Im mit 140 Teilnehmern prall gefüllten Vortragsraum sagte Ilona Balogh, stellvertretende DUIHK-Geschäftsführerin zur Eröffnung der Veranstaltung: „Aufgrund des großen Interesses mussten wir einen externen Veranstaltungsort wählen, was wir natürlich gerne gemacht haben. Es handelt sich um ein sehr aktuelles Thema, der Solar-Markt ist in Bewegung, was hoffentlich auch hier vor Ort zu neuen Geschäftsmöglichkeiten und -kontakten führt.“ Acht deutsche Unternehmen der Branche waren im Rahmen des vom Bundeswirtschaftsministerium im Rahmen der „Exportinitiative Energie“ (siehe Infokasten) geförderten Projektes, zu dem auch die Konferenz gehörte, zu Gast und auf der Suche nach ungarischen Geschäftspartnern.

Prof. Stefan Krauter: „Solarenergie verfügt über deutlich mehr Potenzial als alle anderen Energieressourcen zusammen“

Im ersten Abschnitt lieferte Camila Vargas von der am Projekt beteiligten energiewaechter GmbH einen Einblick in die „Energiewende“ Deutschlands und die Rolle der Photovoltaik (PV) darin. „Energiepolitik kann auch wirtschaftlich erfolgreich sein, die Energiewende fördert die Entwicklung neuer Energien, schafft neue Jobs und reduziert die Importabhängigkeit sowie den Emissionsausstoß Deutschlands“, fasste Vargas zusammen. Prof. Stefan Krauter von der Universität Paderborn stellte einige aktuelle praktische Anwendungen der PV vor und verdeutlichte anhand von Schaubildern, dass Solarenergie über deutlich mehr Potenzial verfügt als alle anderen Energieressourcen zusammen. „Die attraktiven Einspeisetarife haben ein großes Marktwachstum bewirkt, Sonnenenergie ist mittlerweile die günstigste Art der Stromerzeugung in der Bundesrepublik“, referierte Jan Knaack vom Bundesverband Solarwirtschaft. Ihm zufolge sei es auch eine Frage der Energiewende, wie etwaige Lücken bei der Solarstromgewinnung, etwa in Wintermonaten überbrückt werden können.

Im Anschluss stellten die deutschen Unternehmen ihre jeweiligen Solar-Lösungen vor. Darunter war das Licht von beiden Seiten durchlassende Glas-Glas-PV-Modul der Almaden Europe GmbH, die ihren Kunden ein eigenes 3D-Planungs- und ein Dach-Check-Programm bietende IBC Solar AG, oder die IPS-solar GmbH, deren PV-Anlagen auch die Integration von Dachfenstern ermöglichen.

Schwierige Lage in Ungarn

Anschließend berichtete Tibor Hollauer vom ungarischen Solarverband MNNSZ von der schwierigen Lage in Ungarn, wo Gesetze und Steuerabgaben den Bau von Solaranlagen erschweren beziehungsweise verteuern würden. „Der ungarische Einspeisetarif ist mit umgerechnet elf Eurocent hoch. Jedoch wurde das Tarifsystem zum Jahresanfang modifiziert, weshalb der Betrag nur noch bei Anlagen unter 0,5 Megawatt Leistung und nur für rund 13 Jahre sowie nur öffentlichen Einrichtungen geboten wird“, beklagte der Experte. Nyírbátors Bürgermeister Antal Máté stellte einige bereits in Betrieb genommene Anwendungsbeispiele zur Nutzung erneuerbarer Energien – in seinem Fall auch Kombinationen von Solar und Erdwärme – aus seiner Gemeinde vor.

Auch er berichtete von Schwierigkeiten, etwa wenn bereits zugesprochene Projektfördergelder auf Komitatsebene plötzlich umgruppiert werden oder kommunale Einrichtungen, die zur Nutzung erneuerbarer Energien hin modernisiert wurden, plötzlich verstaatlicht werden. „Wir lernen bei jedem Projekt hinzu, auch aus den Fehlern“, sagte der Politiker unverdrossen. Attila Bagi von der staatlichen ungarischen Energiebehörde MEKH erklärte, dass Ungarn bis 2020 einen Anteil von 14,65 Prozent durch erneuerbare Energien am gesamten Stromverbrauch plane, aktuell sei Thermalenergie am bedeutendsten. Die geringere Förderung der Anlagen unter 0,5 Megawatt erklärte er mit einer entsprechenden EU-Direktive, zugleich präsentierte er die vielen strengen Auflagen, die man in Ungarn bei der Bewerbung um die Förderung beachten muss.

In den auf die Konferenz folgenden zwei Tagen führten die deutschen Unternehmen insgesamt 62 bereits zuvor terminierte individuelle Einzelgespräche am Sitz der ungarischen potenziellen Geschäftspartner oder im Haus der Deutsch-Ungarischen Wirtschaft. Dabei suchten die Betriebe aus Deutschland in Ungarn Vertriebspartner, auf Solartechnik setzende Generalunternehmen, Projektentwickler beziehungsweise Firmen, Gemeinden oder Personen, die Solarinvestments planen. Erfreulicherweise wurden als Ergebnis fast aller Gespräche von ungarischer Seite konkrete Angebote angefordert.

Über die Exportinitiative Energie des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi):

Die Exportinitiative Energie des BMWi bietet im Rahmen des AHK-Geschäftsreiseprogramms Geschäftsreisen ins Ausland für deutsche Unternehmensvertreter aus den Bereichen erneuerbare Energien, Energieeffizienz, intelligente Netze und Speichertechnologien an. Ziel der Geschäftsreisen ist es, den Markteinstieg für deutsche Unternehmen durch gezielte Kontaktvermittlung zu potenziellen Geschäftspartnern in den jeweiligen Zielmärkten vorzubereiten beziehungsweise bestehende Auslandsaktivitäten auszubauen. Zu ausgewählten Zielmärkten führt die Exportinitiative im Vorfeld von Geschäftsreisen Informationsveranstaltungen in Deutschland durch, um Unternehmen über Rahmenbedingungen im Zielmarkt zu informieren und potenzielle Teilnehmer von Geschäftsreisen anzusprechen. Grundsätzlich ist die jeweilige AHK – in diesem Fall also die DUIHK – für die Organisation und Durchführung der gesamten Geschäftsreise im Zielland verantwortlich. Ein vom BMWi beauftragter Consultant – hier von der energiewaechter GmbH – berät und unterstützt die AHK in Deutschland. Für 2018 hat die DUIHK im Rahmen der Exportinitiative Energie zwei Geschäftsreisen geplant: eine zum Thema „Energieeffizienz in Gebäuden“ und eine zu „Energieeffizienz im industriellen Sektor“.

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