Eröffnet wurde das Treffen mit einem Grußwort des ungarischen Ministers für Auswärtiges und Außenhandel, Péter Szijjártó, das von seinem Staatssekretär István Íjgyártó, verantwortlich für Kultur- und Wissenschaftsdiplomatie verlesen wurde. „Die Kulturdiplomatie kann in unruhigen, wenig friedlichen Zeiten dabei helfen, Frieden zu schaffen.“ Zugleich wies der Minister, der bei seinem Amtsantritt 2014 die klassische Diplomatie in den Dienst der Außenwirtschaftsförderung stellte, darauf hin, dass durch die Kulturdiplomatie solche Brücken gebaut werden könnten, wie es mit anderen Instrumenten unvorstellbar wäre. Die Außenpolitik der Öffnung nach Osten und Süden baue auf die Kulturdiplomatie, schließlich könne mit der „Vorstellung unserer Kultur und der Erweiterung der kulturellen und Bildungskontakte Ungarn am besten bekannt gemacht werden.“ Außerdem würdigte der Minister die Programmreihe der Ungarn-Institute aus Anlass des 60. Jahrestages der ungarischen Revolution von 1956 und bezeichnete sie als „echtes Erfolgsprojekt“.

Erfolgreiche Integration ins Ministerium für Auswärtiges und Außenhandel

Ausgerichtet wurde das gegenwärtige Jahrestreffen vom Balassi-Institut, dem „ungarischen Goethe-Institut“, das im September letzten Jahres in das Ministerium für Auswärtiges und Außenhandel integriert worden ist. Die langjähriges Direktorin des Balassi-Instituts Judit Hammerstein – jetzt Stellvertretende Staatssekretärin – stellte in ihrer Ansprache eingangs fest, dass die Integration zwar zu zahlreiche Veränderungen für die tägliche Arbeit geführt habe, das Balassi-Institut als Markenname aber bewusst beibehalten wurde. Sie bewertete es als Erfolg, dass kein einziges Programm des Instituts durch die während des Jahres erfolgte Integration negativ berührt worden sei. Das Budget des Instituts sei in vergleichbarer Höhe geblieben. Ja mehr noch, es würde inzwischen sogar Gebiete geben, die jetzt wesentlich besser finanziert würden. Das weltweite Netz aus Kulturinstituten, Kultur- und Bildungsdiplomaten, Hungarologie-Lehrstühlen und ungarischen Gastlektoren bezeichnete sie im europäischen Vergleich als „äußerst reich und ausgesprochen ausgedehnt“. Eine gute Struktur sei gegeben, sie müsse nur mit guten Inhalten gefüllt werden. Sogleich gab die Stellvertretende Staatssekretärin Anregungen unter anderem auf welchen Gebieten man bezüglich dieser inhaltlichen Auffüllung kaum daneben liegen könne: Budapest, die Gegenwartsmusik, die Fotokunst, die Folklore mit Volksmusik und Volkstanz, die ungarische Küche, die ungarische Sprache und natürlich der Sport. Nicht zu vergessen seien aber auch die ungarischen Hochschulbildung, die sich weltweit eines sehr guten Rufes erfreue, und der ungarische Film, über den inzwischen gleiches gesagt werden könne. Ein „immer dankbarerer kultureller Exportartikel“ sei auch die ungarische Literatur.

Ungarische Literatur – ein dankbarer Exportartikel

Das Balassi-Institut unterstütze die Verbreitung der ungarischen Literatur im Ausland unter anderem mit dem 2012 begonnenen Programm Publishing Hungary. In den vergangenen fünf Jahren nahm Ungarn mit Unterstützung von Publishing Hungary an 70 Buchmessen teil, davon zehn Mal als Ehrengast. Jährlich werden in Organisation von Publishing Hungary weltweit 80 bis 100 Programme durchgeführt. Mehrere hundert Buchtitel wurden zumeist unter Mitwirkung ihrer Autoren vorgestellt. Zwar wird Ungarn in diesem Jahr auf keiner Buchmesse als Ehrengast dabei sein, 2018 wird es aber in Slowenien und 2019 in der Slowakei wieder so weit sein. Ein Höhepunkt war in diesem Jahr bereits die Teilnahme an der Leipziger Buchmesse mit einem Messestand in einem erneuerten und mutigen Design. Ein weiterer Erfolg war die Teilnahme an der Internationalen Kinderbuchmesse in Bologna, mit immerhin 13 ungarischen Verlagen und sechs Illustratoren. Bei der Budapester Internationalen Buchmesse, deren Ehrengäste diesmal die V4-Länder waren, organisierte Publishing Hungary den gemeinsamen V4-Messestand. Ein weiteres Highlight von Publishing Hungary ist im Herbst die Teilnahme an der Frankfurter Buchmesse. „Dabei wollen wir solche Autoren vorstellen, die wir für wichtig halten, die aber noch nicht ins Gesichtsfeld ausländischer Verlage gerückt sind“, kündigte Judit Hammerstein an. Um das Interesse zu wecken, werde man deutsche und englische Probeübersetzungen anfertigen.

Ein schon lange fälliger Preis

An dieser Stelle sprach die Direktorin den Literaturübersetzern ihre hohe Wertschätzung aus. „Erst ihre aufopferungsvolle Arbeit ermögliche es, dass die ungarische Literatur im Ausland bekannter gemacht werden kann.“ Das Balassi-Institut werde die Arbeit der Übersetzer mit einem schon lange fälligen Preis würdigen. Ab diesem Jahr werde jeden Herbst am Welttag der Übersetzung als Anerkennung des ungarischen Außenministeriums der „Balassi-Literaturübersetzerpreis“ vergeben. Er ist mit 3.500 Euro dotiert, über seine Vergabe wird ein Programm-Kuratorium von Publishing Hungary entscheiden. „Jetzt, wo wir zum ersten Mal begonnen haben, mögliche Kandidaten zu erfassen, und uns zu informieren, wer, auf welche Sprache, welche Werke übersetzt hat, sind wir uns erst bewusst geworden, welche phantastischen Lebenswerke es gibt. Es wird sehr schwer sein, zu entscheiden, wer den Preis bekommen soll. Gleichzeitig sind wir aber auch darüber erleichtert, dass es für die nächsten Jahrzehnte genug Kandidaten gibt.“

Konversation

ÄHNLICHE BEITRÄGE
25 Jahre Commerzbank Zrt.

Dynamisches Wachstum

Geschrieben von Jan Mainka

1993 gründete die Commerzbank AG als eine der ersten westeuropäischen Banken in Ungarn eine…

Die Regierungsseite / Kommentar zum Sargentini-Report

Judith Sargentini ist eine Marionette

Geschrieben von Magdolna Gedeon

Dass die Abgeordnete nicht einmal das Gespräch mit der ungarischen Regierung suchte, verrät schon…

Parkhotel Csipkerózsa bei Szeged

Erholung und Luxus in Südungarn

Geschrieben von Cornelia Rückriegel

Man denkt, man ist im Nirgendwo gestrandet: Die etwa 25 Kilometer von Szeged entfernte Gemeinde…