einem Aufschwung befindet, ein weiteres deutliches Plus. Auch das ist sicher kein letztrangiger Aspekt bei der Bewerbung um die Austragungsrechte für Sportereignisse. Der Fremdenverkehr gibt mehr als 350.000 Menschen Arbeit. In dieser Branche sind mehr als 40.000 KMU tätig. Der Tourismus macht 11 Prozent des BIPs aus, und die Regierung will diese Zahl auf 16 Prozent ankurbeln. Es ist kein weit hergeholtes Ziel, dass Budapest zu seinen Konkurrenten, wie etwa Prag oder Wien, aufschließen kann. Die Wachstumsaussichten stehen nicht schlecht, die UNO-Weltorganisation für Tourismus erwartet in Europa mittelfristig ein Wachstum von etwa 4–4,5 Prozent, in unserer Region sogar von über fünf Prozent.

Die Regierung ergriff im Interesse des Wachstums mehrere Maßnahmen, so kommt sie etwa der Branche mit einer Steuersenkung entgegen.

Arbeitskräftemangel mit Lohnerhöhungen bekämpfen

Der Arbeitskräftemangel stellt aber auch hier ein Problem dar. Das könnte man mit Lohnerhöhungen korrigieren, wofür, wie es scheint, die Absicht bereits vorhanden ist. Unserer Zeitung liegen Daten vor, denen zufolge die im Hotel- und Gastgewerbe tätigen Arbeitnehmer im Verhältnis zum verpflichtenden Facharbeiter-Lohnminimum von 180.000 Forint [etwa 590 Euro] gleich um mehrere Zehntausend Forint mehr Grundgehalt, sogar bis zu 240.000 Forint [etwa 780 Euro], beziehen könnten. Dies könnte im Kollektivvertrag der Branche verankert werden, worüber man sich im Herbst einigen könnte.

Keine Selbstverständlichkeit mehr: Faktor Sicherheit

Und schließlich ist es auch nicht nebensächlich, dass Ungarn als ein sicheres Land gilt. Es ist eine traurige Tatsache, dass dies gleich mehrere westeuropäische Staaten nicht mehr von sich behaupten können. Wir wollen uns nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass Terrorangriffe einfach zum Leben der Großstädte dazugehören würden. Wir sollten es zu schätzen wissen, dass wir nicht von einer unmittelbaren Bedrohung betroffen sind, und dafür sollten sich auch die linksliberalen Parteien glücklich schätzen. Sie dürfen ihren politischen Aktionen sogar während der Schwimm-WM in größter Sicherheit freien Lauf lassen. Auch dann, wenn sie mit dieser Art von Politik schon mehrfach baden gehen mussten.

Der hier wiedergegebene Kommentar erschien am 17. Juli auf dem Online-Portal der Regierungszeitung Magyar Idők.

Aus dem Ungarischen von Dávid Huszti

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