Sie wurden umsonst zu übermenschlichen Leistungen gezwungen, umsonst wurde aus ihnen beim Training im Morgengrauen – sei es gar mit Schlägen – auch noch der letzte Armstoß herausgepresst. Am Ende waren sie einfach nicht talentiert, stark oder entschlossen genug, um Profischwimmer zu werden. Ihre Kindheit wurde ihnen auf alle Fälle durch fanatische Eltern und eine goldhungrige Gesellschaft geraubt. (...)

Das sind natürlich alles nur meine persönlichen Ansichten. Doch, wenn ein Land so viel für ein Prestigeereignis ausgibt wie Ungarn, und siegreiche Olympiaschwimmer mit Steuergeldern überschüttet werden (...), während Angestellte im Gesundheits- und Bildungswesen zu beschämenden Löhnen malochen, dann lassen Sie mich doch ein paar einfache Fragen an die richten, die diese Augenwischerei mit voller Inbrunst bejubeln: Wo war die vergangene Schwimm-WM? Wer gewann bei der Olympiade in der Disziplin über 400 Meter Rücken der Herren und wer gewann über 200 Meter Schmetterling bei den Damen? Wer sind Katinka Hosszús größte Konkurrenten?

Die Erfahrung zeigt, dass der Durchschnittsungar ohne die Hilfe von Google keine dieser Fragen beantworten kann. Für drei Richtige bedarf es schon eines Fachjournalisten. In Wahrheit ist es etwas ganz anderes, wofür das Land all das Geld ausgibt und was die Brust der Bürger vor Stolz schwellen lässt: Was für ein Weltruhm, was für ein Landesimage! Selbst uns Ungarn sind die ungarischen Schwimmstars – sofern sie nicht gerade den Rest der Welt hinter sich lassen – gleichgültig. Ansonsten interessieren sie uns nicht – und wir nicht die Welt. Das ist eine Tatsache.

Der hier in Auszügen wiedergegebene Kommentar erschien am 13. Juli in der konservativen Tageszeitung Magyar Nemzet.

Aus dem Ungarischen von Elisabeth Katalin Grabow

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