„Ich wäre froh, wenn die Kinder die Räumlichkeiten der Schule schon bald als Mohnblumen-, alte-Damen- oder Landschaftsbild-Raum bezeichnen würden”, meinte Albert Alföldi. Im Initiator und Leiter der Künstlerkolonie hätten immer individuelle, unregelmäßige und besondere Lösungen Spuren hinterlassen, darum habe er mit seinen Künstlerkollegen zusammen die Entscheidung getroffen, zum runden Jubiläum statt einer gewöhnlichen Publikation, oder statt der Einladung von Politikern lieber für die örtliche Gemeinschaft eine bleibende Nachricht zu hinterlassen: „Die konkrete Idee mit den Schultüren brachte Matteo Massagrande aus seiner Heimat mit sich. Der auch international anerkannte italienische Maler unterstützt als Mentor die Arbeit der aus Ungarn und Siebenbürgen nach Hajosch gekommenen Kunstschaffenden. Unser Lager ist übrigens wie eine Werkstatt der Renaissance: ein jeder befasst sich mit einem beliebigen Thema. Auch die Gesellschaft selbst ist sehr bunt, denn unsere jüngsten Mitglieder sind erst 14 Jahre alt, wobei die Älteste Teilnehmende – eine unserer Gründungsmitglieder - bereits 90 ist. All dem zu trotz bilden wir eine tolle Gemeinschaft, die an die einstigen schwäbischen Spinnstuben erinnert, wo von den kleinsten Kindern bis zu den Großeltern mehrere Generationen mit einander ihre Freizeit verbrachten.“

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Das Künstlerlager gliederte sich mit den Jahren in das Leben der Stadt ein, zwischen den Einwohnern und den Künstlern entwickelte sich gegenseitiger Respekt und Hochachtung. Laut Albert Alföldi unterstützen die Hajoscher das Lager bis auf heute sehr gerne: ’mal mit Geld, ’mal mit Fleisch oder Marmelade. Dafür bekämen sie Gemälde geschenkt. Alföldi sprach sich dafür aus, dass er das Wissen und die Mentalität der in Hajosch lebenden Ungarndeutschen für besonders wertvoll halte: „Wer sich in dieser Gemeinschaft als Wichtigtuer aufspielt, wird scheitern! Uns ist es gelungen, von den hiesigen Deutschen sehr viel zu lernen. Vor allem von den älteren Leuten, die über ein umfangreiches Wissen verfügen: manche von ihnen kennen beispielsweise viel mehr Gewürzpflanzen als der eine oder andere Meisterkoch, und darüber hinaus haben diese Menschen noch die nötige Sensibilität, um zum Beispiel bei der Betrachtung eines Kunstwerkes dasselbe zu spüren und zu erleben, wie ein Künstler oder Experte.“

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Theresia Szauter, das eine Mitglied der Deutschen Nationalitätenselbstverwaltung von Hajosch erzählte, mit diesen Sommerkünstlerlagern aufgewachsen zu sein. Erst als Erwachsene sei es ihr jedoch klar geworden, was für ein wertvolles Erlebnis es gewesen sei, mit den auf den Straßen spazierenden Künstlern Gespräche geführt zu haben: „Durch ihre Werke öffnete sich für uns die Welt. Vielleicht noch wichtiger für mich war aber, zu erkennen, dass diese Menschen unsere, für uns natürliche schwäbische Welt von außen mit Bewunderung beobachtet und verewigt haben, und dadurch auch unsere Augen öffneten. Ein chinesischer Künstler, der in Hajosch sein zweites Zuhause gefunden hat, schenkte uns sein Gemälde mit Türklopfern. Er sagte, in China gebe es viele solche Klopfer an den Türen, aber hinter der Tür sei nichts. Bei uns lebe noch die Tradition, und mit ihr im Einklang die Zukunft, die die Kinder hinter den Türen symbolisierten, und das habe ihn inspiriert. Unsere deutsche Selbstverwaltung und die von ihr getragene Schule unterstützt die Initiative und hilft dem 40. Künstlerlager in dieser Form ein Denkmal zu stellen, weil wir wollen, dass auch die heutigen Kinder mit dem Erlebnis der Nähe der Kunst aufwachsen sollen.

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Um die örtliche Autonomie und die immer selbständigere Leitung des ungarndeutschen Bildungswesens verankerte die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen in ihrer Strategie das Ziel, das Netzwerk der von örtlichen deutschen Selbstverwaltungen getragenen Kindergärten und Schulen ständig zu erweitern. Momentan werden 20 Schulen und 21 Kindergärten von lokalen deutschen Selbstverwaltungen getragen.

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Fotos: Robert Ginál

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