Seit dem 16. März sind Sie der offizielle Rektor der Andrássy Universität und wurden vom Staatspräsidenten János Áder persönlich in Amt und Würden eingeführt. Der Universität sind Sie aber schon seit den Anfangsjahren als Professor für Wirtschaftswissenschaften treu. Welche ersten Eindrücke haben Sie nun von Ihrer neuen Tätigkeit als Rektor?

Das ist natürlich ein vollkommen anderes Tätigkeitsfeld, was mit mehr administrativen Aufgaben einhergeht, denn die Lehrtätigkeit und fachlichen Aufgaben treten ein wenig in den Hintergrund. Aber ich muss sagen, dass es gerade das reizvoll macht, denn es wird nicht langweilig, weil die administrativen Aufgaben sehr vielfältig sind. Es gibt viel zu erledigen, Termine einzuhalten, mit dem Kanzler arbeiten wir auch sehr eng in Sachen Universitätshaushalt zusammen. Vor der Zeit der Amtseinführung habe ich mir mithilfe des Kanzlers und der alten Universitätsleitung einen Überblick über die Finanzen machen können, im Groben bin ich also mit den Prozessen bereits vertraut. In diesem Bereich werde ich aber weiter sehr eng mit der Universitätsleitung zusammenarbeiten.


Sie als Ökonom haben aber sicherlich eine andere Herangehensweise an die Leitung einer Universität als Ihr Vorgänger Prof. Dr. Masát, der ja Sprach- und Kulturwissenschaftler war.

Nun ja, mein Forschungsschwerpunkt der Volkswissenschaft bezieht sich eher auf Theorien. Die Bereiche Business&Management und Unternehmensfinanzierung wären für meine Tätigkeit wahrscheinlich nützlicher. Aber in dem Punkt haben Sie wahrscheinlich Recht, die Denkweise ist sicherlich eine andere.


Zum Beispiel ökonomisch zu wirtschaften?

Ja, Rationalität walten zu lassen, zu überlegen „Was bringt es?“ – denn der Ökonom denkt immer „Ich gebe etwas ab und bekomme dafür etwas“. Das ist also eine andere Herangehensweise an Dinge, als in der Kulturwissenschaft. Was aber nicht bedeutet, dass ein Kulturwissenschaftler kein guter Ökonom sein kann. Das schließt sich nicht aus.


Ich erwähnte eingangs, dass Sie schon seit Beginn an dabei sind an der Universität. Seit wann genau?

Seit 2002, damals gab es noch kein Gebäude. Es waren drei Personen, die in der oberen Etage des damaligen Bildungsministeriums die Uni erträumt haben. Wir haben uns einmal die Woche getroffen und uns überlegt, wie wir vorgehen sollen. Von den dreien sind zwei noch immer hier, einer davon bin ich.


Sie sind schon seit den 70er-Jahren in Ungarn und haben sich hier eine akademische und wissenschaftliche Karriere aufgebaut und an den wichtigsten Universitäten Ungarns gelehrt. Planen Sie Ihre Lehrtätigkeit nebenberuflich weiterzuführen?

Nein, ich habe jetzt meine Stelle als Rektor hier. Bis zum 1. Februar war ich fest an der Technischen Universität beschäftigt, jetzt lehre ich dort noch ein einziges Fach, das gegenwärtig niemand anderes halten kann. Eine Zeitlang werde ich dieses Fach noch lehren, aber eine Zweitstelle, wie es oftmals üblich ist, habe ich nicht. Dies ist auch nicht geplant. Natürlich schließe ich nicht aus, nebenbei Vorträge zu halten oder an mehrtägigen Seminaren teilzunehmen. Eine feste Zweitstelle ist allerdings nicht geplant. Interesse hätte ich zwar schon noch an einigen Themen und Universitäten, aber die Zeit dafür reicht einfach nicht. Meine erste Lehrstuhlleiterstelle hatte ich an der Universität Győr, dort halte ich auf dem Weg zurück aus Wien noch immer ab und zu an und treffe mich mit alten Kollegen.

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„Die Erfahrung der Interdisziplinarität ist etwas sehr Wichtiges für das weitere Leben eines Absolventen.“

Wenn Sie an Ihre eigene Alma-Mater, der Corvinus Universität denken, was hat Sie dort geprägt und was wollen Sie den Absolventen der Andrássy Universität fürs Leben mitgeben?

Zum einen, das Leben und Handeln in einer heterogenen und internationalen Gruppe. Sich darauf einstellen zu können, dass das Gegenüber anders denkt, als man selbst, und dass man die eigenen Argumente sachlich darlegen muss. Ich denke, diese Erfahrung der Interdisziplinarität ist etwas sehr Wichtiges für das weitere Leben eines Absolventen. Es passiert an der Uni hier häufig, dass ein bestimmtes Thema von verschiedenen Professoren auf unterschiedliche Weise behandelt wird. Im Idealfall stellt der Student dadurch fest, dass man dasselbe Problem auf unterschiedliche Weise interpretieren kann. Die Diversität von Ansichten und Herangehensweisen an Probleme ist eine wichtige Lehre für das Leben. Dadurch bekommt man einen anderen Einblick in ein und dieselbe Problematik. Dinge zu hinterfragen, nichts als gegeben zu akzeptieren – das sind Dinge, die man an Universitäten lernt. Lehrstoff erlernen und reproduzieren, das ist nicht der Sinn der Sache. Sondern eigenständiges, kritisches Denken fördern. Ich beginne meine Vorlesungen auch häufig mit dem Satz: „Ich lade Sie dazu ein, mit mir über dieses Problem nachzudenken.“ Und ich freue mich immer über Fragen zu einem bestimmten Fall.


Ihre erste offizielle Amtshandlung als neuer Rektor, war ein Treffen mit der Universität Liechtenstein. Ist denn mit dem Land Liechtenstein eine längerfristige Kooperation geplant?

Wir wissen es noch nicht, da dies erst das erste Treffen zwischen den Vertretern der beiden Universitäten war. Aber Liechtenstein bietet sich für eine Kooperation an, da es ein deutschsprachiges Land ist und zu unserer Ausrichtung passen würde. Darüber hinaus hat die Universität Liechtenstein einige Studiengänge und Fächer, die für uns interessant sein könnten. Mit den Liechtensteiner Kollegen haben wir jetzt zunächst geschaut, ob es passen könnte. Vorsichtig formuliert würde ich sagen: Eine Bereitschaft ist auf beiden Seiten da. Ob jetzt Liechtenstein später als vollwertiger Partner, ähnlich den deutschen Bundesländern Baden-Württemberg und Bayern in Betracht kommt, darüber eine Aussage zu treffen, wäre jetzt noch zu früh.


Die Andrássy Universität hat in den Jahren ihres Bestehens mehrfach mit finanziellen Schwierigkeiten kämpfen müssen. Denken Sie, dass diese nun überwunden sind?

Die finanzielle Absicherung der Universität ist viel besser als vor zwei Jahren. Es gibt die Absichtserklärung der Partnerländer, die Finanzierung für drei Jahre sicherzustellen und dann zu einer fünfjährigen Finanzierung überzugehen. Die Situation ist also definitiv besser als vor ein paar Jahren. Dass es immer mal wieder Ereignisse gibt, die dem entgegenwirken, das ist verständlich. Wenn im deutschen Bundestag der Haushalt verabschiedet wird, da zögert jeder Finanzminister zunächst bei der Vergabe von Bildungsgeldern, ähnlich sieht es in Österreich aus. Wir haben Kollegen, die vor Ort den jeweiligen Ministern erklären, warum das Geld hier wirklich gebraucht wird. Auch wenn es einmal Pausen in der Finanzierung gibt, sehe ich trotzdem sehr optimistisch in die Zukunft.


Dass Sie ein Wirtschaftsexperte sind, das ist für eine Universität natürlich sehr vorteilhaft. Gibt es denn einen weiteren Bereich, bei dem sie während Ihrer Amtszeit Ihre persönliche Note hinterlassen und Schwerpunkte setzen möchten?

Ja, ich würde sagen im Bereich der Kommunikation. In diesem Bereich versuche ich, wie Sie es sagten, meine persönliche Note einzubringen. Ich habe zum Beispiel seit Jahren die Angewohnheit, dass wenn ich mit jemandem sprechen möchte, denjenigen nicht zu mir ins Büro bitte, sondern in sein Büro gehe. Das hat mehrere Vorteile. Einer davon ist, dass ich in dem anderen Büro aufstehen kann, wann ich will. Der andere ist, dass man die Kollegin oder den Kollegen in der für Sie gewohnten Atmosphäre antrifft, was häufig dazu führt, dass sie freier sprechen. Die Kommunikation halte ich für sehr wichtig. Ich weiß zwar nicht, wer mir das einmal gesagt hat, aber dieser Satz hat mich sehr geprägt: „Wenn man mit jemandem gesprochen hat, beginnt das zweite Gespräch nicht dort, wo das Erste anfing.“ Das zweite fängt irgendwo eine Stufe höher an, egal ob es sich um ein positives oder negatives Gespräch handelt. Man hatte den Erstkontakt und kann von dort aus weitergehen. Deswegen halte ich die Kommunikation für sehr wichtig, sowohl nach innen als auch nach außen. Ich plane, die Kollegen aus allen Bereichen, auch aus der Verwaltung, in die Entscheidungen miteinzubeziehen. Noch bevor ich das Amt übernommen habe, habe ich mit Einverständnis der alten Universitätsleitung, die Kollegen aus der Verwaltung und aus dem wissenschaftlichen Bereich, die mindestens seit zehn Jahren hier arbeiten, zu getrennten Gesprächen gebeten und sie gefragt, was ihre Meinung zu einigen Problemen der Universität ist. Demnächst wird es eine Fortsetzung dieser Gespräche geben, noch gegen Ende dieses Semesters wird eine Vollversammlung stattfinden, zu der alle Mitarbeiter der Universität eingeladen werden. Diese Vollsammlung hat zum Ziel, das Programm für die nächsten zweieinhalb Jahre gemeinsam mit allen Mitarbeitern zu planen. Als Mitarbeiter verstehe ich schließlich solche Personen, die mit mir zusammen arbeiten.


Welche Erwartungen haben Sie an Ihre Mitarbeiter?

Meine Erwartung an meine Mitarbeiter ist, mitzudenken und die eigene Meinung zu sagen. Vor allem auch dann, wenn sie nicht mit meiner übereinstimmt. Dadurch werde ich gezwungen, meine eigene nochmal zu überdenken. Genauso soll auch der andere seine Meinung hinterfragen, wenn sie nicht mit meiner übereinstimmt. Am Ende wird sich dann vielleicht herausstellen, dass wir zwar keinen gemeinsamen Standpunkt haben, aber dann wird einer entscheiden müssen – oder man findet einen Kompromiss.


Haben Sie bei ungarischen und ausländischen Mitarbeitern Unterschiede bemerkt, was den Austausch von Meinungen angeht?

Ja, ich würde schon sagen, dass es Diskussionsunterschiede gibt. Aber das ist nicht nur bei den Mitarbeitern so, das finden sie auch in den Lehrveranstaltungen. Ich habe bislang hauptsächlich an ungarischen Universitäten gearbeitet und dort beobachtet, dass die ungarischen Teilnehmer dazu sozialisiert wurden, den Lehrstoff zu erlernen und wiederzugeben. Und wenn meine Lieblingsfrage „Warum“ ertönt, dann fallen viele Ungarn aus allen Wolken. Bei Teilnehmern aus Deutschland oder anderen Ländern, kommt auch mal die Frage, warum etwas so ist, wie es ist. Oder der Einwand, dass sie etwas anders sehen. Solche Unterschiede merkt man natürlich auch bei den Mitarbeitern. Obwohl ich sagen muss, dass die Lerneffekte sehr gut sind. Viele lernen hier, was es bedeutet, etwas zu hinterfragen und die eigene Meinung frei zu äußern.

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Der neue Rektor möchte besonders in der Kommunikation neue Akzente setzen.

Die Universität hat kürzlich einen neuen Studiengang eingeführt, Management and Leadership. Gehört es zu Ihren Zielen, stärker als bislang mit ausländischen, vor allem deutschsprachigen Unternehmen vor Ort zu kooperieren?

Wir haben einerseits einen Vertrag abgeschlossen über Stipendienmöglichkeiten für weibliche Nachwuchsführungskräfte, dort sind jetzt sechs Unternehmen miteingebunden. Heute Morgen hatten wir ein Treffen mit den Kollegen, die an diesem Programm mitarbeiten und sind so verblieben, dass wir jetzt erstmal das Projekt stabilisieren und den neuen Studiengang ein Jahr lang laufen lassen und anschließend eine Evaluation durchführen. Beide Seiten, das heißt die Unternehmen und die Universität wägen dann ab, was gut lief und wo noch Verbesserungsbedarf besteht. Und nachdem das stattgefunden hat, kann langsam darüber nachgedacht werden, den Kreis der Unternehmen zu vergrößern. Aber natürlich ist es so, dass wir mit den Unternehmen und Partnern aus deutschsprachigen Ländern den Kontakt suchen und intensivieren möchten. Genauso wichtig ist uns der Kontakt zu den Industrie- und Handelskammern. Dort sammeln sich natürlich die Informationen, die für uns wichtig sind. Zum Beispiel, welchen Ruf unsere Absolventen genießen und ob sie wirklich die Ausbildung erhalten, die für die Unternehmen relevant sind. Und dann ist da der Aspekt der Finanzierung, denn wenn Unternehmen ein Stipendium anbieten, ist das eine große Unterstützung und auch eine Motivation für die Absolventen, im Anschluss an das Studium sich bei dem Unternehmen zu bewerben.


Was glauben Sie könnte für ausländische Studenten, die einen Studiengang der Andrássy Universität absolviert haben, angesichts der ungarischen Löhne trotzdem ein Anreiz sein, in Ungarn zu bleiben und hier zu arbeiten?

Das mit den Löhnen kommt natürlich darauf an, in welchem Bereich man arbeitet. Schließlich gibt es auch solche Firmen in Ungarn, die nicht die typischen Löhne bezahlen und in denen man solche Löhne beziehen kann, die deutschen nicht unähnlich sind. Zum Beispiel in der Banksphäre oder bei den großen Multis. Wenn jemand hier bleiben möchte, dann würde ich ihm dazu raten, zu internationalen Unternehmen oder Organisationen zu gehen. Denn meiner Meinung nach werden dort die Fähigkeiten gesucht, die hier vermittelt werden und dort am besten zur Geltung kommen. Zum Beispiel die Mehrsprachigkeit und die Diversität von Meinungen. Man kann außerdem beobachten, dass ein gewisser Anteil an ausländischen Absolventen hier im Land oder in der mittelosteuropäischen Region bleibt.


A propos Absolventen der Universität. Einige Jahre bevor mir die Ehre zuteil wurde, Sie heute hier zu interviewen, saß ich selbst als Studentin in Ihren Vorlesungen. Damals, im Wintersemester 2008/09, haben Sie Mikro- und Makroökonomie vor dem Hintergrund der Finanzkrise gelehrt. Was hat sich seitdem auf dem europäischen Finanzmarkt verändert?

Sagen wir mal so, was sich verändert hat und sich noch verändert, das ist eine andere Herangehensweise an derartige Krisen. Es ist vollkommen natürlich, dass in wissenschaftlichen Bereichen bestimmte Schulen existieren, von denen immer eine die führende Rolle spielt. Dass sich nach der Finanzkrise jetzt ein langsamer Wechsel von Schulen vollzieht, das war zu erwarten. Die Schule, die hundertprozentig auf einen freien Markt gesetzt hat, hat sich als nicht erfolgreich erwiesen. Jetzt kommt wiederum die Schule, die das alles in Frage stellt. Es werden aber auch immer mehr Forderungen laut, dass man versuchen soll, die alten Theorien der Volkswirtschaftslehre zu überdenken. Zum Beispiel die Frage, welche Rolle die Psychologie bei derartigen Prozessen spielt, das gab es bislang nicht. Es wurde angenommen, dass der volkswirtschaftliche Akteur gefühllos und völlig rational Entscheidungen trifft. Ich bin der Meinung, dass die Frage nach Gefühlen, Vorstellungen und Werturteilen, die bislang weitgehend ausgeklammert wurde, durchaus eine Bedeutung hat. Und in diesem Bereich ist die größte Veränderung zu sehen. Was die Krise selbst angeht, so glaube ich, dass die entscheidenden Probleme noch bei weitem nicht gelöst wurden. Die Finanzkrise hat sich zu einer Krise Europas entwickelt, Stichwort Griechenland, Europa der zwei Geschwindigkeiten, Brexit und vieles mehr.


Wo sehen Sie als neuer Rektor die Andrássy Universität in fünf Jahren? Was möchten Sie gerne erreichen?

Das erste ist die finanzielle und institutionelle Absicherung für die Zukunft, das zweite ist, die Studierendenzahlen nicht nur zu halten, sondern zu erhöhen, und das dritte ist, die Universität in die ungarische und europäische Hochschullandschaft zu integrieren. Das heißt, ich stelle mir eine Universität vor, die mehr Studierende hat als heute, die sich bestimmte Dinge leisten kann, deren Lehrende bei anderen Universitäten Ungarns gern gesehene Vortragende sind. Eine Universität, zu der ausländische Kollegen gerne zu Konferenzen kommen. Außerdem ist mir ein stärkerer wissenschaftlicher Austausch wichtig, auch von Lehrkräften. Insgesamt eine Vernetzung mit der Hochschullandschaft Ungarns, aber auch der des Auslands. Zum Beispiel zur Universität Liechtenstein. Wir waren mit zwei Kollegen Anfang März aber auch in Kairo und haben dort über eine Kooperation mit den ägyptischen Kollegen nachgedacht. Es gibt ja in sehr vielen Ländern deutsche Fakultäten und viele Möglichkeiten der Kooperation.


Sie erwähnten, dass Sie sich mehr Studierende wünschen. Bieten die jetzigen Räumlichkeiten denn genügend Platz für eine Erhöhung der Studierendenzahl?

Das ist natürlich nicht einfach. Wenn wir dieses Gebäude behalten, dann können wir unter Ausschöpfung aller Ressourcen nicht mehr als 280 Studierende ideal versorgen. Gegenwärtig haben wir mit Erasmus-Studenten 250 Studierende an der Universität. Unsere Partner wären natürlich glücklich, wenn wir die Zahl 300 erreichen würden. Um das zu bewerkstelligen, müssen wir die Räumlichkeiten erweitern, aber das ist noch Zukunftsmusik. Die eine Möglichkeit wäre natürlich, ein neues Gebäude zu erwerben oder ein zusätzliches anzubauen. Um mehr Studierende anzusprechen, werden sich die geplanten Werbemaßnahmen zunächst bewähren müssen.


Welche Kommunikationsstrategie hat die Universität entwickelt, um die Sichtbarkeit nach außen zu erhöhen und dadurch auch mehr potentielle Studierende anzusprechen?

Die Strategie hat sich ein wenig verändert, denn seit letztem Jahr gibt es Doppel-Master mit den Universitäten Passau und Leipzig. Die Teilnehmer, die im Rahmen dieser Doppel-Master unterrichten, sind im Prinzip Botschafter der Universität. Wenn man etwa in Passau oder in Leipzig einen Vortrag hält und dann gefragt wird, was die Andrássy Universität eigentlich ist, dann ist die Werbung eine andere, als wenn wir nur Flyer auslegen würden. Zum anderen sprechen die Teilnehmer dieses Doppel-Masters mit ihren Kommilitonen, auch sie sind also Botschafter der Universität. Zufriedene Studierende und Absolventen sind also wichtige Mittler und transportieren unsere Botschaft in die Welt.

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„In internationalen Unternehmen und internationalen Organisationen werden die Fähigkeiten gesucht, die an dieser Universität vermittelt werden.“

Unsere zweite Ausrichtung und unser weiteres Kommunikationsziel ist es, in den Ländern des Westbalkans stärker präsent zu sein. Wir haben schon jetzt einige Studierende aus dieser Region, die sehr gute Deutschkenntnisse haben. Für den Frühling planen wir eine Rundreise durch die Länder Mazedonien, Albanien, Montenegro, Bosnien-Herzegowina und Kroatien. Dort haben wir schon gute persönliche Beziehungen, auch zu Institutionen. Im Rahmen von Vorträgen wollen wir die Andrássy Universität bekannter machen und wenn aus jedem Land eines Tages nur je zwei Studierende zu uns kommen, dann ist das schon ein Erfolg.


Ist für die Sichtbarkeit der Universität und ihrer Aktivitäten die Kooperation mit Medien, in diesem Fall besonders der Budapester Zeitung wichtig?

Ja, ich denke das ist sehr wichtig, denn die Medien sind letztendlich diejenigen, die die Informationen weitertragen. Wenn die Budapester Zeitung auf den Schreibtischen von allen Leitern der deutschsprachigen Institutionen liegt, ist das natürlich ein wichtiger Multiplikator von Informationen. Wenn wir dann idealerweise mit unseren Veranstaltungen Erwähnung finden, dann ist das für uns eine wichtige Werbung. Dann überlegt sich vielleicht jemand, der uns noch nicht kannte, selbst einmal an unseren Veranstaltungen teilzunehmen. Insgesamt denke ich, dass die Zusammenarbeit mit den Medien und speziell der Budapester Zeitung durchaus noch vertieft werden kann.


Meine abschließende Frage bezieht sich auf die Ereignisse rund um das neue Hochschulgesetz, wovon die Central European University besonders betroffen wäre. Wie stehen Sie als Rektor einer Partnerinstitution der CEU dazu? Und haben Sie Angst, dass die Andrássy Universität in Zukunft auch bedroht sein könnte von Gesetzesänderungen?

Ich möchte hier betonen, dass die CEU eine sehr gute Universität ist, die sehr wichtig ist für die ungarische Hochschullandschaft und die ungarische Forschung. Wir haben eine sehr enge Zusammenarbeit mit der Universität und wären sehr betroffen, wenn das nicht weitergeführt werden könnte. Ich bin der Meinung, dass beide Seiten, die gegenwärtig in der Diskussion sind, nach einem Kompromiss streben sollten. Ich halte es für wichtig, dass hier vor allem ein tragbarer Kompromiss gefunden wird. Ich kann an dieser Stelle, im Namen aller Kollegen sagen, dass wir sämtliche Maßnahmen von Universitäten oder der Regierung unterstützen, die die Qualität von Lehre und Forschung verbessern. Das, was in dem Antrag gefordert wird, trifft aber auch andere Universitäten und Bildungseinrichtungen. Was die Andrássy betrifft, so habe ich gestern Abend mit unseren Juristen gesprochen und sie haben uns bestätigt, dass wir das, was in dem neuen Gesetz gefordert wird, seit Jahren erfüllen. Unsere Universität ist mit allen Studiengängen, einschließlich der Doktorschule, akkreditiert. Außerdem ist die Andrássy eine Zusammenarbeit im Rahmen der Europäischen Union, womit sie in vollem Umfang gesichert ist.

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ZUR PERSON

Dietmar Meyer, Jahrgang 1954, stammt aus Falkensee in Brandenburg. Der Wirtschaftswissenschaftler studierte Mathematische Wirtschaft an der Corvinus Universität (ehemals: Karl-Marx-Universität) und promovierte 1984 an der Ungarischen Akademie der Wissenschaften zum Doktor der Volkswirtschaft. Neben einer Dozentur an der Humboldt Universität zu Berlin, war er als Tutor am Euro Study Center Wien und an der Fernuniversität Hagen tätig. Seine erste Stelle als Lehrstuhlinhaber führte ihn an die Széchenyi István Hochschule nach Győr, wo er mit Unterbrechung den Lehrstuhl für Wirtschaft bis 2005 geleitet hat. Seit 2002 ist er an der Andrássy Universität als Professor und später als Lehrstuhlinhaber tätig. Zwischenzeitlich lehrte er immer wieder an der Corvinus Universität Budapest und seit 2003 auch an der Technischen und Wirtschaftswissenschaftlichen Universität Budapest.

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