Die bisherige Entwicklung im aktuellen Kalenderjahr (+25 Prozent) lässt darauf schließen, dass sich das dynamische Wachstum auch 2017 fortsetzen wird, so Keth zuversichtlich. Positiven Einfluss auf das Baumarktsegment in Ungarn haben der eingetretene Immobilienboom sowie die nach vielen Jahren wieder angelaufenen Wohnungsmodernisierungen infolge der günstigen Wohnungskredite, aber die dynamisch gestiegenen Reallöhne.

Praktiker hält derzeit am ungarischen Heimwerkermarkt einen Anteil von fast 31 Prozent und schloss mit 2016 das erste Geschäftsjahr mit der neuen Eigentümer-Struktur ab. Nach der Insolvenz der deutschen Mutterfirma 2013 und langwierigen Verhandlungen gelangte die Praktiker Kft. im vergangenen Jahr in das Mehrheitseigentum der ungarischen Wallis Gruppe. Der bisherige Geschäftsführer, Karl-Heinz Keth, übernahm 25 Prozent an der Firma.

Neue Perspektiven

„Im Zuge der Reorganisationsprozesse und der neuen Struktur eröffneten sich für unsere Firma zahlreiche neue Perspektiven“, betonte Keth in einem Kurzinterview gegenüber der Budapester Zeitung. Durch den neuen Investor habe er unter anderem die nötige Freiheit bekommen, eigenständig zu arbeiten und zu entscheiden. „Innerhalb der alten Struktur konnten wir viele unserer Ideen gar nicht oder nicht richtig umsetzen. Aber Handel ist Wandel, da braucht man schnelle Entscheidungen, und die kann ich jetzt auch treffen“, so Keth.

Zu den wichtigsten Ergebnissen des letzten Jahres gehören die Eröffnung des 20. ungarischen Praktiker-Baumarktes an der Budapester Váci út, die Weiterentwicklung der Online-Sparte sowie die Aufstockung des Personalstands. Langfristig beabsichtige die Praktiker Kft. die Eröffnung von zwei oder drei weiteren Baumärkten in Ungarn. „Wir werden expandieren wenn es Sinn macht, aber nicht auf Teufel komm raus, damit wir so viele Märkte wie möglich haben“, unterstreicht Keth.

Priorität genießt auf jeden Fall die Anhebung des Dienstleistungsniveaus. Für Unternehmen, Institutionen und Privatpersonen, die große Mengen kaufen, hat Praktiker ein selbständiges Vertriebsteam aufgestellt, das in diesem Jahr erweitert wird. Der Onlinehandel mit ca. 40.000 Artikeln legte um ein gutes Drittel zu und erreicht inzwischen fünf Prozent am Gesamtumsatz. Zudem starteten mehrere langfristige Projekte bei der Baumarktkette: unter anderem wurde das gesamte Unternehmensmanagement- und Warenwirtschaftssystem modernisiert sowie ein neues Kassensystem installiert.

Wie ein Familienbetrieb

Im Umgang mit seinen Mitarbeitern setzt er konsequent auf Nahbarkeit und führt das Unternehmen wie einen „Familienbetrieb“, betonte Keth. „Viele Geschäfte laufen herzlos und anonym. Bei großen Unternehmen kommt man so gut wie gar nicht zum Chef hoch. Das gibt’s bei mir nicht und das wissen meine Leute. Man muss Nähe aufbauen.“

Vom Arbeitskräftemangel im Einzelhandel ist auch Praktiker betroffen. Dennoch konnte die Gesellschaft ihren Personalstand im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2015 weiter erhöhen. Die Praktiker Kft. beschäftigt in ihren 20 ungarischen Baumärkten derzeit rund 1.400 Mitarbeiter. „Ich habe immer gesagt, dass die Mitarbeiter das Unternehmen gerettet haben. Sie sind dafür verantwortlich, dass unsere Baumärkte funktionieren. Und ich habe ihnen versprochen, dass, wenn wir überleben, wir wieder Personal einstellen werden“, erklärt er.

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