„Húsvét“ – Ostern

Die Christen feiern zu Ostern die Auferstehung von Jesus Christus, der als Sohn Gottes den Tod überwunden hat. Eingeläutet wird das Fest mit dem Gründonnerstag zum Gedenken des letzten Abendmahls und Karfreitag in Gedenken an die Kreuzigung Jesu. Nach diesen eher dunklen Tagen beginnt mit dem Ostersonntag die österliche Freudenzeit, die bis Pfingsten anhält. Die Ungarn nennen das Osterfest „Húsvét“, was zu Deutsch so viel wie „Fleischnahme“ bedeutet und wohl vor allem auf die am Gründonnerstag endende Fastenzeit angespielt. Doch nicht nur christliche Elemente sind im ungarischen Osterfest symbolisiert, so wird Ostern etwa auch der erste Frühlingsvollmond gefeiert und damit der Frühling willkommen geheißen. Ein eher neues, aber trotzdem beliebtes Phänomen ist der Osterhase, der auch in Ungarn bei vielen Kindern Eier und Geschenke bringt.

„Locsolkodás“ – hier wird’s nass

Falls Ihnen am Ostermontag durchnässte Damen und Männer mit gefüllten Wassereimern begegnen sollten, wundern Sie sich nicht, das alles ist Teil eines alten ungarischen Osterbrauches, dem „Locsolkodás“. Das kann man wohl am besten mit „Gießen“ übersetzen und hat folgende Bewandtnis: In früheren Zeiten und vor allem auf dem Land haben junge Frauen am Ostermontag, schick in folkloristischer Tracht und bestückt mit Ostereiern und anderen Köstlichkeiten auf ihre Anbeter gewartet.

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So kann die Ausführung des ungarischen Osterbrauches „Locsolkodás” aussehen.

Diese kamen vor die Tür der Damen, baten durch einen aufgesagten „Gieß“-Spruch um Erlaubnis und schütteten dann den gesamten Eimerinhalt über die Frau – eine ganz schön nasse und wahrscheinlich auch kalte Angelegenheit. Dennoch ein Grund zur Freude und ein Wettbewerb zugleich, denn je mehr auf Besuch kommende „Gießer“ und nasse Kleidungsstücke, desto begehrter die Frau.

Warum die Ungarn das machen, dafür gibt es natürlich viele Interpretationen. Die Geläufigste ist, dass das Gießen ein Zeichen für Fruchtbarkeit sei, denn in vielen Überlieferungen werden Frauen mit Blumen verglichen. Und die gehen ja, wie jeder weiß, ohne Wasser und Pflege ein. Ein anderer Ansatz sieht im Gießen eine Art Säuberung zum Frühlingsbeginn. Auch wenn heutzutage größtenteils die Eimer ungefüllt zuhause bleiben und die ursprüngliche Bedeutung in den Hintergrund gerückt ist, wird auf das „Gießen“ in abgewandelter Form nicht verzichtet. Doch statt des Wassers besprühen Jungs und Männer ihre auserkorene „Blume“, aber auch manchmal einfach die weibliche Verwandtschaft – mit oder ohne Vorwarnung – mit Parfüm. Leider handelt es sich selten um Chanel Nº 5, daher kann es am Ostermontag schon mal vorkommen, dass die halbe ungarische Bevölkerung wie ein billiger Duftbaum riecht.

Der „Gieß“-Spruch

Damit unsere weibliche Leserschaft auf die „Gieß“-Offensiven vorbereitet und bei einer derartigen Ansprache nicht verwundert ist, stellen wir Ihnen hier einen bekannten und beliebten „Gieß“-Spruch vor. Natürlich gibt es hiervon zahlreiche Varianten.

„Erdő szélén jártam, kék ibolyát láttam, el akart hervadni, szabad-e locsolni?“

Was in einer freien Übersetzung so viel bedeutet wie:


„Ich lief am Rande des Waldes, sah blaue Veilchen, die zu verwelken drohten, und fragte, ob es erlaubt sei sie zu gießen.“

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Ein Einblick in ein buntes Ostereikörbchen.

Rund ums Osterei

Eine weitere Tradition zu Ostern, die wir auch aus anderen Ländern kennen, ist das Färben und Gestalten von Eiern. Nach christlichem Brauch symbolisieren Eier ewiges Leben und ursprünglich wurden sie rot getönt, um an das Blut Jesu zu erinnern. Natürlich werden heutzutage auch andere Farben verwendet, die die Osterkörbchen farbenfroh erscheinen lassen. Eine eigene ungarische Note bekommen die bunten Ostereier durch folkloristische Muster, insbesondere Blumen, die schon aus der ungarischen Volkstracht und Stickerei bekannt sind.

Üblich ist es, mithilfe von Wachs das Muster aufzuzeichnen, dann das Ei zu färben und schließlich leicht zu erwärmen, um überschüssige Wachsreste zu entfernen. Übrig bleibt das bunte, filigran verzierte Osterei. Doch auch wer kein Fan von Hühnereiern ist, muss nicht traurig sein. Auch in Ungarn gibt es ein großes Sortiment an Schokoeiern. Vor Nascherei und Genuss steht aber auch in Ungarn ein bisschen Arbeit in Form einer Ostereiersuche, die besonders für kleine Kinder zum Höhepunkt der Osterfeiertage zählt.

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Schinken als Osterköstlichkeit nach der Fastenzeit.

Osterschmaus – Eier, Schinken und „Kalács“

Neben den Ostereiern dürfen natürlich auch andere Köstlichkeiten auf dem Osterteller nicht fehlen. Während am Karfreitag, in Ungarn Nagy Péntek genannt, fleischfrei gegessen wird, komm am Ostersonntag dann traditionell meist Lamm auf den Tisch. Und da die Fastenzeit beendet ist, darf bei dem einen oder anderen auch etwas mehr zugelangt werden. Besonders begehrt sind daneben auch Schinken und „Kalács“. Bei der letzteren Speise handelt es sich um eine Backware, noch genauer um den auch in der deutschen Küche bekannten Hefezopf. Dieser wird je nach Belieben beispielsweise mit Rosinen, Hagelzucker oder Sesam bestreut.

Osterveranstaltungen in Hollókő und Szentendre

Zu einem Familienausflug an Ostern und einem Einblick in das traditionelle ungarische Osterfest laden das UNESCO-Weltkulturerbe-Dörfchen Hollókő nordöstlich von Budapest und das Ethnografische Freilichtmuseum „Skanzen“ in Szentendre ein. Hier können Sie traditionelle Bräuche wie das „Locsolkodás“ live miterleben, einen Einblick in die Kunst der Ostereiergestaltung erlangen oder einfach nur die heimische Frühlingsatmosphäre im Kreise ihrer Liebsten bei einem leckeren Osterei oder Hefezopf am Osterwochenende genießen.

Weitere Informationen zum Osterprogramm in Hollókő und Szentendre finden Sie unter www.holloko.hu sowie www.skanzen.hu.

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