Wer die Kunst Dürers kennt, weiß, dass seine Werke mit einem für die damalige Zeit schier unglaublichen Detailreichtum angefertigt wurden. Der Kurator der aktuellen Ausstellung, Gyula Horváth, erklärt dazu auf dem Onlineportal des Reformierten Kirchensprengels an der Donau: „Dürer hat sich die Kupferstichtechnik, die für die damalige Zeit bahnbrechend war, in jungen Jahren so schnell angeeignet wie heute im 21. Jahrhundert Jugendliche die Bedienung von Smartphones. Er hat seine Werke mit der Präzision eines Ingenieurs angefertigt. Zugleich zeugen sie aber auch von tiefster Spiritualität. Bei der damaligen Technik ist es geradezu unglaublich, wie er auf einem einzigen Zentimeter 40 Linien ziehen konnte. Es mussten rund 150 Jahre vergehen, bis das technische Wissen Dürers als überholt gelten konnte.” Dank eines französischen Nachdrucks kann diese Kunst jetzt auch in Budapest bestaunt werden.

Albrecht Dürer und Ungarn

Der Vater von Albrecht Dürer – Albrecht Dürer der Ältere – stammte aus dem ungarischen Dorf Ajtós und zog 1455 nach Nürnberg, wo er als Goldschmied arbeitete. Das ungarische Wort „Ajtós” entspricht der ungarischen Berufsbezeichnung für einen Türmacher, auch „Thürer” genannt. Seiner Herkunft entsprechend nannte sich der Vater in seiner ersten Zeit in Deutschland daher fortan Thürer. Später änderte sein Sohn diesen Namen – der in Nürnberg üblichen fränkischen Aussprache entsprechend – in Dürer ab. Albrecht Dürer der Jüngere wurde am 21. Mai 1471 in Nürnberg geboren. Sein Geburtsort war damals eine der größten und reichsten Städte Europas und vom Geist des Humanismus geprägt. Dem konnte sich auch Dürer nicht entziehen.

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„Der heilige Hieronymus im Gehäus“ (1514)
Von der Arbeit des Vaters inspiriert, eignete sich Dürer die zu dieser Zeit ausnahmslos unter Goldschmieden verbreitete Technik des Kupferstiches an, die damals sowohl in der Kunst, als auch im Druck als revolutionär galt. Dürer war als junger Mensch von den Erkenntnissen der Astrologie und der Medizin fasziniert. Er studierte etwa die Funktionsweise des menschlichen Körpers, über die in der Zeit des Humanismus zahlreiche Zeichnungen und Gemälde angefertigt wurden. Obwohl zu seiner Zeit verboten und ein schweres Sakrileg, untersuchte Dürer den menschlichen Körper – ebenso wie Leonardo da Vinci – anhand von Leichen. In seinen grafischen Werken waren die klassische Form, die Perspektive und eine genaue Beschreibung des nackten Körpers zu finden, das Ganze in einem – für Dürers Stil typischen – atmosphärischen Licht. Dürer war nicht nur Maler und Grafiker, sondern zugleich auch Verleger und Verfasser mehrerer kunsttheoretischer Werke.

Unter den Kupferstichen Dürers finden sich viele religiöse Motive. Mit seiner Kunst bemühte er sich, die Religion dem einfachen Menschen verständlich zu machen. Der stark gläubige Künstler war von den Schriften Martin Luthers angetan und einige seiner Schüler schlossen sich sogar der Reformation an, doch „der Meister” selbst blieb zeitlebens Katholik. Der wahrscheinlich größte deutsche Maler der Renaissance verstarb am 6. April 1528 in Nürnberg. Die Inschrift auf seinem Grabstein zeugt – wie auch seine Kunst – vom Glauben: „Alles, was von Albrecht Dürer sterblich war, liegt unter diesem Hügel begraben”.

Die Ausstellung

Die Ausstellung im Budapester Bibelmuseum ist eine Sammlung von Grafiken Dürers. Die ausgestellten Werke behandeln grundsätzlich biblische Themen: Adam und Eva, mehrere Darstellungen der Heiligen Familie und die Szenen der Passion Christi. Es finden sich berühmte Werke, wie „Ritter, Tod und Teufel”, „Melencolia I” und „Der heilige Hieronymus im Gehäus”, aber auch Porträts, wie zum Beispiel von Erasmus von Rotterdam, einem der bedeutendsten Gelehrten der damaligen Epoche, und auch Bilder über das alltägliche Leben der Bauern wieder. Bemerkenswert an diesen Bildern – vor allem an den religiösen – ist, dass sie eine Art Düsternis verbreiten, so als hätte Dürer eine bevorstehende Apokalypse erwartet.

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„Der Spaziergang“ (1498)
Die ausgestellten Werke stammen aus der Privatsammlung des deutschen Kunstsammlers Thomas Emmerling. In einem Interview äußerte sich dieser über sein Lebenswerk folgendermaßen: „Die Sammler sind grundsätzlich sich verbergende Typen, manche, weil sie Angst vor dem Wettbewerb haben, andere, weil sie das Sicherheitsrisiko fürchten. Ich habe beschlossen, an die Öffentlichkeit zu treten, weil ich der Ansicht bin, dass die Kunst jedem gehört. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Menschen, die sich mit Kunst beschäftigen – egal ob sie sie erschaffen oder nur betrachten, sich in der Regel zum Besseren wenden.”

In der Ausstellung sind 65 von Dürers Grafiken zu sehen. Die Kollektion beinhaltet jene Werke, die von Amand Durandt um 1870 in Paris nachgedruckt wurden.

Dank des Budapester Museums der Schönen Künste (Anm.: das größte Kunstmuseum Ungarns) sind in der Ausstellung auch weitere bedeutende Kunstgegenstände zu sehen. Diese sind vor allem zeitgenössische Ölgemälde, Bronzeplaketten, die anhand der sogenannten „Totentanz”-Reihe des bedeutenden Renaissancemalers Hans Holbein des Jüngeren angefertigt wurden, und einige wertvolle Buchdrucke der Ráday-Sammlung, die aus der Zeit Dürers stammen. Letztere sind in einem echten Unikat, einer sogenannten „Buchmühle” ausgestellt, die vom Ungarischen Museum für Kunstgewerbe zur Verfügung gestellt wurde.


Dürer-Ausstellung im Bibelmuseum

Budapest, IX. Bezirk, Ráday utca 28

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 10 bis 19 Uhr, samstags von 10 bis 17 Uhr

Die Ausstellung ist noch bis zum 20. September zu sehen.

Anfragen unter +36-1-218-0266 / Nebenanschluss: 161 oder bibliamuzeum@bibliamuzeum.com

Der Eintritt ist frei.

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