Da erscheinen in den Anonymusnews plötzlich Listen mit Namen bekannter europäischer Politiker, die angeblich zum Soros Netzwerk zählen und eifrig in seinem Sinne Politik betreiben. Und bei Tichy’s Einblick wird detailliert beschrieben, wie sehr Soros gegen Israel ist und an seiner Universität sogar antisemitische Propaganda erlaubt, während er und seine Anhänger den Vorwurf des Antisemitismus gezielt gegen jedwede konservative Regierung verwenden, um diese gegenüber der EU zu diskreditierten und darüber dann auch politisch zu schwächen.

Trügerischer Weg in die Freiheit

All das sind keine Neuigkeiten für diejenigen, die den Milliardär George Soros seit den 80ger Jahren kennen. Dem Autor ist er Anfang der neunziger Jahre in Bukarest begegnet. Soros erschien als ein netter, älterer Herr in einem alten Regenmantel und mit einer noch älteren Aktentasche aus Leder; nicht neureich auftretend, engagiert und großzügig. Nur eingeweihte Dissidenten wussten damals, dass er bereits seit 1982/83 sein osteuropäisches Netzwerk ausbaute, indem er die Dissidentenszene unterstützte, ihren Vertretern in Paris, New-York und anderen interessanten Städten Stipendien vermittelte oder selbst finanzierte und ihnen dort über spezielle Buchhandlungen kostenlos eine Reihe bestimmter Publikationen zukommen ließ, die seinem eigenen Weltbild entsprachen. Soros schien der Weg in die Freiheit zu sein.

Doch das war trügerisch, denn kaum waren die Mauern und Grenzzäune zwischen Ost und West gefallen, fand über die Soros-Stiftungen und über die 1991 in Budapest gegründete Central European University eine ideologisch eng geführte Auswahl für die Etablierung einer neuen links-liberalen Elite statt, worüber bis heute niemand spricht, obwohl es alle wissen. In den neunziger Jahren wurde das Netzwerk ein wenig pluralisiert, indem man auch ein paar Vertreter der konservativen Kreise einlud, fast ausschließlich aus dem Kreise des christdemokratischen Magyar Demokrata Forum, MDF, der ersten von József Antall angeführten konservativen Regierung, die bis 1994 regierte.

Anfang der Neunziger Jahre war diese Partei politisch bereits unbedeutend. Die von Soros unterstützten Kreise des damals linksliberalen SZDSZ hatten den MDF während seiner Regierungszeit im In-und Ausland erfolgreich als tendenziell faschistoid und antisemitisch diffamiert. So war der MDF Mitte der Neunziger Jahre politisch bereits so bedeutungslos, dass Soros gefahrlos einige wenige ihrer Vertreter als Dozenten und Stipendiaten an die CEU holen konnte, um zu zeigen „die CEU ist eine offene Universität“. Dieses Vorgehen ist ganz typisch für die Art und Weise, wie es den Soros Einrichtungen immer wieder gelingt, nach außen hin den Schein des Pluralismus zu wahren, während sie gleichzeitig bestimmte Personen und Einrichtungen verdrängen, sowohl auf nationaler, als auch auf internationaler Ebene.

Fachkompetenz nicht unbedingt erforderlich

Die CEU zählt laut dem Quacquarelli Symonds (QS) Ranking aus dem Jahre 2014 zu den 100 besten Universitäten der Welt. Dabei scheint vielen nicht aufzufallen, dass Fachkompetenz dort nicht unbedingt erforderlich ist. Das gröbste Beispiel hierfür war der Skandal im Jahre 2006 um den rumänischen Direktor der Doktoranten-Schule der CEU, Sorin Antohi. Er unterrichtete sage und schreibe neun Jahre lang, also von 1995 bis zum Ausbruch des Skandals 2006 im Bereich Geschichte, begleitete in dieser Zeit eine Unzahl von Doktoranten bis zu deren Promotion und hatte selbst, so stellte sich dann 2006 heraus, nicht einmal einen einfachen Doktortitel.

Doch Sorin Antohi hat nicht nur unterrichtet, er war auch anderweitig höchst aktiv gewesen, denn neun Jahre lang haben er und seine CEU-Kollegen bestimmte ungarische Historiker-Kollegen der traditionsreichen Eötvös Loránd Universität als zweitklassige Historiker abgestempelt.

Diese hätten trotz all ihrer Qualifikationen an der CEU nichts zu suchen. In den linksliberalen Kreisen, die seit 1991 dank Soros an der CEU ein Vielfaches mehr verdienten, als ihre Kollegen an den ungarischen Universitäten und darüber hinaus auch viel bessere Kontakte zu ausländischen Universitäten unterhielten, wurden sie als „rechtsgerichtet“ abgetan. Auch gegenüber den Studierenden oder ausländischen Forschern wurden sie abgewertet, einfach nur, weil sie sich mutig weigerten, in ihren Veröffentlichungen bestimmte ideologische Forderungen zu erfüllen. Bis heute sind ihre Bücher in der Bibliothek der CEU so gut wie nicht erfasst und Studenten, die sich mit historischen Themen befassen, für die diese Professoren zuständig sind, kennen deren Publikationen nicht einmal, obgleich es international für jeden Doktoranten verpflichtend ist, alle zu einem bestimmten Thema veröffentlichten Bücher und Studien zu kennen und zu zitieren. Hier an der CEU werden jedoch die Publikationen bestimmter hoch qualifizierter Wissenschaftler systematisch und wissentlich ignoriert.

Mehr Schein als Sein

Zu ihnen zählen unter anderem der Historiker Béla Borsi-Kálmán, der in akribischer Detailarbeit die Geschichte der rumänisch-ungarischen Beziehungen aufgearbeitet hat, sein viel schreibender und sehr originell denkender Kollege Ambrus Miskolczy oder auch der Experte für polnische Geschichte und Literatur, István Kovács. Das sind nur drei Namen von vielen, denn die Schwarze Liste der an der CEU geschmähten, weil nicht ideologietreuen, ungarischen Wissenschaftler ist viel länger und schließt auch andere Wissenschaftler aus anderen Ländern Mittelosteuropas mit ein.

Natürlich sitzen all diese hochkarätigen Professoren nun nicht winselnd in einer Ecke und die westliche Wissenschaftsgemeinschaft lässt sich auch nicht täuschen. George Soros, seine Stiftungen und seine Universität in Budapest sind nun mal nicht die einzigen Plätze, an denen und über die Forschung betrieben wird. Doch es geht um das generelle Bild der CEU. Und da lassen sich so einige von modernen Glastüren und Hightech-Einrichtungen mehr beeindrucken, als von tatsächlicher Forschungsfreiheit.

Denn es stimmt einfach nicht: die CEU ist nicht die beste und auch nicht freieste Universität in Ungarn. Ganz im Gegenteil. Wer sich an den traditionellen ungarischen Universitäten umschaut, wird an den dortigen Fakultäten für Geisteswissenschaften eine viel größere Denk- und Lehrfreiheit finden, als im Soros Think Tank. Hier kann man noch auf ein buntes Gemisch aus Altmarxisten, Christdemokraten, Fidesz-Vertretern, Eigenbrötlern und Politikverdrossenen stoßen, die es schaffen, zusammen und in aller Freundschaft miteinander und mit den Studierenden zusammen zu arbeiten.

Der Autor ist promovierter Geisteswissenschaftler, der an verschiedenen ungarischen und ausländischen Universitäten unterrichtet hat.

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