„Die physische Gewalt beginnt mit Worten“ und „uns reicht es mittlerweile von den Fidesz-Leuten, denen die Hand so einfach juckt“, meint Bernadett Szél, Ko-Vorsitzende – oder was auch immer – der LMP.

Die Gewalt ist inzwischen, langsam schon seit über einem Monat, eine fast natürliche Begleiterscheinung der Anti-Regierungsdemos geworden. Nicht nur verbale Gewalt, sondern die Gewalt im eigentlichen Sinn des Wortes. Polizisten werden attackiert, beworfen und provoziert, die unterschiedlichsten öffentlichen Institutionen werden bestürmt (das Parlament, die Fidesz-Zentrale, das Amt des Präsidenten der Republik und so weiter) und die meistbefahrenen Verkehrsknotenpunkte von Budapest werden ohne Erlaubnis abgesperrt.

Eine Linksliberale genießt und schweigt

Währenddessen wird die Journalistin von Pesti Srácok als Hure beschimpft, man will eine Zigarette auf ihrer „Drecksvisage“ (!) ausdrücken, sie wird geschubst und gezerrt, mit Schlägen, ja sogar mit Totschlag bedroht. All das inmitten des zustimmenden Schweigens der linksliberalen Medien, im schlimmeren Fall inmitten ihres höhnischen Gelächters, wobei sich die Demonstranten, die vor physischer Gewalt überhaupt nicht zurückschrecken, selbst als jegliche Gewalt ablehnend definieren. Und auf die kleinste Gegenreaktion oder Grobheit klappen sie sogleich synchron zu, wie ferngesteuerte Austern, die man mit Zitronensaft beträufelt. Sie verkrampfen sich und beginnen, sich im großen Wehklagen Sorgen um ihre eigene Sicherheit, um die Demokratie und natürlich um Europa zu machen.

Und sie selbst genießen natürlich alle Freiheiten! Zwei „Publizisten“ von 24.hu schrieben auf ihren Facebook-Seiten, sie wollten Miklós Ómolnár und Zsolt Bayer an einer Straßenlaterne aufhängen. Was ist darauf die Reaktion? Am nächsten Tag wird die Sache in der befreundeten Presse einfach nur billig relativiert: „Das ist ihnen nur so herausgerutscht, weil sie gerade wütend waren“. Täglich weinen sie lautstark, dass das „Ende der Dehumanisierung immer die Gewalt“ wäre, währenddessen dehumanisieren sie skrupellos jeden, der ihnen gerade nicht in den Kram passt. Orbán wird zum Beispiel in einer sehr „lustigen“, sehr „europäischen“ Installation als ein Wurm dargestellt, der sich gerade windet.

Nicht zu überbietende Scheinheiligkeit

„Legt die Scheißpolizisten um!“, schreit das Gesindel vor der Fidesz-Zentrale. Eine prächtige kleine Performance. Hier gibt es nichts zu sehen, gehen Sie doch weiter und schauen Sie sich in Sachen Gewalt beim Fidesz um!

„Ich werde dich so oder so fi**en!“, so die „Glückwünsche“ des bei den Wahlen unterlegenen MSZP-Abgeordneten an die siegreiche Fidesz-Kandidatin, wohlgemerkt: eine Dame um die 70. Na und? Bernadett Szél sieht keinen Grund, sich hierzu zu äußern. Und die Frau Abgeordnete bricht auch dann nicht ohnmächtig zusammen, wenn György Szilágyi von der Jobbik dem Fidesz-Staatssekretär Csaba Dömötör Prügel androht. Sie zuckt nicht einmal mit den Wimpern, als der Zwischenruf erfolgt: „Gehen wir raus, ich schlag dir gleich die Birne ein, dass du krepierst!“

Woanders würden sie jetzt Blut und Rotz spucken

Laut Hadházy müssen wir uns nicht vor dem Wort ‚Revolution‘ fürchten, denn kleine Revolutionen passieren bereits heute tagtäglich. Seines Erachtens wird der Sieg durch solche kleine Revolutionen geboren, auch wenn es opportunistische Menschen und Würmer gibt. Nur so viel zum Homo erectus Hadházy… Aber was war da nochmal? „Wer seine Mitmenschen als Würmer bezeichnet, ist ein Nazi!“, wie sie gerne lautstark schreien. Außer natürlich, wenn sie selbst die anderen als Würmer beschimpfen. „Ich fürchte, man kann Orbán nur auf eine Weise davonjagen, wie es einst die Rumänen mit Ceausescu taten“, schreibt einer ihrer „europäischen“ Leser und Wähler in ihrem Blatt. Die Reaktion ist bloß ein großes Schweigen und hinterlistige Zustimmung. „Orbán ist Wichse und Áder schluckt ihn“, steht auf einem Tranparent, was genauso europäisch ist, wie alles andere auf den Transparenten dieses jakobinischen Pöbels. Und sie dringen dann natürlich ins Parlament ein, ganz ohne Erlaubnis, um dort die Arbeit mit als friedlich getarnter Gewalt zu behindern.

Wenn sie das irgendwo anders versuchen würden, zum Beispiel in den Vereinigten Staaten, dann würden sie schon Blut und Rotz spucken. Denn das kann man nur hier bei uns ungestraft machen. Und das Wichtigste: Uns darf in unserer Empörung nicht einmal die Wahrheit über die Lippen kommen, denn das wäre fürchterliche Gewalt. Selbstverständlich wäre es das!

Der hier wiedergegebene Kommentar erschien am 9. Mai auf dem Online-Portal der konservativen Regierungszeitung Magyar Idők.

Aus dem Ungarischen von Dávid Huszti

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