Bereits 1988 eröffnete das Bibelmuseum in der Budapester Innenstadt. Damals war es europaweit das zweite seiner Art, nach dem „Bijbels Museum” in Amsterdam. Seine Eröffnung hierzulande war insofern außergewöhnlich, als unter den damaligen sozialistischen Regimen der Ostblockstaaten die christlichen Kirchen häufig unterdrückt wurden. Als sich jedoch das kommunistische System in Ungarn seinem Ende näherte, hielt es die politische Führung für angebracht, sich quasi als „Förderer des Glaubens” zu präsentieren. Eine letzte gute Tat. Bis heute ist das Bibelmuseum Teil der sogenannten Ráday-Sammlung (ein kulturelles Institut im Besitz der Reformierten Kirche in Ungarn).

Museumsreform der Reformierten

Im Juli 2011 wurde die Einrichtung für längere Zeit geschlossen. Man wollte die Ausstellung reformieren (typisch Calvinisten) und gemäß den Anforderungen des 21. Jahrhunderts modernisieren. Die Erneuerung kostete gut 200 Millionen Forint. Finanziert wurde das Projekt überwiegend vom Reformierten Kirchensprengel an der Donau, mit Unterstützung des Ministeriums für Humanressourcen. Im Januar dieses Jahres war es dann so weit: Das Bibelmuseum öffnete auf einer Grundfläche von gut 300 Quadratmetern erneut seine Tore.

Zentrales Thema der Ausstellung ist die Bibel, ihre Geschichten und die Welt, in der sie sich abspielten. Die Ausstellung besteht aus drei Räumen, die die Jahrhunderte behandeln, über die die Bibel berichtet, von der Schöpfungsgeschichte, über das Neue Testament bis hin zur frühchristlichen Zeit. Diese verschiedenen Epochen werden den Besuchern mit archäologischen Gegenständen – die die kulturelle und materielle Welt von damals widerspiegeln – näher gebracht. Aus diesem Anlass gibt es zahlreiche interaktive und multimediale Exponate. Die archäologischen Ausstellungsstücke sind zum Teil Originale zum Teil Kopien. Erstere (darunter antike Götterfiguren aus Ägypten, alltägliche Gegenstände aus der Zeit der Römer, Keramiken aus Israel, etc.) stammen aus verschiedenen Museen in Budapest, den Staatlichen Museen zu Berlin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz sowie aus Jerusalem. „Es ist ein völlig neues Phänomen, dass Ausstellungsstücke aus dem Ausland für so lange Zeit ausgeliehen und hierzulande besichtigt werden können”, erklärt Boróka Bán, Mitarbeiterin des Bibelmuseums.

Die Geschichten der Bibel zum Anfassen

Im ersten Raum des Museums wird mittels eines kurzen Animationsfilms die Schöpfungsgeschichte erzählt, die sogleich die ganze Ausstellung einleitet. Der zweite Ausstellungsraum umfasst gut 2.000 Jahre, von der Wanderung des jüdischen Stammvaters Abraham, der Eroberung Israels von den Assyrern über die hellenistische Zeit bis zum Leben Jesu. Der dritte Raum informiert über die frühchristliche Zeit, vor allem anhand der Darstellung damaliger Kirchenbauten.

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Die Ausstellungsstücke des Museums geben uns Einblicke in das Leben jener Menschen, über die die Bibel berichtet. (Foto: Róbert Tordai)

Wie schon erwähnt ist die Ausstellung interaktiv. Neben klassischen Spielen (Bauklötze, etc.), mit dessen Hilfe zum Beispiel die Arche Noahs nachgebaut werden kann, werden die Besucher mit digitalen Anwendungen begeistert. Unter anderem kann man auf einem interaktiven Bildschirm die Wanderung Abrahams verfolgen und sogar bei der Speisung der Fünftausend „mitmachen”, indem die Hand des Besuchers auf einer Bildfläche digital nachgezeichnet wird und dieser so ein Stück Brot überreicht bekommt – das zwar nicht den Magen füllt, aber trotzdem die Ausstellung aufpeppt. Eine andere Anwendung ermöglicht eine virtuelle Tour durch den Herodianischen Tempel in Jerusalem – der von Herodes dem Großen erbaut und im Jahre 70 nach Christus von den Römern zerstört wurde. Die Besucher können sich im Tempel mithilfe eines Joysticks bewegen, während man entsprechende Zitate aus der Bibel hört. Weiterhin hat man die Möglichkeit, sein Bibelwissen in einem Quiz unter Beweis zu stellen – derartige Wissenstests sind in Museen heute fast schon obligatorisch.

Fazit

Boróka Bán erklärt gegenüber der Budapester Zeitung, dass die Ausstellung vor allem Jugendliche ansprechen will. Die interaktiven Elemente dienen insbesondere für Unterrichtszwecke. Des Weiteren gibt es umfangreiche museumspädagogische Angebote. Folglich wird das Museum größtenteils von Schulklassen aufgesucht. Dennoch ist für jede Altersgruppe etwas Interessantes dabei. Ein Besuch im Bibelmuseum ist garantiert ein tolles Familienprogramm und keine Sorge: nicht nur für die, die Ungarisch können. Die Texte und Instruktionen der Ausstellung sind auch auf Englisch. Des Weiteren bietet das Museum auch Führungen auf Deutsch und Niederländisch an. Das Bibelmuseum befindet sich im Gebäude des Reformierten Kirchensprengels an der Donau, in der Ráday utca 28. Die Dauerausstellung befindet sich im Kellergeschoss des Gebäudes. Außerdem gibt es noch einen Ausstellungsraum, in dem ständig Kunstwerke, mit überwiegend religiösen Themen, ausgestellt werden. Diesbezüglich ein weiterer Tipp für Sie: Am 15. Juni eröffnet das Museum hier eine Dürer-Ausstellung, die bis September zu sehen sein wird.


Bibelmuseum

Budapest, IX. Bezirk, Ráday utca 28

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 17 Uhr

Anfragen unter +36-061-218-0266 / Nebenanschluss: 161 oder bibliamuzeum@bibliamuzeum.com

Der Eintritt ist kostenlos. Es wird gebeten, sich für Führungen und museumspädagogische Stunden eine Woche vor dem Besuch anzumelden.

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