Obwohl István Szita schon seit seiner Kindheit an der Malerei und den schönen Künsten interessiert war und sogar eine Empfehlung des ungarischen Malers, Grafikers und Zeichners Jenő Barcsay erhielt, verhinderte Szitas christlicher Familienhintergrund im kommunistischen Ungarn letztendlich den Besuch der Kunsthochschule. So schlug er zunächst eine Laufbahn als Pfarrer ein. Doch nach einigen Jahren kam es zwischen dem für die damalige Zeit recht progressive Ansichten vertretenden Szita und dem Bischof zum offenen Konflikt. Szita sprach sich offen für die Gleichberechtigung von Mann und Frau in der evangelischen Kirche aus und protestierte gegen einen Vorschlag des Bischofs, weiblichen Pfarrern, trotz gleicher Arbeitsjahre, eine geringere Rente zu zahlen. Doch damit kam Szitas Karriere in der evangelischen Kirche 1968 zu einem abrupten Ende.

Daraufhin sah er sich gezwungen, Anstellungen als Hilfsarbeiter anzunehmen. Bis zu seiner Pensionierung im Januar 1986 arbeitete er in einer Gummifabrik bei Budapest. Seine Liebe für die Kunst verlor István Szita dabei – mit Ausnahme einer achtjährigen Schaffenskrise – jedoch nie. Immer wieder wurden seine Werke in verschiedenen Teilen des Landes ausgestellt. Auf Einladung von Eva Pohle vom Kunstdienst der Evangelischen Kirche in Berlin stellte er seine Gemälde sogar mit großem Erfolg bei einer Kirchenkunstkonferenz in Deutschland vor. Insbesondere in seinen letzten Lebensjahren begann für den Künstler, der trotz allem nie so richtig den Durchbruch schaffte, eine besonders aktive Schaffensperiode. Sein Lebenswerk umfasst weit über 2.500 Gemälde, Mosaike, Drucke und Grafiken. 2016, im Alter von 79 Jahren, verstarb István Szita in Budapest.

István Szita, der Autodidakt

Dass sein Werk nun erneut einem breiteren Publikum zugänglich gemacht wurde, ist vor allem der unermüdlichen Arbeit seiner langjährigen Vertrauten, Zsuzsa Gadó, zu verdanken. Bereits vor Jahren hatte die Freundin der Familie Szita ihrem „Pista bácsi“, wie sie den Künstler liebevoll nennt, versprochen, eines Tages sein Lebenswerk in einer Ausstellung zu präsentieren. Gemeinsam mit dem Kunsthistoriker und Galeriebetreiber János Schneller wählte Gádo 40 Werke aus dem umfangreichen Lebenswerk von István Szita aus, die nun in der Galerie „Resident Art Budapest“ zu sehen sind.

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Das besondere an den Werken von Szita ist, dass es sich nur bei den wenigsten um klassische „Öl auf Leinwand“-Werke handelt. Aufgrund seiner schwierigen finanziellen Lage und seines schier unendlichen Schaffensdrangs konnte sich Szita diese relativ teuren Materialien schlichtweg nicht leisten. Doch was ihm an Geld fehlte, machte er an Einfallsreichtum wett und malte beispielsweise auf Pressspanstücke, die bei Zuschnitten in der Industrie als Abfall übrig blieben. Auch Verpackungsmaterialien aus der Fabrik, in der er arbeitete, sammelte Szita, um daraus Monotypien zu erstellen. Da István Szita nie eine künstlerische Ausbildung im klassischen Sinne erhalten hatte, eignete sich der Künstler, der sich durch Kandinsky und Klee inspiriert fühlte, Techniken und Theorien im Selbststudium an. Daher weichen seine Werke auch von herkömmlichen Stilen und Lehrmeinungen, wie sie meist an Kunsthochschulen unterrichtet werden, ab. Zu den Hauptmotiven in seinen Werken gehören neben dem Glauben vor allem nonfigurative Kompositionen. „Auf diese Weise trug er seine inneren Konflikte auf dem Papier aus“, erzählt Zsuzsa Gadó, die in ihrer langjährigen Freundschaft zu István Szita einen tiefen Einblick in dessen Schaffen erhalten hat.

„Durch die Komposition meiner Bilder, verwandle ich innere Spannungen in eine Art kathartische Harmonie. Ich plane niemals vorab, welche Themen oder Motive ich in ihnen realisieren möchte. Ich versuche durch sie nicht, die physikalische Welt abzubilden. Sie entstehen aus dem Nichts, eine unsichtbare innere Stimme treibt mich in Richtung ihrer Verwirklichung. Ein Bild ist dann fertig, wenn alles harmonisch zusammengekommen ist“, beschrieb Szita selbst einmal den eigenen kreativen Prozess.

Ergänzt wird die interessante Ausstellung durch einen eigens für den Anlass angefertigten Dokumentarfilm des Filmemachers György Frenyó, der anhand von Interviews mit der Familie, Kunstexperten und Freunden das Leben des weitestgehend unbekannten Künstlers beleuchtet.

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„Das unbekannte Lebenswerk“ von István Szita wird noch bis zum 4. August im Showroom der Galerie „Resident Art Budapest“ in der Andrássy út 33 ausgestellt.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 13 bis 18 Uhr

Weitere Informationen unter www.residentart.com

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