Sehr geehrte Redaktion der Budapester Zeitung,

Mit großer Verwunderung lasen wir in der Budapester Zeitung den Artikel “Was im Schatten der CEU so alles geschieht“.

Der Artikel ist unterzeichnet von einem Iván Kovács, der sich als promovierter Geisteswissenschaftler bezeichnet. Herr Kovács ist uns nicht bekannt und wir konnten seinen Namen auch nicht in den einschlägigen Datenbanken ungarischer Wissenschaftler finden.

Unter anderem beschuldigt der Artikel unser Institut, das Institut für Geschichte an der CEU, dass wir eine schwarze Liste mit prominenten ungarischen Osteuropaexperten führen würden, die nicht an die CEU eingeladen würden. Eine solche Liste gibt es natürlich nicht. Eine kurze Durchsicht unseres Veranstaltungsprogrammes sollte jedem Außenstehenden leicht verdeutlichen, dass wir unsere Gäste nicht nach ideologischen Gesichtspunkten auswählen.

In Wahrheit pflegt die CEU, und speziell das Institut für Geschichte, eine äußerst enge und lebendige Arbeitsbeziehung mit der Ungarischen Akademie der Wissenschaften sowie mit den historischen Instituten aller größeren ungarischen Universitäten. An unserem Institut arbeiten viele ungarische Wissenschaftler als Professoren und Gastdozenten. Tagungen und Forschungsprojekte finden oft im Verbund mit ungarischen Partnern statt. Des Weiteren publizieren zahlreiche Osteuropaexperten im renommierten Wissenschaftsjournal „East Central Europe“ (Brill Publishers), dessen Redaktion sich in unserem Institut befindet.

Besonders überraschen uns die genannten Beispiele, für hochqualifizierte Wissenschaftler, die wir „systematisch und wissentlich“ ignorieren würden. Der Autor nennt etwa Béla Borsi-Kálmán, der in Wahrheit durchaus mit unseren Kollegen zusammenarbeitet, die sich mit rumänischer Geschichte befassen. Herr Borsi-Kálmán wurde regelmäßig als externes Mitglied zu Abschlussprüfungen eingeladen und hat als externer Berater unseres Instituts gedient. Ähnlich verhält es sich mit Ambrus Miskolczy, der im regelmäßigen Kontakt mit unserem Institut steht und sogar ein Buch in unserem Verlag, der CEU Press, herausgegeben hat: Hitler’s Library. Budapest, New York, CEU Press, 2003. Nur die dritte Person, die der Artikel erwähnt, der Polonist István Kovács, hat tatsächlich keinen Kontakt mit unserem Institut. Dies ist jedoch in keinem Fall der Existenz irgendeiner schwarzen Liste geschuldet. Sein Oeuvre umfasst größtenteils Poesie und Essays, die nicht in englischer Sprache publiziert sind. Letzteres ist offensichtlich eine wichtige Voraussetzung für die CEU, da 85 Prozent unserer Studenten kein Ungarisch sprechen und alle Tagungen und Seminare in Englischer Sprache abgehalten werden.

Wir möchten betonen, dass wir der Budapester Zeitung dankbar sind, dass sie in ihrer letzten Ausgabe einen sehr sachlichen Standpunkt gegenüber den Vorgängen bezüglich der CEU eingenommen hat. Wir hoffen, dass die CEU in Ungarn bleiben und ungestört ihre wissenschaftliche Arbeit fortsetzen kann, wie von Manfred Weber dem Präsidenten der europäischen Volkspartei im Europäischen Parlament wiederholt gegenüber Ministerpräsident Viktor Orbán gefordert. Wir hoffen ebenfalls, dass die Forschung und Lehre an der CEU weiterhin für all jenen einen unbestrittenen Wert bedeutet, die an einen modernen und dynamischen europäischen Wirtschafts- und Kulturraum glauben.

Mit den besten Grüßen,

Nadia Al-Bagdadi, Professorin am Institut für Geschichte und Direktorin des Institute for Advanced Studies

László Kontler, Professor am Institut für Geschichte

Alfred Rieber, Emeritus Professor am Institut für Geschichte

Matthias Riedl, Associate Professor, Leiter des Instituts für Geschichte

Stefan Roch, Forschungsassistent des Rektors

Balázs Trencsényi, Professor am Institut für Geschichte


Hier geht es zum kritisierten Artikel.

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