Was genau bietet Ihre Firma?

Wir bieten zwei Möglichkeiten, einerseits klassisch in Form von verschiedenen Vouchern auf Papierbasis (heute bekannt als Ticket Restaurant), anderseits bieten wir eine Prepaid-Kartenlösung auf Mastercard-Basis. Beide Möglichkeiten entsprechen den Kriterien einer Steuerbegünstigung. Die Karten werden in drei verschiedenen Typen ausgegeben: Basic Einkaufskarte, Silberkarte und Goldkarte. Die Karten sind individualisiert und sehen wie ganz normale Kreditkarten aus. Sie bieten auch die gleichen Schutzvorkehrungen gegen Missbräuche. Auf diese Karten kann der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer im Einklang mit dem Lohnsteuergesetz einen Teil seines Gehalts steuergünstiger überweisen. Während es ihn 185.000 Forint kostet, wenn er seinem Mitarbeiter 100.000 Forint in vollwertigem Geld überweist, zahlt er für das Aufladen von 100.000 Forint auf eine Edenred-Karte nur insgesamt 144.000 Forint.

Mit welchen Restriktionen geht diese Steuerersparnis einher? Wofür kann der Mitarbeiter das auf seiner Karte befindliche Geld einsetzen beziehungsweise wofür nicht?

Dieses Geld kann unter anderem für Lebensmittel, Kleidung, Elektrogeräte, IT und Benzin ausgegeben werden. Unsere beste Karte, die Goldene deckt rund 90 Prozent der Möglichkeiten einer normalen Kreditkarte ab, die Silberne etwa 75 Prozent und die Basic-Karte immerhin noch rund 60 Prozent. Eine Bargeldentnahme und die Scheckbezahlung auf der Post sind im Sinne des Lohnsteuergesetzes in jedem Fall ausgeschlossen. Unser Vorschlag für die Kartenbesitzer lautet: Beginne deinen Monat mit der Edenred-Karte, bezahle damit, wo du nur kannst, und spare mit deiner Bankkarte. Jeder Haushalt hat heute in Ungarn monatlich genügend Ausgaben, die mit unseren Karten bezahlt werden könnten.

Gibt es bezüglich des Anteils beziehungsweise der absoluten Höhe des Geldes, das ein Arbeitgeber seinem Mitarbeiter auf die Edenred-Karte überweisen kann, eine Beschränkung?

Nein. Unsere Karte ist daher auch ideal für unregelmäßige Zahlungen wie Prämien oder Honorare. Unter unseren Kunden gibt es Unternehmen, deren Topmanager sich beispielsweise ihren Jahresbonus oder den 13. und 14. Monatslohn auf ihre Karte überweisen lassen. Die Karte ist also nicht nur etwas für die unteren Ebenen in einem Unternehmen, sondern für die leitenden Angestellten mindestens genauso attraktiv.

Im Prinzip können sich Angestellte ihren privaten Zahlungsverkehr so gestalten, dass etwa Ansparungen oder Kredittilgungen vom primären Konto getätigt werden und tägliche Ausgaben wie Einkäufe, Kultur, Sport etc. mittels der Edenred-Karte bezahlt werden.

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„Für die Kartenbesitzer werden regelmäßig Rabatte mit den verschiedenen Akzeptanzpartnern ausgehandelt und mitgeteilt.“

Wie viele Akzeptanzplätze gibt es derzeit?

Heute stehen mehr als 100.000 Akzeptanzplätze zur Verfügung, unter anderem Spar, Tesco, Lidl, Mediamarkt, C&A, Decathlon, Libri, Kika, Rossmann und viele andere. Die Liste wird ständig ausgeweitet. Demnächst kommen IKEA und OBI hinzu.

Für gewisse Käufe hat der Gesetzgeber sogar eine Steuerfreiheit eingeräumt. Wie ist das mit der Edenred-Karte vereinbar?

Ja, gewisse Kultur- und Sportausgaben sind komplett steuerbefreit. Dafür haben wir spezielle Karten und Voucher im Angebot. Nur wenige wissen, dass man mit diesen Karten eigentlich jährlich unbegrenzt Eintrittskarten oder Jahresanrechte der Vereine kaufen kann. Dies gilt für alle Sportveranstaltungen in Ungarn, so etwa für Fußball, Handball, Wasserball, Eishockey und vieles mehr. Im Kulturbereich ist es etwas beschränkter, die Arbeitgeber haben aber immerhin die Möglichkeit, dafür jährlich bis zu 50.000 Forint steuerfrei zu geben. Nur ein Tipp: Im Rahmen dieser Möglichkeit können auch Festivaltickets etwa für das populäre Sziget-Festival gekauft werden.

Eignet sich die Karte etwa auch, um einen Restaurantbesuch zu bezahlen?

Ja, sicher, in zahlreichen Restaurants ist unsere Karte verwendbar. McDonald‘s, Burger King und viele andere sind schon heute unsere Vertragspartner.

Wie sieht es mit dem Tanken aus?

Es ist eine der beliebtesten Anwendungsmöglichkeiten, die mehr und mehr von unseren Kunden bevorzugt wird. Mol, Shell und OMV sind bisher schon unsere Partner.

Kann man mit seiner Edenred-Karte auch im Ausland einkaufen?

Das ist gesetzlich ausgeschlossen. Immerhin können aber Reisen oder WizzAir-Flugtickets mit der Karte bezahlt werden. Die Hauptregel ist, die Bezahlung muss in Ungarn stattfinden.

Für welche Firmen eignet sich die Karte?

Eigentlich für alle. Edenred hat heute mehr als 2.500 Partner, darunter sind Großunternehmen wie Mol, GE und Richter Gedeon. Unter unseren Kunden sind aber auch viele KMU.

Wie funktioniert die Bezahlung eines Mitarbeiters über die Karte und wie kann er mit der Karte bezahlen?

Die Firma überweist uns die für den Mitarbeiter vorgesehene, steuerlich vergünstigte Summe unter Angabe der Identifizierungsnummer der Edenred-Karte dieses Mitarbeiters. Sodann schreiben wir dem Mitarbeiter diese Summe auf dessen Karte gut, und er kann diesen Betrag über seine Karte ausgeben. Via Internet oder einer speziellen App kann der Kunde genau verfolgen, wie hoch das Guthaben auf seiner Karte ist. In den Geschäften kann er ganz normal wie mit einer klassischen Magnetstreifen-Kreditkarte bezahlen.

Gibt es für die Firma über den steuerlichen Aspekt hinaus weitere Vorteile?

Ein herausragender Aspekt ist die einfachere Administration. Früher musste man die Vouchers monatlich mit einem hohen administrativen Aufwand ausgeben. Heute ist die einzige physische Aktion die Ausgabe der Karte am Anfang. Alles andere läuft dann weitgehend automatisiert.

Für die Kartenbesitzer werden regelmäßig Rabatte mit den verschiedenen Akzeptanzpartnern ausgehandelt und mitgeteilt. Nach der Registration kann man auch am Mastercard Priceless Specials Programm teilnehmen.

Eine Zeit lang sah es so aus, als wollte der Staat dem sogenannten Cafeteria-System das Wasser abgraben oder es zumindest so unattraktiv machen, dass sich der zusätzliche Aufwand kaum noch lohnt.

Mittelfristig rechnen wir mit keiner gravierenden Änderung des derzeitigen Systems. Der Staat hat die Wichtigkeit dieses Systems erkannt und wird grundsätzlich daran nicht mehr rütteln. Im Übrigen hat sich zwar der Steuervorteil etwas verringert, dafür wurde aber der Kreis der steuerlich vergünstigt zu kaufenden Waren und Dienstleistungen bedeutend ausgeweitet.

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„Der Steuervorteil hat sich zwar etwas verringert, dafür wurde aber der Kreis der steuerlich vergünstigt zu kaufenden Waren und Dienstleistungen bedeutend ausgeweitet.“

Ihre Firma hat einen ausländischen Hintergrund. So wie zwei Ihrer Mitbewerber, die Ungarn inzwischen verlassen haben, da die Regierung in der Vergangenheit mächtig Druck machte, um diesen Markt in ungarische Hände zu bekommen. Müssen sich Vertragspartner von Ihnen Sorgen machen, dass auch Ihre Firma Ungarn eines Tages den Rücken kehrt?

2016 hat auf unserem Markt Klarheit geschaffen. Mittels der EU konnte wieder Wettbewerbsgleichheit hergestellt werden. Die diesbezüglichen ungarischen Gesetze wurden im Sinne der EU-Richtlinien modifiziert. Heute arbeiten wir bereits wieder auf der Grundlage von Drei-Jahresplänen. Wir investieren kräftig und werden bald in ein größeres Büro umziehen.

Warum ist ausgerechnet Ihr Unternehmen unter den drei großen ausländischen Anbietern dem ungarischen Markt treu geblieben?

Edenred hat das Ziel, in den kommenden Jahren Marktführer in der MOE-Region zu sein, dazu gehört auch Ungarn.

Wie hat sich Ihre Firma entwickelt? Können Sie uns ein paar Eckdaten nennen?

Ticket Restaurant ist schon seit mehr als 23 Jahren auf dem ungarischen Markt, in den Jahren der Dominanz arbeiteten mehr als 180 Kollegen im Unternehmen, die jährliche Ausgabesumme betrug mehr als 60 Milliarden Forint. Nach 2011 schrumpfte dieser Wert auf 6-7 Milliarden pro Jahr. Bereits im vergangenen Jahr konnten wir um 50 Prozent wachsen, auch das aktuelle Jahr hat für uns sehr gut begonnen. Wenn es so weitergeht, kommen wir in diesem Jahr auf ein dreistelliges Wachstum.

Ist Ihre Firma mit einem ähnlichen Kartenprodukt auch in anderen Ländern aktiv? Welche ungarischen Spezifika gibt es eventuell?

Edenred ist mit verschiedenen Kartenlösungen in ganz Europa und einigen nicht-europäischen Ländern aktiv. Die konkreten nationalen Zahlungsmethoden sind den jeweiligen Steuer- und Finanzregelungen angepasst. In Frankreich und Spanien haben wir bereits ApplePay und SamsungPay eingeführt.

An wen können sich interessierte BZ-Leser wenden?

Gerne an mich. Außer Ungarisch spreche ich auch Deutsch, Französisch und natürlich Englisch. Deutsch ist fast meine zweite Muttersprache, da ich in den 80er Jahren lange Zeit in Dresden gelebt habe. Wir haben aber auch weitere deutsch- und englischsprachige Mitarbeiter, die gerne weiterhelfen.

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