Die Geschichte des Rugbys reicht bis in das frühe 19. Jahrhundert zurück. Erstmals wurde er im Mutterland des Fußballs, England, dokumentiert und ist wohl zunächst auch als eine Variation aus diesem, in Europa wohl beliebtesten Ballsport hervorgegangen. In Warwickshire, der Hauptstadt der gleichnamigen englischen Grafschaft, soll einer Legende zufolge ein gewisser William Webb Ellis bei einer Partie Fußball, die bis heute geltende goldene Regel dieses Sports missachtet und statt mit den Füßen zu kicken, den Ball in die Hände genommen haben und damit über das Spielfeld gerauscht sein. Unabhängig davon, wie viel Wahrheit tatsächlich in dieser Legende steckt, eines ist Fakt: Gegen Ende des 19. Jahrhunderts, im Jahre 1871, wurde die „Rugby Football Union“ als Konkurrent zur seit 1863 bestehenden „Football Association“ gegründet.

Doch worum geht es in diesem Sport nun eigentlich? Kurz und knapp: Das Ziel beim Rugby ist es, sich den Ball, dessen Form einem Ei gleicht, unter den Arm zu klemmen und vorbei am Rivalen ins gegnerische Feld zu befördern, um ihn dort an der Endlinie, im Fachjargon Malfeld genannt, abzulegen. Dabei darf der Ball unter den Mitgliedern derselben Mannschaft ausgetauscht werden, das aber stets nur nach hinten werfend. Zudem darf nur, wer das „Ei“ gerade trägt, von der gegnerischen Mannschaft getackelt – das heißt: angegriffen – werden.

Doch Rugby ist nicht gleich Rugby

Dabei gibt es verschiedene Varianten dieses kontaktbetonten Sports: Die am weitesten verbreitete ist das „Rugby Union“, welches mit 15 Spielern auf dem Platz gespielt wird. Andere Varianten wie das „Rugby League“ oder der „7er-Rugby“ kommen mit nur dreizehn oder auch sieben Spielern und kürzeren Spielzeiten aus. In Australien hat sich in den letzten Jahren eine noch recht neue Variante entwickelt, das „Touch Rugby“. Hier bleibt die Rauferei auf dem Spielfeld aus und wird durch eine Berührung ersetzt. Bei internationalen Wettkämpfen legt man sich aber zumeist auf die „Rugby Union“-Spielweise fest. Auch eine alle vier Jahre stattfindende Weltmeisterschaft gibt es, die in ihrem Namen an den Vater des Rugby, William Webb Ellis, erinnert.

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Während sich Rugby also vor allem im Vereinigten Königreich und den ehemaligen Ländern des Commonwealth, aber auch in Frankreich großer Beliebtheit erfreut, konnte der Sport weder in Ungarn noch in Deutschland so richtig Fuß fassen. Einen kleinen Anstoß weg von der Randsportart brachten die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro, bei der das „7er-Rugby“ in die Palette der ausgetragenen Sportdisziplinen aufgenommen worden war. In dieser Kategorie konnte im vergangenen Jahr die Männermannschaft aus Fidschi vor Großbritannien und Südafrika olympisches Gold einfahren. Bei den Frauen freute sich Australien über den Sieg, Neuseeland und Kanada mussten sich mit Silber und Bronze zufriedengeben.

Rugby im Land der Magyaren

Obwohl Rugby in Ungarn in Bekanntheit und Beliebtheit weit abgeschlagen hinter den Mannschaftssportarten Fußball und Handball zurückliegt, gibt es auch hierzulande zwei inländische Rugby-Ligen: die „Nemzeti Bajnokság I“, sprich die Rugby-Bundesliga Ungarns, und die ungarische Extraliga mit sechs Mannschaften. Zu diesen gehören auch die Teams des „Budapest Exiles RFC“. Seit circa 25 Jahren spielen hier Ungarn und Rugby-Begeisterte aus aller Welt zusammen. Und würde die Internationalität nicht schon ausreichend für die Vielseitigkeit dieser Mannschaften sprechen, bietet der Verein mit den „Budapest Ladies Exiles RFC“ auch noch einen weiblichen Gegenpart zur Männermannschaft. Dabei stehen die Rugby-Damen ihren männlichen Kollegen in diesem Sport in nichts nach – denn, was ihnen vielleicht im Vergleich zu Männern an Statur und Schnelligkeit fehlt, so unser Eindruck beim Training, machen sie durch weibliche Akrobatik und akribische Technik wieder wett.

„Pink and black – got your back“

„Von wegen nur Männersport“, sagen sich die Mitglieder der Damenmannschaft der „Budapest Exiles“. Das Team ist ein bunter Haufen aus jungen Frauen in ihren 20ern. Neben Ungarinnen sind auch Damen aus anderen Nationen, darunter Deutschland, Irland und Frankreich, dabei. Trainiert werden sie von den beiden Rugby-Coaches Tom Szeidl und Csaba Priskin. Ihr Training findet im XII. Bezirk auf dem Gelände des KFKI-Sportzentrums Csillebérc und auf Englisch statt. Gespielt wird die 7er-Variante des Sports – also mit sieben Spielerinnen pro Mannschaft auf dem Platz und einer Spielzeit von zweimal sieben Minuten. Das klingt wenig, reicht aber, um ordentlich aus der Puste zu kommen.

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Um der Internationalität ihrer Spielerinnen Ausdruck zu verleihen, versuchen Szeidl und Priskin, auch wenn Englisch natürlich die wichtigste Sprache auf dem Feld bleibt, ebenso die anderen Sprachen ihres Teams ins Training einfließen zu lassen. So werden beispielsweise Sit-ups und Liegestütze beim Aufwärmen immer in einer anderen Sprache gezählt. Wer das Training der „Budapest Ladies Exiles RFC“ besucht, spürt daher sofort die familiäre und internationale Atmosphäre. Zur Philosophie der Trainer gehört weiterhin, dass sich die Spielerinnen nicht bei jedem Missgeschick entschuldigen sollen. Wenn da mal der Ball im Eifer des Gefechts verlorengeht, dann ist das vielleicht ärgerlich, aber es wird davon ausgegangen, dass jede Spielerin auf dem Platz ihr Bestes gibt und auch aus ihren Fehlern lernt.

Klischees adé!

Auf die Frage, warum sich die Mädels gerade Rugby als Sport ausgewählt haben, wo doch diese Sportart häufig mit Prügelei und Kraftmeierei in Verbindung gebracht wird, antworten die Spielerinnen der „Budapest Ladies Exiles RFC“ selbstbewusst: „Rugby ist mehr als nur Körpereinsatz. Es braucht eine Menge Disziplin. Respekt und vor allem Teamgeist stecken hinter jedem Spielzug und machen Rugby so interessant.“

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„Ich liebe Rugby wegen des Gemeinschaftsgefühls und dem Wechselspiel zwischen körperlicher Anstrengung und taktischem Denken. In den sechs Jahren, die ich nun schon bei den 'Exiles' bin, habe ich bereits mit so vielen Menschen verschiedenen Alters und unterschiedlicher Herkunft spielen dürfen“, erzählt eine irische Spielerin mit Begeisterung, ironischerweise hat sie erst fern von der Heimat, in Ungarn, ihre Liebe zum Rugby entdeckt. Schlechte Erfahrungen mit Vorurteilen gegenüber dem Sport oder weiblichen Spielerinnen habe sie noch nicht gemacht. Kein Wunder, denn wer einmal ein Spiel der Damen-Rugbymannschaft gesehen hat, der weiß, wie viel Einsatzbereitschaft und Anstrengung hinter den Sprints, den Angriffen und den strategischen Haken stehen.

Sogar die gleichnamige Männermannschaft ist stolz auf das Engagement „ihrer“ Mädels und steht ihnen mit Trainingsutensilien und Zuspruch zur Seite. Rugby, so die Spielerinnen, ist ein sehr inklusiver Sport mit unterschiedlichen Spielpositionen, die das Image des Kraftprotz-Sports hinfällig machen. Das spiegelt sich auch in der Mannschaftskonstellation wider. Während sich die eher kräftigen und muskulösen Rugby-Spielerinnen im „Sturm“ verdingen, stärken die kleineren und schlankeren Spielerinnen ihnen als Hintermannschaft den Rücken. Für jene, die das Spiel besser durchschauen und taktieren können, sind die Spielmacherpositionen wie der „Verbindungshalb“ ideal. Diese Positionen sind während des Spiels Dreh- und Angelpunkt, und treffen die meisten taktischen Entscheidungen.

Und wie war das nun mit dem Klischee von der Prügelei? Das haben wir vom Zuschauen beim Training der „Budapest Ladies Exiles RFC“ gelernt: Raufen gehört tatsächlich dazu. Aber das Tackeln will gelernt sein. Dafür gibt es sogenannte „Tackle Bags“, also Schaumstoff-Trainingspuppen, mit denen man den Angriff übt. Dabei ist nicht nur wichtig, wie man sein Gegenüber effektiv zu Boden wirft, sondern auch, wie man sich selbst vor schwereren Verletzungen – damit sind keine blauen Flecken gemeint, denn diese lassen sich fast nicht vermeiden – schützt und wie man gelenkschonend auf den Boden fällt.

Neugierig geworden? Nur zu!

Die Damen-Rugbymannschaft „Budapest Ladies Exiles RFC“ freut sich sehr über Zuwachs und Unterstützung, ganz gleich welchen Alters, welcher Nationalität oder welcher Statur. Den Kontakt sowie weitere Informationen zur Mannschaft finden Sie unter www.budapestexiles.com oder www.facebook.com/budapestexilesladies

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