Das Team des deutschen Trainers Bernd Storck hatte das Hinspiel im Herbst in der Budapester Groupama-Arena noch klar mit 4:0 für sich entscheiden können. Am Freitag gelang den Amateuren des Ministaates in den Pyrenäen jedoch eine sensationelle Revanche: Das 1:0 erzielte der Verteidiger Rebes nach einem schnell vorgetragenen Konter mit einem genialen Kopfball über Torhüter Gulácsi hinweg bereits in der 26. Minute, worauf die Ungarn in den verbleibenden 65 Minuten nicht einmal den Ausgleichtreffer erzielen konnten. Dabei schienen die Gäste den Schock des überhaupt ersten Tores, das Andorra jemals gegen Ungarn erzielen konnte, schnell weggesteckt zu haben: Praktisch im Gegenzug schoss Kleinheisler ein, nur wurde der Treffer wegen klarer Abseitsstellung nicht gegeben. Später scheiterten Eppel und Dzsudzsák bei Schüssen aus Nahdistanz an einem Torhüter Gomez, der Reflexe im Stile eines Buffon zeigte. Insbesondere nach dem Seitenwechsel entfalteten die ungarischen „Profis“ gegen die überwiegend in der 5. Liga (!) Spaniens aktiven Gastgeber einigen Druck, als sich jedoch kein Erfolg einstellen wollte, begann ein kopfloses Nachvorneflanken. Am Ende hätte die Packung wie schon beim jüngsten 0:3 im Freundschaftsspiel daheim gegen Russland noch deftiger ausfallen können, nur dass Andorra tatsächlich nicht die Abgeklärtheit der russischen Profis besaß.

Nach dem Debakel entschuldigte sich Mannschaftskapitän Dzsudzsák den Tränen nahe bei den mitgereisten Fans, die jedoch kein Verständnis für die desolate Leistung hatten und die Nationaltrikots einforderten. Reichlich ungewöhnlich hatte der „harte Kern“ im Gästeblock bereits vor der Halbzeitpause Sprechchöre „verdammt schwach“ (kurva gyenge) angestimmt. Dzsudzsák fand erst keine Erklärung dafür, wie die Mannschaft binnen eines Jahres aus dem Himmel (2:0 im EM-Auftaktspiel gegen Österreich und anschließender Gruppensieg) in die Hölle gelangen konnte. Dann verwies er jedoch auf das Fehlen mehrerer Routiniers und die mangelhafte Einstellung unbenannter Mitspieler, die nicht fühlten, was es heiße, in der Nationalelf zu spielen. Trainer Storck fand den Spielausgang „extrem frustrierend“. Für persönliche Konsequenzen sei es noch zu früh; hinsichtlich seiner Person hätten andere zu entscheiden. Bereits am Wochenende wurden wenig überraschend erste Stimmen laut, Storck sollte nach dem erneuten „Mohács“ für die ungarische Nationalmannschaft seinen Hut nehmen. Die Fußballlegende Lajos Détári kritisierte den Trainer indirekt; nach seiner Meinung dürfe das Nationaltrikot nicht an halbe Kinder verschenkt werden – die Nationalelf müsse jederzeit aus den stärksten Spielern bestehen.

Wie geht es weiter in der WM-Qualifikation? Ungarn empfängt am 31. August Lettland in Budapest – nach dem 2:0-Auswärtssieg wäre gegen das Schlusslicht in der Gruppe ein weiterer Pflichtsieg gefordert. Die Schweiz (18 Punkte) und Portugal (15) haben sich nach 6 Spieltagen endgültig abgesetzt, Ungarn (7) liegt derzeit nur knapp vor Färöer (5) und Andorra (4) sowie Lettland (3 Punkte) – die Teilnahme an einer WM in weiter Ferne.

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