Seine Architektenlizenz hat John Fotiadis in den USA bereits vor 20 Jahren erworben, doch insgesamt gesehen, ist er im Bereich der Baukunst schon seit mehr als 25 Jahren tätig. Zu seinen bekanntesten Baukunstprojekten gehört unter anderem die Entwicklung des Generalbebauungsplanes für den 1,6 Millionen Quadratmeter großen Küstenbereich Lusail in Doha, der Hauptstadt von Katar.


Welche Stadt ist für Sie ein Vorbild für eine ideale Architektur?

New York ist ganz bestimmt eine solche Stadt. Sie ist ein sehr interessanter und gleichzeitig sehr seltsamer Ort, da sich darin Straße um Straße die ganze Geschichte der US-Baukunst widerspiegelt: Von gotischen Domen und Kathedralen bis hin zu Glasgebäuden und neoklassizistischen Bauten – es ist eine seltsame, moderne Stilmischung. New York ist ein äußerst eklektischer Ort, dessen einzelne Bestandteile für sich selbst genommen schon interessant sind.

Es gibt aber auch andere architektonisch interessante Städte, beispielsweise Rom. Das ist eine Traumstadt für jeden Baumeister. Jedes einzelne Gebäude ist wunderschön.


Was sind die aktuellen Trends im Bereich Architektur und Design für das Hotel- und Gastronomiegewerbe?

Ein Beispiel: Die Unternehmensgruppe Starwood Hotels & Resorts kam mit der Bitte zu einer Firma, bei der ich früher gearbeitet habe, ein Konzept für eine Hotelmarke zu erarbeiten, die sich auf längere Aufenthalte spezialisiert hat. Letztendlich haben wir so die Marke „element“ entwickelt. Das war der Anfang eines neuen Trends. Hotels werden immer mehr zu einem Ort, an dem man auch eine längere Zeit verbringen kann, mit genügend Platz, um beispielsweise mit dem PC herumsitzen zu können, aber auch für Erholungs- und Gemeinschaftsräume. Das Hotel sollte zu einem Ort werden, an dem man sich wie zu Hause fühlt. Ein weiterer Trend, auf den ich aufmerksam geworden bin, ist eher ein Nischenkonzept: So erfreut sich beispielsweise „grünes“ Design gerade sehr großer Beliebtheit. In New York gibt es das „1 Hotel“. Es versucht, zu 100 Prozent umweltfreundlich zu sein. Viele Teile der Innenausstattung – etwa der Fußboden oder die Betten – sind aus wiederverwerteten Materialien (alte Bretter von den Docks, wiederaufbereitete Steine, usw.) gefertigt. Die ganze Konzeption ist auf den Grundsätzen des Umwelt- und Naturschutzes aufgebaut. Es ist ein sehr gutes Projekt.


Was war für Sie als Architekt bisher das größte und spannendste Projekt?

Das war für mich die Entwicklung des Generalbebauungsplans für die katarische Hauptstadt Doha. Als wir den Plan für das 600.000-Quadratmeter-Grundstück erhielten, gab es dort nichts außer Sand und Wasser. Weder Straßen, noch Infrastruktur. Und der Kunde sagt zu uns: „Ich will, dass es hier in 16 Wochen eine Stadt gibt.“

Wir waren ungefähr 20 bis 25 Personen in unserem Team. Für die erfolgreiche Verwirklichung einer solchen Aufgabe braucht man ein gutes Konzept und großartige Ideen. Eine dieser Ideen war, Wasser und Land aufeinandertreffen zu lassen. Deshalb haben wir uns dafür entschieden, eine große Uferpromenade zu errichten. Diese und die schöne Landschaftsgestaltung wurden zum markantesten Merkmal des Plans. Durch unsere Entwürfe wurden letztendlich 1,6 Millionen Quadratmeter bebaubare Grundfläche geschaffen.

Der Kunde konnte diese Flächen sehr schnell verkaufen, was vom Erfolg des Projektes zeugt. Einerseits war das die anstrengendste Zeit in meinem Leben, aber andererseits kann ein solches Projekt helfen, über sich hinauszuwachsen. Man erkennt, wozu man alles fähig ist.


Sie waren einer der ersten Architekten, die den Begriff „Brandchitecture“ geprägt haben. Könnten Sie uns erzählen, was man darunter versteht?

„Brandchitecture“ wurde zum Mantra meiner Firma. Heute reicht es nicht mehr aus, einfach nur funktionale Gebäude zu entwerfen, in denen man komfortabel leben kann. Nein, heute müssen die Gebäude auch eine Geschichte erzählen. Diesen Gedanken haben wir unserer Arbeit zugrunde gelegt. Deshalb ähnelt unsere Zusammenarbeit mit den Kunden fast der eines Markenberaters. Wir entwickeln Designs, die den Charakter einer Marke reflektieren. Und genau das bezeichne ich eben als „Brandchitecture“. Ich denke, es handelt sich dabei um ein sehr interessantes Konzept.


John Fotiadis ist Mitglied der Jury bei den „International Hospitality Awards“. Diese Auszeichnungen werden an die besten Hotels aus 21 Ländern in Europa verliehen. Die Preisverleihungszeremonie wird im Januar 2018 in Budapest stattfinden.

Detaillierte Informationen dazu finden Sie unter www.hospitalityawards.international

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