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„Weder christlich noch demokratisch“

Der erste Teil der Demonstration fand am Műegyetem rakpart in Buda statt. Hier kam als erste Rednerin die Roma-Aktivistin Henriett Dinók zu Wort. Sie würdigte in ihrer Ansprache die Rolle der CEU bei der Integration der Roma. Diese habe zumindest für sie mehr getan, als es die Regierung jemals getan habe. Als Alumni der CEU habe sie beschlossen, in Ungarn zu bleiben. Hier stellte sie eine Organisation auf die Beine, die laut Dinók heute „von der Regierung verfolgt wird.“ Die Roma-Aktivistin sprach weiter davon, dass die Zivilorganisationen wichtig sind, um gegen korrupte Politiker zu kämpfen. „Wir müssen nicht Brüssel stoppen, sondern die Oligarchen, die sich an uns bereichern!“, sagte sie unter lautem Applaus.

Als nächstes sprach Katalin Lukácsi, die junge Wissenschaftlerin, die jüngst aus moralischen Gründen ihre politische Heimat, den christlich-konservativen Regierungspartner KDNP, verließ. Die Gründe für diesen Schritt wiederholte sie auch auf der Kundgebung. So habe sie etwa oft versucht, sich mit ihrer abweichenden Meinung Gehör zu verschaffen, doch niemand habe ihr Beachtung geschenkt. Für Lukácsi war das nicht länger hinnehmbar, denn: „Ich liebe meine Heimat und deswegen melde ich mich zu Wort!“ Es dürfe nicht zugelassen werden, dass Ungarn sich weiter vom Westen entfernt, so die junge Wissenschaftlerin. Auch ihre christliche Überzeugung ließ sie in Opposition zu ihrer Partei geraten.

Es bleibt die Frage, was auf die Demonstrationen folgt, viele Teilnehmer fordern konkrete Pläne. (Foto: MTI / Balázs Mohai)

Auf ihre rhetorische Frage, ob wir uns in christlichen Fragen „für Árpád Habony statt für Papst Franziskus“ entscheiden sollten, erntete sie heftigen Beifall. Die Regierung, so Lukácsi, würde heute gegen Papst Franziskus und die katholische Kirche agieren und eher Hasspropaganda verbreiten: „Die Mächtigen sind in ihren Taten weder christlich noch demokratisch.“ Abschließend rief Lukácsi die Anwesenden auf, aufrichtig und konsequent zu sein, denn dann seien auch die Parteien gezwungen, sich dem anzupassen: „Die Zukunft gehört uns, und wir lassen sie uns nicht nehmen!“

Zug nach Pest

Nach Lukácsis Rede forderten die Moderatoren Kornél Laboda und Ádám Fekete die Anwesenden auf, sich auf den Weg gen Szabadság híd zu machen. In der Menge war ein fast babylonisches Sprachgewirr zu vernehmen, tatsächlich hatte es am Sonntag wieder vornehmlich junge, international ausgerichtete Menschen auf die Straße gelockt. Dies ist insofern erstaunlich, dass (vor allem oppositionelle) Demonstrationen in Ungarn lange mehr Veranstaltungen der Generation 60+ waren. Dabei war die Stimmung wie auch das Wetter sonnig und angenehm. Wie schon auf den Großdemonstrationen zuvor gab es keine Aggressionen. Den Teilnehmern ging es trotz des Mottos viel eher darum, „für“ etwas einzustehen, als nur „dagegen“ zu sein. Die Partystimmung war auch dieses Mal gesichert. Auf dem Weg durch die Stadt wurde zur Live-Musik von DJs spaziert, getanzt und gehüpft.

Politische Parteien bieten keine Lösung

Auf dem Kossuth tér angekommen, erwartete die Demonstranten eine Rede des Anti-Korruptionsaktivisten Gábor Vágó. Der ehemalige LMP-Politiker sprach über die Zukunftsperspektiven heutiger Arbeiterkinder: „Außer „közmunka“ (Anm.: das staatliche Beschäftigungsprogramm) erwartet sie hier nichts. Mit etwas Glück werden sie vielleicht Staplerfahrer in einem Münchener Lager oder Bedienung in einem Londoner Schnellrestaurant.“ Währenddessen würden die Kinder der politischen Elite wie Prinzen und Prinzessinnen leben und zwar von „Geldern, die wir gestern noch als Steuern in die Staatskasse eingezahlt haben“, so Vágó.

Noch am Tag zuvor sei er in Felcsút, dem Heimatdorf des Ministerpräsidenten, gewesen. Dort habe er sich die Zukunft angesehen, vor der das Land steht, falls es so weiter gehen sollte wie bisher: „Eine Bimmelbahn, ein Stadion und eine aus Milliarden zusammengekaufte Fußballmannschaft. Hier wird kein Krankenhaus gebaut, kein soziales Netz gespannt, sondern es bereichert sich lediglich eine kleine Gruppe an Auserwählten. Dieses Schicksal erwartet das Land, wenn ihr es zulasst!“

Der Anti-Korruptionsaktivist forderte die Anwesenden auf, endlich tätig zu werden. Provokant fragte er ins Publikum: „Was wirst du einmal deinen Kindern sagen, was du im Orbán-System getan hast?“. Wer jetzt nicht aktiv wird, der riskiere, so Vágó, dass seine Kinder und Enkel keinen Handlungsspielraum mehr haben werden, von Krankenhäusern und Schulen ganz zu schweigen. Seiner Meinung nach sollten die Menschen, statt nur „Likes“ auf Facebook zu verteilen, lieber anfangen, selbst tätig zu werden, egal ob durch die Unterstützung gemeinschaftlich finanzierter Medien als Gegengewicht zu den Staatsmedien oder im direkten Gespräch mit Freunden und Bekannten. Statt Gegenmeinungen mit Ablehnung zu begegnen, solle man lieber mit Argumenten überzeugen. „Die Rückeroberung unseres Landes werden nicht die politischen Parteien beginnen!“, ist sich der ehemalige LMP-Politiker sicher und fügt hinzu: „Orbáns System beruht auf dem Prinzip ‚Teile und Herrsche‘. Stehen wir aber gemeinsam, sind wir unbesiegbar.“

Regierung spürt immer größer werdenden Druck

Nach drei weiteren Reden zogen einige Hundert der anwesenden Demonstranten gegen 22 Uhr noch weiter bis vor die CEU, wo ein paar Zelte aufgeschlagen wurden. Die Aktivisten versprachen, hier so lange auszuharren, bis die Lex CEU zurückgenommen und die Universität außer Gefahr ist.

Noch am späten Nachmittag reagierte die Regierungspartei Fidesz in einer Presseaussendung auf die Demonstration: „Das Soros-Netzwerk versucht mit allen Mitteln Druck auf die Einwanderungspolitik der Regierung auszuüben. Aus Brüssel mit einem Soros-Bericht, einem Vertragsverletzungsverfahren und der Androhung von Strafen, aber auch mit der Organisation von Demonstrationen durch von Soros finanzierten Organisationen. Wir spüren den immer größer werdenden Druck auf unsere Heimat, aber die Regierungspartei und die Regierung haben nicht vor, etwas an ihrer Einwanderungspolitik zu ändern.“

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