Besonders offen und interessiert zeigte sich das zahlreiche Publikum, das in Tarian die einmalige Möglichkeit hatte, mit einer Trachtenschneiderin, einem Möbelanstreicher, einem Spielzeugmacher oder einer Spitzenklöpplerin über ihr Handwerk zu diskutieren. Egal, ob Qualitäts- uns Traditionsbewusstsein, Brauchbarkeit oder Kuriosum – für alle Leitworte fand Hauptorganisatorin Maria Miskovics, Vorsitzende der Deutschen Selbstverwaltung Tarian ein passendes Beispiel unter den Ausstellenden: „Wir hatten unter anderem eine Blaufärberin aus Raab/Győr, die den viele Jahrzehnte alten Beruf ihrer Familie weiterführt. Sie stellte wunderschöne Kleider und Gebrauchsgegenstände aus diesem, für die Ungarndeutschen charakteristischen Stoff aus. Sie war heuer das erste Mal dabei und ging mit der Überzeugung nach Hause, neue Ideen und Inspirationen bekommen zu haben. Bereits zum zweiten Mal war der Handarbeit-Kreis der deutschen Selbstverwaltung von Tschawa/Piliscsaba bei uns zu Gast: für die zwölf Frauen war es sehr wichtig, ihre Arbeiten auch ‘mal einem breiten Publikum zeigen zu können. Die meisten Handwerker zeigten auch den Interessenten, wie und womit sie arbeiten. Es gab auch welche, deren Tätigkeit die Besucher auch ausprobieren konnten: beim Stand der beiden Lebkuchenmacher versammelten sich zum Beispiel Kinder mit ihren Eltern, und versuchten, den Lebkuchen mit eigenen Motiven zu verzieren. Und auch eine ganz besondere Rarität wurde ausgestellt: die sogenannte ‚sváb kapca‘ – das ist eine aus dicker Wolle gestickte, warme Socke, die eine Delegation aus unserem Nachbardorf Héreg mitgebracht hat.“

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Zahlreiche Rahmenprogramme, wie Kinderbeschäftigungen mit alten Gebrauchsgegenständen wie Backmulde oder Körben auf dem Hof des Heimatmuseums, sowie auch Darbietungen ungarndeutscher Kulturensembles machten den Tag für alle interessant.

Seit bereits 15 Jahren gebe es in Tarian jedes Jahr einen Handwerkertag. Anfänglich sei er viel bescheidener gewesen und habe nur auf die neun traditionellen Berufe der örtlichen Ungarndeutschen gebaut – weihte Maria Miskovics in die Geschichte der Veranstaltung ein: „Unser ursprüngliches Ziel mit dem Treffen war, auch einem breiteren Publikum zu zeigen, dass ein Nachwuchs für diese althergebrachten Berufe wohl vorhanden ist. Und wir waren der Ansicht, dass es – neben den wertvollen kulturellen Schätzen wie Musik, Tanz und Gesang – auch ‘mal nötig wäre, die alten Berufe, die Alltage und den Fleiß der Ungarndeutschen, eigentlich unsere ethnographische Erbschaft, im Rahmen eines Festivals zu demonstrieren.“

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Der Handwerkertag in Tarian erweiterte sich während der Jahre: nachdem das Interesse Komitatsgrenzen und Region überschritt, ist das Festival seit 2016 ein landesweites. Auch die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen nahm sich der Angelegenheit an und unterstützt diese. „Die Initiative ist wichtig“, meinte Otto Heinek, Vorsitzender der Landesselbstverwaltung, „weil sie einerseits die ungarndeutsche Gemeinschaft stärkt und zusammenschmiedet, andererseits zur Weitergabe unseres kulturellen Erbes und unserer handwerklichen Traditionen beiträgt. Man muss allerdings sehr darauf achten, dass man das wirklich wertvolle zeigt und pflegt, dass man den Weizen von der Spreu genau unterscheidet.“

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