Von außen leicht zu übersehen, ist dieses Restaurant von innen dafür ein umso größerer Blickfang: Wer von der Straße her eintritt, findet sich zunächst im Lounge- und Barbereich des Baraka, der „AKA Bar“, wieder. Ein heller, weiter Raum, dem durch auffällige Mauerbögen Struktur verliehen wird. Das Interieur und das Dekor sind sehr reduziert, wirken elegant und aufgeräumt. Die niedrige Bar und die dahinter liegende Getränkewand dominieren den vorderen Bereich des Raumes, wohingegen das Auge im hinteren Bereich vor allem an der schlichten Holztafel und den Blumenmotiven hängen bleibt, die hier die Wand schmücken. Dahinter folgt ein harter Bruch. Anders als die Lounge ist der wesentlich intimere Dining-Room, der auf knapp 100 Quadratmeter Platz für 38 Gäste bietet, fast ausschließlich in Schwarz-Weiß gehalten. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht die offene Küche des Restaurants: Erhöht auf einem Podest und von Glaswänden umgrenzt, übt sie eine geradezu faszinierende Anziehungskraft aus.

Vom Coffeeshop zur Fine-Dining-Destination

In dem Innendesign des Restaurants steckt viel von der Persönlichkeit seiner Besitzer, erzählt uns Leora Seboek, die das Restaurant gemeinsam mit ihrem Mann, dem Amerikaner David Seboek, 2001 eröffnet hat. Die beiden lernten sich 1999 in Budapest kennen und lieben und sind seitdem nicht nur Partner fürs Leben, sondern auch im Geschäft. Während David als gelernter Bäcker und Konditormeister seine kulinarischen Erfahrungen einbringt, bringt die in Israel geborene Leora Seboek vor allem ein durch ihre Zeit als Immobilienmaklerin geschultes Auge für Ästhetik mit.

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Über die Jahre hat sich das Baraka stark verändert, es hat, wenn man so will, mehrere Lebenszyklen durchschritten: von seiner bescheidenen Kindheit als Coffeeshop in der Magyar utca über seine Lehrjahre im Andrássy Hotel am gleichnamigen Boulevard zwischen 2006 und 2013 bis hin zu seiner jetzigen Reinkarnation im Palazzo Dorottya nahe dem Vörösmarty tér seit 2015.

Französische Kulinarik trifft auf die Würze Asiens

Auf dem saisonal wechselnden Menü des Barakas stehen Gerichte, die sowohl konzeptuell als auch in der Ausführung stark in der fernöstlichen sowie der französischen Küche verhaftet sind. „Die französische Küche ist die Wurzel jedweder gehobener Kochkunst“, so Leora und David Seboek, an ihr komme man nicht vorbei, „die asiatische Küche wiederum bringt die Aromen, die Würze sowie eine gewisse Leichtigkeit der Küchenkreationen mit sich.“ Für die Umsetzung dieses kulinarischen Ansatzes zeichnet Chefkoch Norbert Bíró verantwortlich. Als passionierter Angler legt Biró Wert auf einfallsreiche Fischgerichte und auch zahlreiche Meeresfrüchte finden stets ihren Platz auf den von Biró kreierten Menüs – ob nun Shrimps, Muscheln oder gar Hummer. Aber natürlich gehört auch die Foie gras zu jenen Evergreens, die auf der Speisekarte des Baraka nie fehlen.

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Wer sich vor lauter Auswahl gar nicht entscheiden kann, wird sich am Degustationsmenü erfreuen, bei dem gleich sieben verschiedene Speisen probiert werden können. Die einzelnen Portionen erscheinen zunächst klein, doch für sich genommen, sind sie sehr gehaltvoll und summieren sich erst die Gänge auf, heißt es bald den Gürtel etwas weiter schnallen. Ein kleines Highlight: zu Beginn einer jeder Mahlzeit wird im Baraka neben einem kleinen appetitanregenden Happen, dem Amuse-Bouche, auch eine Scheibe der von David Seboek frischgebackenen Brotkreationen gereicht. Besonders die für ihre Liebe zum Brot bekannten Deutschen, dürfte die knusprige Kruste in Entzücken versetzen.

Fazit

Wer einen besonderen Anlass feiert und dafür nach einem exklusiven Lokal mit einer luxuriösen Atmosphäre sucht, ist im Baraka genau richtig. Hier herrscht nach Aussagen von Besitzer David Seboek „jeden Abend die Stimmung einer Dinnerparty“. Er muss es wissen, sind er und seine Frau Leora doch beinahe täglich in ihrem Lokal anzutreffen und nehmen sich auch die Zeit, mit diesem oder jenem Gast ein Schwätzchen zu halten. Und kein Wunder, dass die Gäste hier in ausgelassene Stimmung geraten: Das Lokal – im für Budapester Verhältnisse obersten Preissegment – lässt seine Kunden den Alltag abschütteln und nimmt sie mit in eine Welt, in der die Kulinarik zur Kunstform erhoben wurde, in der Kreativität und Ästhetik bei der Zubereitung der Speisen ebenso viel zählt wie ein vielschichtiger Geschmack.

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Leora und David Seboek, die Besitzer des Fine-Dining- Restaurants Baraka, sind seit vielen Jahren sowohl Partner im Leben als auch im Geschäft. (BZT-Foto: Nóra Halász)

Denn auch wenn das Baraka bisher noch nicht vom Guide Michelin geadelt wurde, ist es doch sicher einer der heißen Anwärter auf den nächsten ungarischen Stern. Das Baraka ist zwar für Laufkundschaft offen, doch im Allgemeinen ist es empfehlenswert, vorab zu reservieren.

Baraka Restaurant

Budapest, V. Bezirk, Dorottya utca 6

Öffnungszeiten: Montag bis Samstag von 18 bis 23 Uhr

Reservierungen unter +36-1-200-0817

Weitere Informationen auf www.barakarestaurant.hu

Preise

Vorspeisen: 3.900 bis 9.900 Forint

Hauptgerichte: 6.200 bis 17.500 Forint

Desserts: 3.900 bis 4.300 Forint

7-Gänge-Degustationsmenü: ab 27.900 Forint

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Warum heißt das Baraka eigentlich Baraka?

Wie Leora Seboek erzählt, war ihr, als sie und ihr Mann ihrem Restaurant den Namen Baraka gaben, nicht klar, dass es sich dabei um das arabische Wort für „Segen“ handelt. Heraus stellte sich dies erst, als einige Kunden kamen, die eher auf Couscous statt auf französische Küche gehofft hatten. David Seboek erinnert sich auch an Gäste, die aufgrund der Namensähnlichkeit gar ein Fanlokal für den ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama vermuteten. Dabei hat bei der Namensgebung, so Seboek, vor allem der Klang des Wortes im Vordergrund gestanden und dass es sowohl für Ungarn als auch für Ausländer gut auszusprechen ist.

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