Das Deutsch-Ungarische Jugendwerk wurde im März 2015 von Persönlichkeiten aus den Bereichen Politik, Wirtschaft und Kultur in Berlin gegründet und gilt seit Ende August 2015 offiziell als eingetragener Verein. Vereinsvorsitzende ist Maren Schoening, die selbst ungarische Wurzeln hat und in Wirtschaft und Politik kein unbekanntes Gesicht ist. Ein halbes Jahr später, im Februar 2016, wurde auch der ungarische Partnerverein Magyar-Német Ifjúságért Egyesület mit Sitz in Budapest gegründet. Sinn und Zweck beider Vereine bestehen darin, junge Erwachsene aus beiden Ländern zusammenzubringen, um ihnen gemeinsame Erlebnisse der jeweils anderen Kultur zu ermöglichen sowie einen Raum für Austausch und Vernetzung im Zeichen der traditionsreichen deutsch-ungarischen Freundschaft zu geben.

Um diese Werte auch in die Tat umzusetzen, bietet das Deutsch-Ungarische Jugendwerk Veranstaltungen wie beispielsweise themenbezogene Sommercamps in Budapest und Berlin an, aber auch Start-Up Konferenzen für Jungunternehmer und ihre Unternehmen. Die Veranstaltungspalette wird stetig ausgebaut: So wurde in diesem Jahr zum ersten Mal ein Frühjahrstreffen in Berlin organisiert. Finanziell unterstützt wurde dieses Projekt durch Fördermittel des ungarischen Ministeriums für Humanressourcen (ung.: Emberi Erőforrások Minisztériuma) sowie aus Eigenmitteln in Form von Spenden und Mitgliedsbeiträgen des Jugendwerkes.

Auf den Spuren der Geschichte

Das erste Frühjahrstreffen mit insgesamt 20 Teilnehmern aus Deutschland und Ungarn fand vom 8. bis zum 12. April in Berlin statt. Der Schwerpunkt dieser Zusammenkunft in Berlin wurde auf geschichtliche Aspekte der letzten 70 Jahre gelegt, die sowohl für Deutschland und Ungarn als auch Europa-übergreifend von Bedeutung sind. Den Startpunkt der historischen Aufarbeitung und Entdeckung machte die Besichtigung des Schlosses Cecilienhof in Potsdam, in dem die drei Siegermächte des Zweiten Weltkrieges, Russland, England und die USA, im Sommer 1945 über die Nachkriegsordnung für Deutschland und Europa getagt haben. Diese Verhandlungen sind auch unter dem Namen „Potsdamer Konferenz“ geläufig.

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Auf dem Weg zur Ungarischen Botschaft gab es einen Abstecher zum Brandenburger Tor.

Als nächster Programmpunkt durfte natürlich die Ost-West-Teilung Europas und insbesondere Deutschlands, für die, wie allgemein bekannt, Berlin das passendste Sinnbild ist, nicht fehlen. Die junge Gruppe, bestehend aus Abiturienten und Studenten verschiedenster Fachrichtungen und Berufseinsteigern, hat sich in Berlin folglich auf die Erkundung der Teilung anhand der Spuren der Berliner Mauer und des Grenzüberganges an der Friedrichstraße, heute bekannt als „Tränenpalast“, begeben. Außerdem wurden Fluchtgeschichten aus Ost- nach Westberlin beispielsweise durch die Kanalisation oder selbst gegrabene Tunnel nach wahren Gegebenheiten in einer Führung durch die Berliner Unterwelten verdeutlicht.

Ein Bogen in die Gegenwart wurde durch Besuche in der ungarischen Botschaft und im Haus der Europäischen Kommission geschlagen. „Das Programm in Berlin hat mir sehr gut gefallen und hat mir die Ereignisse der Vergangenheit näher gebracht. Außerdem war ich vorher noch nie in Berlin. Ich freue mich durch das Jugendwerk die Möglichkeit gehabt zu haben, Berlin zu entdecken und neue Kontakte knüpfen zu können.“, so Dóra, eine ungarische Teilnehmerin, die bereits beim ersten Sommercamp 2015 in Budapest mit dabei war.

Kulinarische Akzente

Neben dem historischen Programm, das große Zustimmung und Interesse vonseiten der deutsch-ungarischen Truppe erfuhr, kamen weder das kulinarische noch freizeitliche Vergnügen im gemeinschaftlichen Kreise zu kurz. Da das Deutsch-Ungarische Jugendwerk auch einen Akzent auf das Erfahren und Erleben der jeweils anderen Kultur legt, wurde der Veranstaltungsauftakt im Lokal „Borsó – die ungarische Speisekammer“ gefeiert. Es ist zugleich ein Geschäft für Hungarika. Angefangen von der berühmten gulyásleves (dt.: Gulaschsuppe) bis hin zu diversen Sorten an Kolbász (dt.: Wurst) gibt es hier Vieles zu erschmecken.

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Die Vorsitzende, Maren Schoening, begrüßte die jungen Erwachsenen in Berlin und wünschte ihnen eine spannende Woche mit viel Spaß und gemeinsamen Erfahrungen. Ebenso wie der Gaumenschmaus zur Kultur gehört – als Ausgleich zur Kolbász wurde anderntags Currywurst probiert –, gehört selbstverständlich auch die Sprache dazu. Zwar war das inhaltliche Programm zum größten Teil auf Deutsch, doch trotzdem blieb das Ungarische nicht auf der Strecke, haben wir uns sagen lassen – denn auch die deutschen Teilnehmer mit unterschiedlichstem Ungarnbezug, sei es ungarische Verwandtschaft oder ein Studienaufenthalt in Ungarn, haben sich mit lobenswertem Einsatz an der ungarischen Sprache versucht.

„Ein großer Erfolg“

Interessant ist auch, dass es unter den Teilnehmern etliche „Wiederholungstäter“ gab. Auch der junge Student Tamás aus Ungarn hat schon an beiden bisherigen Sommertreffen teilgenommen. Warum er immer wieder gerne mitmacht? – „Jedes Mal gibt es sehr interessante Programmpunkte zu unseren beiden Ländern und zu Europa und mir gefällt es, mich mit anderen jungen Menschen mit Ungarn- und Deutschlandbezug austauschen zu können. Außerdem bieten mir die Treffen die Chance, die Freunde aus vorherigen Veranstaltungen wiederzusehen. Ich bin schon neugierig auf die nächsten Programme.“ Auch die Organisatoren des Frühjahrstreffens in Berlin sind zufrieden und sprechen von einem großen Erfolg, denn der Austausch zwischen den Kulturen und das Knüpfen von neuen Kontakten haben funktioniert. Einziger Kritikpunkt: Bisher spricht das Programm vor allem junge Ungarn an. Für die Zukunft hoffen die Veranstalter aber vermehrt auch auf deutsche Teilnehmer.

Weitere Informationen über das Deutsch-Ungarische Jugendwerk und dessen Veranstaltungen finden Sie unter www.deutsch-ungarisches-jugendwerk.de.

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