Bereits ihr Theaterplakat war sehr ansprechend und machte auf Ihre erste Vorstellung auf ungarischem Boden am vergangenen Donnerstag neugierig. Die gut besuchte Premiere war dann auch ein sehr großer Erfolg. Frau Dutombé, wie kam es zu dieser Initiative?

Ja, da gibt es mehrere Gründe. Einer der Hauptgründe war es, dass diese wunderschöne Weltstadt Budapest einfach kein deutschsprachiges Theater hat. Die deutschsprachigen Community´s dieses Landes haben keine Möglichkeit, ihre

Literatur mit heimatlich wohlklingender Sprachakustik live zu genießen und sind gezwungen, sich mit Tonträgern oder TV-Sendungen zu trösten oder über die Grenze nach Österreich zu fahren. Das wollten wir ändern.

Und ihre Nebengründe?

Meine Mutter, Jenei Irén ist eine gebürtige Ungarin und mit ihren 93 Jahren die letzte lebende ungarische Schauspielerin ihres Studienganges der Schauspielakademie Budapest von 1944. Ihr

Partner auf der Bühne war ihr Kommilitone Csákányi Lászlo. Sie ist während des Krieges nach Deutschland geraten und hat dort bis zur Pension als Synchronregisseurin und als Schauspielerin gearbeitet. Mein Großvater (Stummfilm-Violinist) hat mich zu dieser Kombination von Theater/Musik und Sprache zum Publikum zu geöffnet. Mit 18 Jahren traf ich bei den Jugend-Weltfestspielen in Berlin einen János, trat mein Studium an der Schauspielschule in Rostock gar nicht erst an und heiratete ihn. Meinen Berufswunsch nie aus dem Auge lassend, studierte ich in Budapest in den Filmstudios Mafilm zwei Jahre Maskenbildner und stand neben der Kamera. Auch auf diesem Wege probierte ich die saubere ungarische Aussprache der Filmschauspieler zu erlernen. So wurde auch der berühmte ungarische Oskar Regisseur István Szabó auf mich aufmerksam, bei dem ich in mehreren Filmen kleine Rollen bekam. Weiterhin lernte ich bei dem Sprecherzieher der staatlichen Schauspielakademie Imre Montag die hoch-ungarische Sprache. Aber, einmal deutsch, immer deutsch, ich habe meinen deutschen Akzent nicht richtig wegbekommen können.

Bot sich eine Alternative?

Ja. Bei der Domino Pantomime-Tanz-Company bestand ich die Aufnahmeprüfung und studierte dort drei Jahre. Später wurde ich Mitglied des Budapester Centinarium Theaters, das später Rutkai Éva Theater wurde. Der Leiter Miklós Köllö, der in Leningrad

klassisches Ballett studiert hatte, brachte eine ganz neue Art des Theaterspielens auf die Bühne. Er paarte Schauspiel mit Tanz und pantomimischen Elementen und legte Schwerpunkte auf die Körpersprache mit Tönen und Einzelsätzen und Gesang. Heute ist es die Schule Jacques Lecoq in Frankreich, die diesen Stil zu ihrem Markenzeichen gemacht hat und u.a. die Künstler des Circ de Soleil ausbildet. Und hier hat sich niemand über meinen deutschen Akzent mokiert. Eine „europäische Bühnenreife“ für Bühnenkünstler wurde mir in Budapest ausgestellt.

Also dieses Centinarium Theater gibt es nicht mehr in Budapest?

Nein. Ich bin dann nach Wien zu Samy Molcho gegangen und habe bei ihm eine sehr interessante Ausbildung zur Körpersprache-Trainerin für Manager und Führungskräfte absolviert. Mit diesem Wissen im Gepäck ging es nach München zur Schauspielschule.

Das sind ja auch Ausgaben. Haben Sie dort auch Körpersprache-Seminare gegeben?

Ja. Ich habe für Manager und Führungskräfte, sowie Frauen im Beruf überall in Deutschland Seminare gegeben. Weiterhin habe ich durch den Beruf meiner Mutter seit Kindheit an als Synchronsprecherin gearbeitet und habe auch eine eigene kleine Synchronfirma geführt. Synchron Bücher und Regie waren auch meine Ressource. Tonaufnahmen aller Art gehörten zu meinem Aufträgen vom Firmen-Anrufbeantworter besprechen, über Filmsynchronisation bis zum Werbeauftrag.

Und die Schauspielerei?

Wo auch immer es sich ergab, habe ich Rollen gespielt und auch Regiearbeiten übernommen. Dann holte mich das Europäische Parlament für zwei Jahre nach Brüssel. Auftrag: den deutschsprachigen Jung-Politikern Körpersprache beibringen.

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Eine erleichterte Danielle Dutombé (vorne rechts) bedankt sich nach der erfolgreichen Premiere bei allen Mitwirkenden und beim Publikum. (BZT-Fotos: Jan Mainka)

Sie haben ja auch ein eigenes kleines Theater?

Ja. Nachdem ich meinen heutigen Mann Jürgen Kramer, der in Amsterdam arbeitete und lebte, aber in Potsdam/Babelsberg die Filmschauspielschule absolviert hatte, geheiratet habe, eröffneten wir zusammen in Köln eine Schauspielschule für maximal talentierte Spätzünder-Personenkreise, die über 24 Jahre alt sind und so bei einer Schauspielschule keine Chance mehr haben. Die Schule war voll und sie gibt es bis heute: „Akademie Theater, Theater Akademie“ Nachdem Jürgen den Ruf an der Hochschule für Musik und Theater einer C4-Professur für Schauspielkunst annahm, zogen wir nach Göttingen und haben ein kleines Theater, das „Hof Theater“ ins Leben gerufen.

Und nun Budapest?

Mein Mann ist nun emeritiert. Unsere ältere Tochter geht inzwischen an die Humboldt Uni in Berlin und die Jüngere haben wir nach Budapest mitgenommen. Sie studiert ab September Maskenbildner in Deutschland. Nun hatten wir Zeit und strotzen vor Kraft und Enthusiasmus, um ein neues Theater ins Leben zu rufen.

Warum grad in Budapest?

KunstLeben, Neue Bühne Budapest, „wie Phönix aus der Asche“. Das ist ein so wundervoller Gedanke für uns!

Was macht KunstLeben?

Es ist ein Verein zur Förderung der deutschsprachigen Kunst in Ungarn. Der Verein sieht sich als Träger und Förderer verschiedener deutschsprachiger Aktivitäten, vorrangig als Förderer der Theaterplattform mit dem Namen Neue Bühne Budapest. KunstLeben möchte sich an Liebhaber der deutschen Sprache wenden, vornehmlich der Sprache des Theaters, aber auch in der Poesie, der Liedkunst und der Literatur. Der Verein möchte seine Mitglieder bei deutschsprachigen Bürgern werben, die sich ihrer Muttersprache verbunden fühlen, und bei allen anderen Personen, für die die deutsche Sprache ein nicht unwesentlicher Bestandteil ihrer Kultur

ist oder einfach nur ein akustisches Vergnügen bereitet.

Ist dieser gemeinnützige Verein förderbar?

Selbstverständlich. Im Grunde genommen kann er nur durch Förderung langfristig existieren.

Ist dieses erste Theaterstück von Goethe „Die Mitschuldigen“ der Neuen Bühne Budapest finanziell gefördert worden?

Nun, ja. Von mir und meinem Mann Jürgen Kramer. Wir haben alles aus eigener Tasche bezahlt, sind also von A-Z unsere eigenen Sponsoren gewesen und viele liebe Crewmitglieder haben aus Überzeugung und Liebe zum Theater unentgeltlich mitgemacht und sich nachträglich über unseren ‚spendierten Obolus’ sehr gefreut.

Wie geht es jetzt weiter?

Wir haben nach der Premiere ein wundervolles Feedback bekommen. Wer Theater liebt und die Vorstellung gesehen hatte, weiß was dieses Theaterteam geleistet hat. Da wir aus der westeuropäischen Berliner, Hamburger, Münchner, Amsterdamer und Brüsseler Theaterszene kommen, ist von Stück zu Stück unser schauspielerischer Spielstil sehr variabel. Dieses Stück „Die Mitschuldigen“ haben wir der Commedia dell’ arte angelehnt.

Aber können Sie alles weiterhin selbst finanzieren?

Danke für diese Frage. Natürlich ist es nicht Sinn und Zweck, dass wir auszogen um uns selbst das Fürchten zu lehren! Wir möchten unsere Kunst dem deutschsprachigen Publikum schenken, deswegen sind wir hier in Budapest. Aber ohne finanzielle Unterstützung geht es leider nicht. Wir haben hohe künstlerische Ansprüche, die wundervolle Vorstellungen garantieren sollen und können. Umso mehr finanzielle Möglichkeiten uns gegeben sind, desto mehr niveauvolle Ideen können wir in der künstlerischen Umsetzung und der bildenden Ausstattung phantasiegerecht realisieren.

Was wäre denn Ihr Ziel, das Sie in Budapest mit der „Neuen Bühne Budapest“ erreichen möchten?

Wir möchten den Zuschauern ein westeuropäisches Theaterniveau vermitteln und nahe bringen, welches in den diversen Spielarten der deutschsprachigen Theaterwelt zuhause sein kann. Unsere Spielweise bezieht sich auf innovative Theaterformen der letzten 50 Jahre.

Was können Sie denn auch den deutschsprachigen Firmen anbieten?

Außer unseren wundervollen Theaterinszenierungen bieten wir: eigene Abende auf Anfrage:

- Gesangsabende

- Literarische Lesungen

- gespielte Hörspiele

- Sketche & Possen

- Minidramen

- Gedichtlesungen

Selbstverständlich würde es uns sehr freuen, wenn wir Unterstützer finden könnten, denn es ist wieder Zeit, dass Wirtschaft und Kunst gemeinsame Wege finden. Zumal es an einem deutschsprachigen Haus in Ungarn fehlt. Raum und Erkenntnis für die „Neue Bühne Budapest“.

Theaterleidenschaft pur: Danielle Dutombé.
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