(…) Viele Dinge deuten darauf hin, dass wir mittlerweile in einer Welt leben, in der die Spielregeln nicht mehr beachtet werden, wo das Recht nur mehr zu einem bloßen Instrument der Macht verkommen ist und wo die Politik immer unverschleierter zu einem Identifizierungssystem von Freunden und Feinden mutiert.

Jede neue Aktion entfernt uns immer weiter weg von der Freiheit und lässt uns immer tiefer im Sumpf versinken. Der Angriff auf die CEU befindet sich ebenso in dieser Reihe und zeigt mit einer besonderen Grausamkeit, welche Zeiten uns bevorstehen, wenn wir all das zulassen. Genau deshalb dürfen wir uns jetzt nicht stumm damit abfinden, was gerade geschieht, stattdessen müssen wir jetzt nein sagen, demonstrieren und Widerstand leisten.

Der Kampf gegen eine Vorzeige-Uni

Die CEU verdient es, dass wir alle für sie einstehen. Nicht nur deshalb, weil sie ein ausgezeichnetes und international anerkanntes Fachinstitut ist, wo die Rechtswissenschaften, die Politikwissenschaft, die Geschichtswissenschaft, die kognitive Psychologie etc. auf besonders hohem Niveau gepflegt werden. Nicht nur deshalb, weil eine ganze Schar ehrwürdiger Wissenschaftler dort arbeiten, die unsere Wertschätzung verdienen. Nicht nur deshalb, weil sie Tausenden von Studenten einen Anknüpfungspunkt in das wissenschaftliche Leben der großen Welt bietet, ihnen zeitgemäße Kenntnisse vermittelt sowie eine erstklassige Forschungs- und Unterrichtsinfrastruktur bereitstellt. Nicht nur deshalb, weil sie den ungarischen Staatshaushalt bereits mit Milliarden bereicherte, den heimischen Forschern die helfende Hand reichte und vom Ausland eine Menge Geld für Forschungszwecke akquirieren konnte.

Warum das Fortschritt-Flaggschiff bekämpfen?

Nicht nur deshalb, weil durch das Wirken der CEU viele ausländische Forscher Ungarn besuchen kommen. Nicht nur deshalb, weil sie dem ungarischen Hochschulwesen eine frische, neue Sichtweise verpasst. Nicht nur deshalb, weil sie eine Privatuni ist, für deren Betrieb die ungarischen Steuerzahler kein Geld opfern müssen, dafür aber in den Genuss ihrer Vorteile kommen. Auch nicht nur deshalb, weil ihr offener, freiheitsliebender Geist für ein buntes Ungarn mit einem florierenden intellektuellen Leben unverzichtbar wäre. Auch nicht nur deshalb, weil man sich hier getrost auch mit Themen auseinandersetzen kann, von denen es den Vertretern des ungarischen rechten Randes nur kalt über den Rücken läuft; Themen, die auch an unseren Unis, die noch die Geisteshaltung des 19. Jahrhunderts vertreten, Einzug finden könnten. Auch nicht nur deshalb, weil die internationale Dozenten- und Studentengemeinschaft der CEU eine wichtige Rolle dabei spielt, dass man Budapest überhaupt auf der akademischen Weltkarte findet.

Die Insel der Freiheit inmitten der Tyrannei

Sondern deshalb, weil die CEU für viele von uns eine winzige Insel der Freiheit inmitten einer Welt verkörpert, in der das Regime alles unter seine Kontrolle bringen will, wo alle als Feinde gebrandmarkt werden, die sie nicht als Freunde betrachten. Als ein ungarisches und gleichzeitig internationales Institut mit einer kosmopolitischen und gleichzeitig lokalen Budapester Vernetzung, die zwar staatlich anerkannt ist, aber aus Privatgeldern finanziert wird, genießt die CEU aus ihrem Wesen heraus eine Freiheit, die für uns alle erstrebens- und schützenswert ist. Wenn nur die Hälfte des Landes so „schlecht“ abschneiden würde, wie die CEU, könnten wir alle in einem viel humaneren Land leben.

Kämpfen, auch wenn der Kampf bereits verloren scheint

Ich bezweifle gar nicht, dass der Ausgang des jetzt begonnenen Kampfes nicht ausschließlich und auch nicht in erster Linie davon abhängen wird, wie wir jetzt alle Stellung beziehen. Aber dennoch müssen wir als Staatsbürger für den Schutz der CEU einstehen, nämlich für unsere persönliche Freiheit. Wir leben in einer Welt, in der immer mehr die Angst unsere Handlungen diktiert. Je mehr wir zulassen, dass die Angst überhandnimmt, umso weniger bleibt von unserer Freiheit übrig.

Bezüglich unserer Zukunft können wir natürlich keinen Illusionen nachjagen, aber für einen Rückzug gibt es keinen Raum mehr. Und wenn uns weder die Angst noch die Hoffnung leiten dürfen, was bleibt uns dann am Ende übrig? (…) Wir müssen als Beispiele der Standhaftigkeit vorangehen, damit wir dadurch die Seelen der anderen um uns herum stärken – zum Trotz gegen die erdrückende Tyrannei. (…) Jetzt können wir noch mehr tun, als bloß unserer eigenen Hinrichtung zuzuschauen, das ist unser Glück, aber das Wichtigste bleibt trotzdem, dass wir uns nicht an eitle Hoffnungen klammern und auch nicht vor Angst gelähmt dastehen, sondern standhaft Widerstand leisten. Etwas Anderes bleibt uns ja auch gar nicht übrig. #istandwithceu

Der hier in Auszügen wiedergegebene Kommentar erschien am 30. März auf dem linken Online-Blog Kettős Mérce.

Aus dem Ungarischen von Dávid Huszti

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