Orbán hielt fest, dass die Rechte der Nationen geachtet werden müssen. Die Zukunft Europas hänge vom Charakter der Menschen ab. „Wenn es Führungspersönlichkeiten gibt, die im entscheidenden Augenblick charakterstark sind, so wird es eine Entwicklung in Europa geben.“ Orbán verwies auf einen früheren Besuch bei Kohl, als er ihn fragte, wie es mit der Moral in der Politik aussieht. Kohl habe geantwortet: Was für das Privatleben gut ist, ist auch gut in der Politik, und was für das Privatleben schlecht ist, ist es auch schlecht für die Politik. „Wenn es Führungspersönlichkeiten gibt, die so einfache Wahrheiten sagen können, die sich trauen, die Meinung ihres Volkes zu hören, so wird Europa eine Zukunft haben“, sagte nun Orbán. Helmut Kohl hat „mit der Liebe eines Großvaters” unsere Nation darin bestätigt, dass es Modeerscheinungen gibt, jedoch einen einzigen sicheren Punkt, auf den man vom Aspekt der Interessen Europas aufbauen kann, und das ist das Christentum. Dies muss bewahrt werden, auch wenn das nicht immer populär ist. Der Abschied von Kohl in Straßburg war Europas würdig, die Staats- und Regierungschefs sprachen ehrlich über Kohl. Wir Osteuropäer konnten unsere Stimme durch Donald Tusk, Präsident des Europäischen Rates, erheben. Tusk bedankte sich im Namen aller osteuropäischen Länder, so auch für Ungarn, was Helmut Kohl für die Region getan hat. Orbán zufolge standen hinter den Worten Kohls die Heiterkeit und die Liebe des Christentums; für lange Zeit war dieser Ton auch der europäischen Politik nicht fremd. Heute ist das ganz anders: Heute ist die Kultur der Belehrung, der Geringschätzung und der Beleidigung stärker als die Kultur der Liebe des Christentums. Orbán hoffe jedoch, dass Helmut Kohl diese Kultur nicht mit in sein Grab genommen hat.

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