„Die Zukunft ist digital“ – so lautete das Leitmotiv des ersten „Be smart! – Hungarian Tech Day”, der am 28. März am Vodafone Campus in Düsseldorf stattfand. Bei der Veranstaltung präsentierten in einem Pitch zehn innovative Start-ups ihre vielversprechenden Geschäftsideen vor dem Publikum und einer Fachjury. Zur Jury gehörte unter anderem Marie-Theres Thiell, Vorstandsvorsitzende der innogy Hungaria, der innovative Themen wie die Digitalisierung, aber auch Start-ups und natürlich die deutsch-ungarische Zusammenarbeit ein persönliches Anliegen sind. Mitglied der Jury war auch der ungarische Generalkonsul Balázs Szegner, ein wesentlicher Initiator der Veranstaltung. Vorausgegangen war bei den Ungarn-Tagen in Düsseldorf eine Begegnung zwischen ihm und dem ungarnstämmigen Christian Klapka, Head of Commercial Development im Bereich Strategy Innovation bei Vodafone.

Three in One: Digitalisierung, Start-ups und deutsch-ungarische Zusammenarbeit

Bei einem Gespräch über die deutsche Digitalszene wurde von beiden die Idee für den „Hungarian Tech Day“ geboren, der sowohl in Düsseldorf als auch einige Tage später in Budapest stattfinden sollte. Im weiteren Verlauf gelang es den beiden Initiatoren, also Vodafone und dem Generalkonsulat von Ungarn in Düsseldorf, weitere namhafte Unterstützer für die Idee zu begeistern, vor allem NRW-INVEST und innogy Hungaria, deren Mutter, die innogy SE, ihren Sitz im nordrhein-westfälischen Essen hat.

Über Vodafone kam dann schließlich auch die Organisation „Digitale Stadt Düsseldorf“ mit ins Boot. Dieser Verbund wird von Stephan Schneider geleitet, der bei Vodafone für den Bereich Business Development Public & Health ENN verantwortlich ist. Dem 2004 gegründeten Verband gehören mittlerweile rund 300 Firmen sowohl aus den Zukunftsbranchen der Innformations- und Telekommunikationswirtschaft als auch aus klassischen Branchen an.

Der Verein möchte über verschiedene Begegnungsplattformen dazu beitragen, dass sich beide Seiten noch besser vernetzen. „Ziel der Digitalen Stadt Düsseldorf ist es, sowohl Anbieter, Anwender als auch Kunden zu vernetzen und einen intensiven Informations- und Erfahrungsaustausch zu fördern“, erklärt Schneider. „Der Verein, in dem sich in den vergangenen Jahren viele bedeutende Unternehmen aus dem Düsseldorfer Raum zusammengeschlossen haben, ist ein wichtiges und wirkungsvolles Instrument der regionalen Wirtschaftsförderung geworden“, unterstreicht er.

Erste deutsch-ungarische digitale Städtepartnerschaft

Während es einen weiteren ähnlichen Verein in Deutschland lediglich noch in München gibt, ist das, was dann im Laufe der Tech Days aus der Taufe gehoben wurde, nämlich die digitale Städtepartnerschaft zwischen Budapest und Düsseldorf, ein absolutes Unikat. Hintergrund der Initiative ist die Absicht, dass das soeben erlebte gedeihliche deutsch-ungarische Miteinander in Sachen Digitalisierung und Start-ups möglichst keine einmalige Angelegenheit bleibt, sondern kontinuierlichen Charakter erhält.

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Marie-Theres Thiell, CEO der innogy Hungaria, und Botond Bősze, Co-Founder und CEO von BeeRides beim Hungarian Tech Day in Düsseldorf.

Der ungarische Vertragspartner der Düsseldorfer ist die Budapester Stiftung für Unternehmensentwicklung (ung.: Budapesti Vállalkozásfejlesztési Közalapítvány, kurz BVK). Deren Vorsitzende, Piroska Szalai, konnte neben Stephan Schneider ein entsprechendes Memorandum unterzeichnen. Da es innerhalb der 1993 gegründeten Stiftung sowohl ein Programm für innovative KMUs als auch für Start-ups gibt, sieht Frau Szalai keine Notwendigkeit, in Analogie zur Digitalen Stadt Düsseldorf eine neue Organisation zu gründen.

„Gut bespielbare Plattform“

Gemäß Artikel 1 des Memorandums ist es das Ziel der neuen Kooperation, die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Budapest und Düsseldorf zu stärken und den Transfer von Know-how und Erfahrungen zwischen beiden Städten voranzutreiben. Zu diesem Zweck sollen, wie in Artikel 2 ausgeführt, unter anderem gemeinsame Konferenzen, Treffen und andere Networking-Events organisiert werden. Außerdem sollen gemeinsame Programme aufgesetzt werden. Im Prinzip sollen also die jeweiligen Netze der beiden Organisationen vernetzt werden.

Die Innogy-Top-Managerin Marie-Theres Thiell hält die digitale Städtepartnerschaft für eine hervorragende Idee, da sie unter anderem mit Projekten, die bei innogy Hungaria beziehungsweise bei ELMŰ bereits stattfinden oder in Planung sind, gut „bespielbar“ ist. Dass die Vorstandsvorsitzende bei dieser Städtepartnerschaft so engagiert mit dabei ist, hat neben dem Potenzial für die Projekte ihrer ungarischen Firmen auch damit etwas zu tun, dass die branchenübergreifende Vernetzung ein Kernbestandteil der Strategie der neuen RWE-Ausgründung innogy ist.

Außerdem ist ein wesentlicher Exponent von Digitale Stadt Düsseldorf, nämlich Vodafone, seit der diesjährigen CEBIT sogar ein strategischer Partner von innogy: In einem Interview mit der führenden deutschen Wirtschaftszeitung Handelsblatt kurz vor der Unterzeichnung der Vereinbarung erklärte Peter Terium, Vorstandsvorsitzender der innogy SE, den Sinn der Kooperation vor allem damit, dass man gemeinsam den Zugang zu Geschäftsmöglichkeiten bekomme, die beide Firmen auf sich allein gestellt nicht hätten. „Aus dieser Kombination entstehen ganz neue Geschäftsmodelle, von denen wir beide profitieren.“

Intelligente Straßenlaterne weist die Richtung in die vernetzte Zukunft

Als ein Beispiel erwähnte Terium übrigens die intelligente Straßenlaterne, bei deren Entwicklung Ungarn einen wichtigen Anteil hatte. Ein Prototyp dieser smarten Leuchte, die außer Licht noch Strom für Elektroautos spendet und auch als Wifi-Hotspot dient, steht übrigens am Budapester Einkaufszentrum „Mammut“. Das Thema Smart City hält aber noch eine Fülle weiterer Möglichkeiten bereit. So erwähnte der Co-Interviewte Hannes Ametsreiter, der seit 2015 Vodafone Deutschland leitet, die Themen intelligente Müllentsorgung und optimales Parkplatzmanagement. Durch gesteuerte Verkehrsströme soll es zu weniger Staus und Verkehrsunfällen kommen. „Wir wollen beide als Unternehmen nicht einfach abwarten, sondern die Zukunft aktiv gestalten – etwa mit unseren Straßenlaternen.“ Die Zeiten des Alleinmachens seien vorbei, Mehrwert werde heute darüber generiert, dass man verschiedenste Informationen miteinander verbindet. „Das gelingt aber nur, wenn wir uns öffnen.“

Drei Gewinner

Beim Hungarian Tech Day konnte sich von den zehn Teams, die in der Sky Lounge des Vodafone-Campus in Düsseldorf unter dem Motto „Be smart“ ihre Geschäftsmodelle vorstellten, schließlich das Start-up BeeRides durchsetzen, das mit einer völlig neuen Carsharing-Plattform an Flughäfen die Jury begeisterte. Autobesitzer können über BeeRides ihr Fahrzeug während ihrer Abwesenheit an Touristen vermieten – bei vollem Versicherungsschutz. Die Jungunternehmer profitieren nun unter anderem von einem Jahr kostenloser Stromversorgung durch innogy Hungaria, mit der der erste Preis dotiert war. „Für innogy ist die Innovation und die Unterstützung von Start-ups ein wichtiges Thema. Hierbei die verschiedenen Märkte zu vernetzen, ist für uns besonders wichtig“, betonte Marie-Theres Thiell, CEO der innogy Hungaria, bei der Preisverleihung.

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Marc de Bastos Eckstein (Geschäftsführer ThyssenKrupp Presta Hungary), Marie-Theres Thiell (CEO innogy Hungaria), Piroska Szalai (BVK-Präsidentin), Mária Vass-Salazar (Abteilungsleiterin für Wissenschaftsdiplomatie im Außenministerium), Christian Klapka (Head of Commercial Development, Vodafone Deutschland) und Moderator Csaba Szajlai (Journalist beim Figyelő) beim Hungarian Tech Day in Budapest.

Nach intensiver Diskussion entschied sich die Jury für die Würdigung von zwei weiteren Start-ups. Beide sollen das Leben von Menschen mit Behinderungen erträglicher machen: EVA Vision hat eine Brille mit Sprachsteuerung für Sehbehinderte entwickelt, die Objekte, Texte und Hinweise erkennt und beschreibt. Route4U hat eine Smartphone-Navigations-App für Rollstuhlfahrer programmiert, die die Behindertenfreundlichkeit von Wegen berücksichtigt. „Route4U kann weiter auf unsere Unterstützung zählen, diese Innovation passt hervorragend in unser CSR-Konzept“, so Marie-Theres Thiell.

„Es muss zu realen Umsetzungen kommen“

Im Anschluss an die Preisverleihung kam es dann zur feierlichen Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung zwischen der BVK und dem Verein Digitale Stadt Düsseldorf, also praktisch zur Gründung der digitalen Städtepartnerschaft Düsseldorf-Budapest, der ersten dieser Art zwischen Deutschland und Ungarn. Die Unterschrift leisteten Piroska Szalai, Präsidentin des Kuratoriums der Wirtschaftsförderung Budapest, und Stephan Schneider, Vorstandsvorsitzender Digitale Stadt Düsseldorf.

Abgerundet wurde die Doppelveranstaltung, der Düsseldorfs OB Thomas Geisel und Ungarns Botschafter Dr. Péter Györkös beiwohnten, dann noch durch eine Podiumsdiskussion. Dr. Marie-Theres Thiell, Michael Reinartz (Innovationschef von Vodafone), Thomas Daiber (CEO von Hubject, an der auch innogy beteiligt ist), Dr. László Palkovics (ungarischer Bildungsstaatssekretär) und Dr. Gábor Bagdy (Vize-Oberbürgermeister der Stadt Budapest) diskutierten über das Thema „Smart Cities und Mobilität in der Zukunft“. Bei der Diskussion betonte Frau Thiell nachdrücklich, dass es wichtig sei, zu „realen Umsetzungen“ zu kommen.

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