Während die Hauptstädter, wenn es um diverse Großbaustellen geht, die jeden Sommer an den meist ungünstigsten Ecken auftauchen, stresserprobt sind, dürfte es den Bewohnern des Erholungsortes Balatonfüred mittlerweile gehörig auf die Nerven gehen, was in ihrem Städtchen vor sich geht. Denn der Austragungsort für die Wettkämpfe in offenem Gewässer steht seit Wochen Kopf.

Schwere Belastungsprobe für Balatonfüred

Doch nicht nur Anwohner sind leidgeplagt. Wer sich noch vor der Schwimm-WM in das beschauliche Örtchen verirrte, befand sich zwischen Baustellen. Nun ist es im Sommer rund um den Balaton herum meist ziemlich überlaufen, doch in Balatonfüred könnten die Urlauber aufgrund der WM-Auswirkungen in diesem Jahr fernbleiben. Hoteliers und Gastwirte fürchten schon jetzt finanzielle Einbußen, die selbst das gesteigerte Aufkommen während der WM selbst nicht wettmachen könnten.

Ein Paradebeispiel dafür, wie knapp – im besten Falle – die Zeit für die Bauarbeiten bemessen ist, zeigt sich an der Tiefgarage, die in dem Urlaubsort entstehen soll. Die linksliberale Wochenzeitung hvg machte sich auf den Weg nach Balatonfüred, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Das Ergebnis gab wenig Grund zur Hoffnung. Für den 1. Juli war die Übergabe der Tiefgarage geplant, doch davon konnte beim besten Willen keine Rede sein. Nur knapp eine Woche vor der WM erinnerte das Gelände nicht einmal im Ansatz an ein fertiggestelltes Projekt, dabei war die Frist des 1. Juli bereits Ergebnis einer Verlängerung. Eigentlich hätte die Garage bereits seit dem 20. Juni im Testlauf operieren sollen. Doch selbst wenn alles rund um die WM bis zum Startschuss fertig werden sollte, das Ärgernis für die Balatonfüreder ist damit noch lange nicht vorbei. Denn abgebaut werden die diversen Tribünen und Anlagen erst bis zum 18. August, dumm nur, dass die Weinwochen eine knappe Woche vorher starten.

#

Tribüne und provisorisches Schwimmbecken am Stadtwäldchen. (Foto: BZT / Nóra Halász)

Und wie steht es um die Hauptstadt? Während es so scheint, als ob hier zumindest das Gros der Baustellen fertiggestellt wird, bleiben doch viele Fragezeichen. Das größte Fragezeichen ist dabei vielleicht, was nach der WM aus den teuren Bauten werden soll.

Die Öffentlichkeit muss warten

Bisher ist lediglich bekannt, dass Rekordschwimmerin Katinka Hosszú in der riesigen Duna Arena eine Schwimmakademie eröffnen wird. Was jedoch aus den beiden anderen Schwimmhallen wird, bleibt fraglich. Denn obwohl viele Hauptstädter darauf hofften, nach den zweifellos kräftezehrenden Tagen der FINA zumindest die neuen Hallen genießen zu können, bleiben beide voraussichtlich bis September für die Öffentlichkeit gesperrt. Dies berichtet zumindest die hvg. Doch auch auf der Homepage der Nationalen Sportzentren ist vermerkt, dass beide Schwimmstätten vom 3. Juli an nicht für die Öffentlichkeit zugänglich sind und voraussichtlich erst ab September ihre Pforten wieder öffnen werden. Warum, darüber gibt die Seite keine Auskunft.

Änderungen gab es auch rund um die Eröffnungsfeier des Sportgroßereignisses. Während es noch zu Beginn Gerüchte gab, dass gar die Rolling Stones das namhafte Event eröffnen würden, backt man nun wesentlich kleinere Brötchen – zumindest was die auftretenden Stars angeht. Während die Rolling Stones Kosten in Höhe von 3,4 Milliarden Forint irgendwie noch gerechtfertigt hätten (nur zum Vergleich: die Kosten sind höher als die der Mainstage auf dem einwöchigen Sziget-Festival, auf dem täglich zahlreiche Weltstars Konzerte geben), ist das Staraufgebot nunmehr überschaubar: CeeLo Green wird das Programm mit zwei Songs bereichern.

Eigentlich war zunächst Emili Sandé als Stargast geplant. Die schottische R 'n' B- und Soulsängerin musste jedoch knapp eineinhalb Wochen vor der Eröffnungsfeier krankheitsbedingt ihren Auftritt – und ihre gesamte Tour – absagen. CeeLo Green wird an ihrer Stelle nun die Zuschauer unterhalten. Der Name dürfte vielleicht nicht sofort bei allen klingeln, aber der Soulsänger ist die Stimme hinter dem Hit „Crazy“ von Gnarls Barkley und Gewinner von fünf Grammys.

Eröffnung weitgehend ohne einstige Spitzensportler

Doch dies ist nicht der einzige Stolperstein der Feier. Das Nachrichtenportal index.hu berichtet, ehemalige Olympioniken und Schwimmweltmeister wären nur knapp zwei Wochen, genauer gesagt, zehn Tage vor der Feierlichkeit angefragt worden, an der Großproduktion mitzuwirken. In einem Brief (sechs Tage vor dem Event) erhielten die Sportler dann Informationen, zumindest teilweise, denn, wie Index zitiert, ging aus dem Schreiben zwar hervor, wo und wann geprobt und letztlich aufgetreten wird, aber was die Teilnehmer tragen sollten, blieb unklar.

#

CeeLo Green wird die Feier als Stargast bereichern. (Foto: Europress)

Warum das alles in letzter Minute geschehen musste, ist in Anbetracht des Organisationsstabes unklar, denn kein Geringerer als Csaba Káel zeichnet für das Programm verantwortlich. Káel ist Leiter des Palastes der Künste (Müpa) und bei Weitem kein Neuling, wenn es um künstlerische Großproduktionen geht. Doch wie index.hu weiter schreibt, nimmt die Angelegenheit hier erst eine wirklich absurde Wendung. Denn nur einen Tag später erreichte die Sportler ein zweiter Brief mit dem folgenden Inhalt: „Im Laufe der nächtlichen Probe hat der Regisseur beschlossen, dass man doch auf die Olympioniken verzichten wird.“ Als Grund wurde der Mangel an Zeit für Proben genannt.

Miklós Seszták, Entwicklungsminister und Vorsitzender des Organisationsausschusses der WM, soll Informationen des Portals zufolge darüber erzürnt gewesen sein. Zwar hätte man versucht, die Wogen zu glätten, doch die Sportler sind in ihrem Stolz – wohl nicht zu Unrecht – gekränkt und lehnen ein Einlenken ab. Der Fakt, dass von den mehreren Tausend VIP-Tickets für die WM lediglich rund 25 für die einstigen Spitzensportler zur Verfügung gestellt wurden, dürfte einem Friedensschluss auch nicht wirklich Vorschub leisten.

Große Herausforderung für den Verkehr

Die ohnehin schon überlastete Innenstadt dürfte während der Schwimm-WM endgültig im Verkehrschaos versinken. Die Pester und Budaer Uferstraße werden zeitweise gesperrt sein und das Gelände rund um die Duna Arena wird komplett unbefahrbar. Für Touristen gibt es jedoch eine Neuerung, die hoffentlich auch über die WM hinaus erhalten bleibt: Die Budapester Verkehrsbetriebe BKV testen seit knapp zwei Wochen eine direkte Busverbindung zwischen dem Franz-Liszt-Flughafen und dem Deák Ferenc tér. Die Busverbindung kostet 900 Forint pro Fahrt und Fahrgast und ist zweifelsohne wesentlich angenehmer als bisherigen ÖPNV-Verbindungen. Erste Erfahrungen zeigen, der Bus erfreut sich großer Beliebtheit.

Konversation

ÄHNLICHE BEITRÄGE
A KERT Bisztro im XIV. Bezirk

Gourmetbistro mit Vorstadtfeeling

Geschrieben von Katrin Holtz

Im Südwesten Zuglós in unmittelbarer Nähe zur grünen Lunge der ungarischen Hauptstadt, dem…

Die rechte Seite / Kommentar zum Zwangsquotenurteil

Nicht mit uns!

Geschrieben von Zsolt Bayer

Wir wussten, dass wir hier verlieren werden. Die EU konnte es sich schließlich nicht leisten,…

Sehenswert- / Szemrevaló-Filmfestival 2017

Hommage an den Tonfilmpionier Fritz Lang

Geschrieben von Katrin Holtz

18 Filme und 31 Vorführungen in 10 Tagen: Für das diesjährige Sehenswert-Filmfestival ist bei den…