(…) Wenn wir uns brav zurückziehen würden, könnten wir uns sorgenfrei an der Brust der liberalen Union ausruhen.

Wir würden nicht im Geringsten auffallen und könnten gleich unauffällig mit dem blassen Hintergrund verschmelzen. Man würde uns nicht fortlaufend bedrohen, dass man uns aus der Union schmeißt, sofern wir nicht Tausende von Quoten-Flüchtlingen, die durch Schlepperbanden nach Europa kamen, bei uns aufnehmen. (…)

Dass die amerikanische CEU und die Zentraleuropäische Universität nicht ein und dieselbe juristische Person sind, habe ich zugegebenermaßen selbst nicht gewusst. Ich dachte, es würde sich nur um eine wörtliche Übersetzung handeln.

Dem ist aber nicht so: Es gibt irgendwo in den Vereinigten Staaten ein Büro oder ein Postfach und es gibt auch eine Akkreditierung durch den Bundesstaat New York, aber die Ausbildung erfolgt im Endeffekt in Budapest. Aufgrund der genial-einfachen Idee, dass die Studien zu ungarischen Preisen absolviert werden können, es aber am Ende neben dem ungarischen Abschluss auch einen amerikanischen Abschluss gibt, können bedeutende Summen in die Kasse fließen.

Fidesz-Offensive hat juristische, moralische und politische Grundlage

Meiner Meinung nach irrt derjenige, der diese Universität als Schein-Uni bezeichnet, denn bei ihr geht es um ein knallhartes Geschäft. Viel passender fände ich die Bezeichnung „Offshore-Universität“. (…)

Der allseits bekannte Soros-Brief aus der Zeit vor 2004 – noch vor der Neupositionierung – macht deutlich: Der Börsenspekulant und Uni-Gründer wurde auch diesmal nicht von grenzenloser Philanthropie geleitet: Statt Rechte wollte er viel mehr Vorrechte (viele Freiheiten), die er auch ohne Weiteres bekam.

Die Fidesz-Offensive hat also eine juristische, moralische und auch eine politische Grundlage. (…) Dabei behauptet der CEU-Rektor, ohne dabei mit der Wimper zu zucken, dass die Zwillingsinstitution nichts mit ihrem eigenen Gründer zu tun hätte. (…) Sie hätte auch nichts mit der europäischen Politik zu tun, die Ungarn als ihren Feind erklärte. Ganz zu schweigen von den ungarischen Rechtsschutz-Organisationen, die die Flüchtlingsflut aktiv unterstützen beziehungsweise den Gewalttaten durch Migranten, die Europa immer öfter heimsuchen.

Weltweites Netzwerk binnen 24 Stunden mobilisierbar

Wenn die klare Abzeichnung der Frontlinie das zu demonstrierende Ziel gewesen wäre, kann man durchaus sagen, dass dieses Experiment ziemlich gut gelungen ist. Es stellte sich zum Beispiel heraus, dass sich das weltweite Netzwerk binnen 24 Stunden mobilisieren lässt. (…)

Sehr lehrreich war es auch, das rasche Anpassungsvermögen der heimischen Opportunisten und Wetterhähne zu beobachten, genauso wie jenes der sich als Christdemokraten bezeichnenden Akteure des europäischen Schlachtfelds, die in ihren Worten zwar die Soros-Universität (praktisch Soros selbst) verteidigen, aber irgendwie doch nicht die Notwendigkeit verspüren, in ihren eigenen Ländern eine der Budapester Diplom-Fabrik ähnliche Institution zu betreiben.

(…) Manchmal erscheinen die Demos der Institution, deren Studentenschaft nur zu 20 Prozent aus ungarischen Studierenden besteht, aufgrund der sprachlichen Schwierigkeiten etwas komisch. Ziemlich kontraproduktiv sind die Aktivitäten der Oppositionsparteien, die sich der Angelegenheit nur allzu fürsorglich annehmen.

Straßen-Politik der sterbenden Schwäne

So auch die MSZP-Abgeordnete Ágnes Kunhalmi, die am Parlamentsgebäude demonstrativ die EU-Flagge (in einer amerikanischen Sache!) hisste, sowie die DK-Abgeordnete Ágnes Vadai, die bezüglich der CEU ein Referendum starten möchte. (Die Momentum-Bewegung ruht sich derweil auf den provisorischen Lorbeerblättern aus und gönnt sich mal ein politisches Nickerchen.) Das Ziel ist die Vision von den zweistündlich gesperrten Donau-Brücken sowie die totale Missachtung der Demokratie, damit es ja tolle Bilder über den ungarischen Polizei-Terror gibt. (…)

Die auf die Straßen und Brücken getriebene Politik ist der immer wieder belebte Traum der sterbenden Linken, deren Überlebens-Interessen sich jedoch nicht unbedingt mit den eminenten Soros-Interessen decken. Und es bieten sich vergeblich Vilnius, Pressburg oder Klagenfurt an, um der CEU und der Zentraleuropäischen Universität ein neues Zuhause zu geben, sie fühlt sich ja doch in der mitteleuropäischen Party-Stadt Budapest am allerwohlsten.

Und sie hätte es anderswo auch nicht so gut, wie bei uns: Die Frage ist nur, ob sie gewillt sein wird, die Bedingungen des „Vermieters“ zu akzeptieren oder ob sie weiterhin bei der fruchtlosen Kraftpolitik bleibt. Eines ist jedenfalls sicher: In den nächsten Wochen und Monaten wird sich auf alle Fälle die Spreu vom Weizen trennen.


Der hier in Auszügen wiedergegebene Kommentar erschien am 6. April auf dem Online-Portal der konservativen Regierungszeitung Magyar Idők.

Aus dem Ungarischen von Dávid Huszti

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