Der Werbespot ist kaum 30 Sekunden lang, dafür kommen aber die drei Kernelemente der Regierungskampagne – böses Brüssel, böse Migranten, böser Soros – ohne Probleme darin unter. Und natürlich hat der Ungar nur eine Möglichkeit, um die einfallenden Heerscharen an NGOs und Migranten aufzuhalten – die Feder ist auch hier stärker als das Schwert –, so greift der besorgte Bürger denn zum Briefbogen und teilt der Regierung via Nationaler Konsultation seine Meinung mit. Dumm nur, dass auch Brüssel eine Meinung zu dieser Kampagne hat, besser gesagt, keine Meinung, sondern Fakten, quasi der Gegenentwurf zu den auch in Ungarn immer häufiger anzutreffenden „alternative facts“.

Unmissverständliche Botschaft

Schon der Titel der auf Ungarisch und Englisch publizierten Broschüre ist eine klare Ansage an Ungarn: „Schauen wir uns die Fakten an“. Schrittweise wird da jede der sechs Suggestivfragen auseinandergenommen und einem Realitätscheck unterzogen. Dabei kommen die Fragen der Konsultation schlecht weg, nicht eine von der ungarischen Regierung gemachte Aussage hält der Überprüfung durch „Brüssel“ stand. Die Fragen werden dabei konkret zitiert und als „Fehlbehauptung“ bezeichnet, denen gegenüber „die Wahrheit“ erst in ein bis zwei Sätzen und dann, für motivierte Leser, auch länger erklärt wird. Nun sind Menschen, die in der Welt von „alternative facts“ leben, selten an der Wahrheit interessiert, aber dass solch ein Faktencheck überhaupt von offizieller Stelle veröffentlicht wurde, zeigt deutlich, wie sehr die EU mit ihrer Geduld gegenüber Ungarn am Ende ist.

Konversation

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